COPD und Depression – Wenn die Seele mitleidet

COPD und Depression – Wenn die Seele mitleidet

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine Atemwegserkrankung – aber nicht nur das. Vielleicht haben Sie als COPD-Betroffene(r) auch schon festgestellt: Sie müssen oft nicht nur nach mehr Luft ringen, sondern auch mit verschiedenen Begleiterkrankungen kämpfen. COPD ist mit Sicherheit eine Erkrankung, die den gesamten Organismus beeinträchtigen kann, was die Lebensqualität zusätzlich mindern kann. Das Risiko von Begleiterkrankungen ist vor allem dann hoch, wenn sich die körperliche Leistungsfähigkeit verschlechtert, schwerwiegende Infekte auftreten oder der Erfolg der Behandlung trotz hochdosierter Medikamente nachlässt. [2]

COPD und Depression

Menschen mit COPD haben zum Beispiel ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Wie zwei Studien in den letzten Jahren herausfanden, erkranken bis zu 40 % der COPD-Patienten zusätzlich an einer Depression, Angststörung oder anderen psychischen Störungen. Wobei diese Begleiterkrankungen unabhängig vom Schweregrad der Lungenerkrankung sind, also in frühen Stadien ebenso häufig wie in fortgeschrittenen Stadien auftreten. Die Studien zeigen auch, dass Patienten mit diesen Begleiterkrankungen deutlich häufigere und längere Verschlechterungen (Exazerbationen) hatten und häufiger stationär behandelt werden mussten als Patienten, die „nur“ (also ohne psychische Begleiterkrankungen) unter COPD litten. [1]

Solche Studien beweisen zwar nicht, dass eine Depression die COPD verschlimmert oder im Umkehrschluss, dass eine Behandlung der Depression auch die Beschwerden bei COPD lindern. Trotzdem ist ein Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen möglich, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Ein COPD-Betroffener mit Depressionen, kann größere Schwierigkeiten haben, sich an die Anweisungen seines Arztes zu halten, zum Beispiel nicht zu rauchen, einen geeigneten Sport zu treiben oder den Inhalator richtig zu benutzen.
  • Depressionen könnten mit Veränderungen im Immunsystem verbunden sein, durch die der COPD-Patient anfälliger wird für Umwelt-Trigger.

Aus diesem Grund besteht bei COPD-Patienten zwischen körperlichen und seelischen Symptomen eine Art „Teufelskreis“. Denn Depressionen können die Therapietreue von COPD-Patienten stark beeinträchtigen und damit den Krankheitsverlauf und die Prognose verschlechtern. Die fortschreitende Lungenerkrankung COPD muss konsequent behandelt werden. Nur so lässt sich der Krankheitsverlauf abbremsen und Verschlechterungen möglichst vermeiden. Depressionen sind ein Risikofaktor, der die zuverlässige Einnahme der entzündungshemmenden und bronchienerweiternden COPD-Medikamente gefährdet, die der Patient zur Linderung seiner Beschwerden und zur Verbesserung seiner Lebensqualität dringend braucht.

Was können Sie tun?

Wenn Sie gedrückter Stimmung sind, keine Freude empfinden oder antriebslos sind, wenn Sie bemerken, dass depressive Gedanken, Sorgen und Ängste Überhand nehmen, dann sprechen Sie mit jemandem darüber, am besten gleich mit Ihrem Arzt. Neben Ihren körperlichen Beschwerden sollten Sie bei Ihren Arztterminen unbedingt auch psychische Probleme, wie Depressionen, innere Unruhe oder Angstsymptome ansprechen!

Es gibt mehrere Strategien, um Ängste und Depressionen wirkungsvoll zu bekämpfen. Das sind einerseits angstlösende oder antidepressiv wirkende Arzneimittel, andererseits bewährte psychotherapeutische Ansätze (z.B. Verhaltenstherapie).

Sie können aber auch selbst viel für sich tun, um Depressionen und Ängsten als Begleiterscheinung Ihrer COPD Paroli zu bieten:

  • Bleiben oder werden Sie körperlich aktiv und bewegen Sie sich möglichst viel an der frischen Luft!
  • Schließen Sie sich einer ambulanten Lungensportgruppe an, denn gemeinsam macht Bewegung einfach mehr Spaß.
  • Igeln Sie sich nicht ein, sondern nutzen Sie beispielsweise Patientenschulungen, bei denen Sie auch Gleichgesinnte kennen lernen, mit denen Sie sich über Ihre Probleme austauschen können, die Ihnen Verständnis entgegenbringen und die sicher hilfreiche Ratschläge haben. Unsere persönliche smart-Therapiebegleitung finden Sie hier.
  • Auch Entspannungsübungen, wie Yoga oder die Progressive Muskelentspannung (PME/PMR), können dazu beitragen, das innere Gleichgewicht zu stabilisieren.

Bei einer stärkeren Depression ist es natürlich nicht einfach, diese Tipps in die Tat umzusetzen. In diesem Zustand kann man sich einfach zu nichts aufraffen, oft nicht einmal dazu, zum Arzt zu gehen. Hier sind die Angehörigen und Freunde gefragt, Sie dabei zu unterstützen. Durch die oben beschriebenen antidepressiven Medikamente, die Ihnen Ihr Arzt verschreiben kann, sind Sie relativ schnell wieder in der Lage, selbst aktiv zu werden und etwas für sich zu tun.

[1] Xu, W. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Nov. 1, 2008; vol 178: pp 913-920.
[2] www.lungenaerzte-im-netz.de

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