E-Zigaretten  – eine Alternative für COPD-Patienten?

E-Zigaretten – eine Alternative für COPD-Patienten?

COPD ist eine lebensbedrohliche Lungenkrankheit, die mit einer chronischen Bronchitis und Raucherhusten beginnt und mit zunehmender Atemnot einhergeht. Man schätzt, dass COPD bis 2030 voraussichtlich die dritthäufigste Todesursache sein wird. Rauchen ist der größte Risikofaktor für COPD, ungefähr jeder fünfte langjährige Raucher entwickelt eine COPD.

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist bei COPD die einzige nachweisbar wirksame Strategie zur Verbesserung des Krankheitsverlaufs. Wobei durch das Absetzen des Rauchens auch das Risiko für Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere tabakbedingte Erkrankungen verringert wird. (1) Daher ist es von zentraler Bedeutung, Patienten mit COPD zu ermutigen, das Rauchen so früh wie möglich aufzugeben.

Doch leider ist Rauchen eine hartnäckige Sucht. Etwa 80% der Raucher, die versuchen, ohne Nikotinersatz aufzuhören, erleiden innerhalb des ersten Monats einen Rückfall, und nur etwa 5% werden langfristig zum Nichtraucher. Auch die Bemühungen zur Raucherentwöhnung bei COPD-Patienten sind wenig wirksam und es besteht ein dringender Bedarf nach effizienten Ansätzen zur Raucherentwöhnung. (1) Mit den derzeit zugelassenen Medikamenten zur Raucherentwöhnung (wie zum Beispiel die Nikotinersatztherapie) lässt sich zwar die Erfolgsrate unter idealen Umständen verdoppeln, dennoch ist auch hier ein Rückfall im Verlauf der Behandlung üblich.

Sind E-Zigaretten die Lösung?

Hier könnten die so genannten elektronischen Zigaretten (E-Zigaretten) eine Lösung darstellen. E-Zigaretten verdampfen eine nikotinhaltige Lösung. Dabei entstehen keine schädlichen Verbrennungsprodukte (wie zum Beispiel Teer), wie dies bei einer normalen Zigarette der Fall ist.

Alle E-Zigaretten arbeiten nach demselben Funktionsprinzip: Bei der Inhalation erwärmt elektrischer Strom eine Metallspirale im Zerstäuber, wodurch eine Lösung, das so genannte E-Liquid, verdampft. E-Liquids sind frei verkäuflich und bestehen aus Wasser, Propylenglykol, Glycerin, Aromastoffen und Nikotin in unterschiedlichen Konzentrationen. Den Nikotingehalt des Liquids kann der Verbraucher wählen. Der Benutzer atmet das Aerosol ein, das beim Verdampfen des E-Liquids entsteht. Üblicherweise spricht man deshalb von „Dampfen“ und nicht von „Rauchen“.

E-Zigaretten enthalten keinen Tabak und erzeugen keinen Verbrennungsrauch und die damit verbundenen Verbrennungsprodukte. Obwohl Nikotin an sich nicht absolut unbedenklich ist, wird es von der Internationalen Agentur für Krebsforschung nicht als Karzinogen angesehen und ist für den menschlichen Verzehr relativ sicher. (2) Auch ein kürzlich veröffentlichter Bericht des US Surgeon General untersuchte den durch Nikotin verursachten Schaden und kam zu dem Schluss, dass Nikotin selbst nicht zu Atemwegserkrankungen beiträgt. (3)

E-Zigaretten erlauben es also dem Raucher, ein „Raucherlebnis ohne Rauchen“ zu genießen und sind damit die einzigen Nikotinalternativen, die die Gewohnheiten des konventionellen Zigarettenrauchens zusammen mit der Nikotinabgabe nachahmen. Daher könnten sie den Schaden durch konventionelles Rauchen auf drei Arten reduzieren:

  • Raucher können leichter aufhören zu Rauchen.
  • Rückfälle werden seltener.
  • Giftige oder krebserregende Stoffen sind nur in geringer Menge oder gar nicht vorhanden.

 

Über die Wirksamkeit von E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung gibt es leider noch keine Studien. Jedoch sinkt die Zahl der Raucher in Ländern, in denen E-Zigaretten weit verbreitet sind (z. B. Großbritannien und USA), schneller als je zuvor. Obwohl hier Ursache und Wirkung noch nicht untersucht wurden, ist sehr wahrscheinlich, dass E-Zigaretten zu diesem raschen Rückgang beitragen. (4)

Was ist mit den anderen Inhaltsstoffen der E-Zigaretten?

Die Inhaltsstoffe der E-Zigaretten-Dämpfe sind bei weitem weniger problematisch als die im Tabakrauch. Schon deswegen, weil die Aerosole der E-Zigaretten im Gegensatz zu den Tausenden von Bestandteilen des Zigarettenrauchs sehr einfach zusammengesetzt sind. In den E-Liquids ist neben dem Nikotin, vor allem Glycerin und Propylenglykol (PG) enthalten. Beide Substanzen werden allgemein als sicher eingestuft. Nach Angaben des Royal College of Physicians (5) und Public Health England (6) ist das Dampfen von E-Zigaretten bis zu 95% weniger schädigend als herkömmliche Zigaretten. Dennoch lässt sich nicht ausschließen, dass selbst die verbleibende Restbelastung vor allem bei anfälligen Personen ein gewisses Gesundheitsrisiko birgt (trockener Husten und andere Symptome einer Atemwegsreizung). Es gibt allerdings wenig Anhaltspunkte dafür, dass eine solche Reizung zu klinisch signifikanten nachteiligen Lungenbelastungen führen kann.

In letzter Zeit kamen besonders die beigefügten Aromastoffe der Liquids in Verruf. Vor allem der Stoff Diacetyl, der auch in Popcorn enthalten ist, wird beim Erwärmen eingeatmet und ist dabei schädlich. In Einzelfällen wurden tatsächlich Lungenerkrankungen (Bronchitis obliterans, „Popcorn-Lunge“) bei Konsumenten stark aromatisierter E-Zigaretten beobachtet. Der ursächliche Zusammenhang ist jedoch nicht bewiesen. Außerdem nimmt ein Raucher ungefähr die 1000fache Menge Diacetyl auf als ein Konsument von E-Zigaretten. (7)

Sind E-Zigaretten auch für COPD-Patienten geeignet?

Eine wachsende Anzahl von Studien deutet darauf hin, dass das Dampfen von E-Zigaretten Rauchern helfen kann, ihren Tabakkonsum zu beenden oder zumindest zu reduzieren. Durch die Verwendung E-Zigaretten wurde bei Patienten mit COPD keine Verschlechterung der Atmungsparameter beobachtet. Im Gegenteil, es wurde ein deutlicher Rückgang der Atemwegssymptome, ein verbesserter allgemeiner Gesundheitszustand und eine Zunahme der körperlichen Aktivität dokumentiert. (8)

Fazit

Übereinstimmung aller Experten besteht darin, dass noch umfangreiche Forschungen nötig sind, um die Langzeiteffekte der E-Zigarette für den Menschen abschließend zu klären. Obwohl auch E-Zigaretten nicht risikofrei sind, sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit aber weniger schädlich als Tabakrauchen. Richtig eingesetzt, können sie tatsächlich zum niedrigeren Tabakkonsum beitragen. Die bisher vorliegenden Studien deuten darauf hin, dass es unwahrscheinlich ist, dass E-Zigaretten unter normalen Gebrauchsbedingungen zu ernsthaften gesundheitlichen Schäden für die Atemwege führen, selbst bei Patienten mit vorbestehender Lungenerkrankung. In jüngsten Studien zu COPD (8) und chronischem Asthma wird besonders darauf hingewiesen, dass der Wechsel von herkömmlichen Tabakzigaretten zu E-Zigaretten die subjektiven und objektiven Krankheitssymptome verbessern, den Krankheitsfortschritt verzögern, sowie den Erfolg beim langfristigen Verzicht auf das Rauchen erhöhen kann.

Quellen:
(1) JB Morjaria, E Mondati, R Polosa: E-cigarettes in patients with COPD: current perspectives. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis. 2017; 12: 3203–3210.
(2) World Health Organization International Agency for Research on Cancer . IARC monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. In: Cancer IAfRo, editor. Tobacco Smoke and Involuntary Smoking 2004. Geneva: World Health Organization International Agency for Research on Cancer; 2004.
(3) Centers for Disease Control and Prevention NCfCDPaHP, Office on Smoking and Health, editor. How Tobacco Smoke Causes Disease: The Biology and Behavioral Basis for Smoking-Attributable Disease: A Report of the Surgeon General. Atlanta, GA: U.S. Department of Health and Human Services; 2010.
(4) ASH Factsheet Use of e-cigarettes (vapourisers) among adults in Great Britain. 2017. [Accessed July 15, 2017]. Available from: http://ash.org.uk/download/use-of-e-cigarettes-among-adults-in-great-britain-2017/
(5) Nicotine without Smoke . Tobacco Harm Reduction: A Report of the Tobacco Advisory Group of the Royal College of Physicians. London: Royal College of Physicians; 2016.
(6) McNeill A, Brose LS, Calder R, Hajek P, McRobbie H. E-Cigarettes: An Evidence Update. A Report Commissioned by Public Health England. London: Public Health England; 2015. (Contract No.: PHE Publications Gateway Number: 2015260).
(7) https://www.innocigs.com/blog/popcornlunge-durch-e-Zigaretten /
(8) Polosa R, Morjaria JB, Caponnetto P, et al. Evidence for harm reduction in COPD smokers who switch to electronic cigarettes. Respir Res. 2016;17(1):166.

 

 

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