Nahrungsergänzungsmittel bei COPD


Viele Menschen versprechen sich von Nahrungsergänzungsmitteln ein Plus an Gesundheit. Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen möchten durch die Zuführung von Vitaminen, Mineralien und Nährstoffen etwas für ihre Lebensqualität tun.
Auch bei COPD gibt es immer wieder Berichte über die positive Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln auf die Erkrankung.
Doch was ist dran an diesen Behauptungen?
Es werden immer wieder Studien zu der Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln auf die verschiedensten Erkrankungen durchgeführt. Auch bei COPD gibt es einige aktuelle Studien, die das Feld der Nahrungsergänzungsmittel beleuchten. Die Ergebnisse sind bisher jedoch eher uneindeutig. So gibt es Studien, die einigen Nahrungsergänzungsmitteln (auch Supplements genannt) eine positive Wirkung bei COPD bescheinigen und andere, die keine Wirkung erkennen können.
Besonders Vitamin D steht im Fokus der Forschenden. Denn Vitamin D wird ein positiver Einfluss auf Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD zugeschrieben.1
Der Vitamin-Rezeptor, der die Aufnahme von Vitamin D in die Zellen ermöglicht, beeinflusst viele Stoffwechselvorgänge – unter anderem auch die Immunantwort in der Lunge.1
Eine Metaanalyse von mehreren Studien aus dem Jahr 2022 kommt zu dem Ergebnis, dass es einen positiven Effekt auf die Lungenfunktion geben könnte. So hatten Menschen mit COPD unter Vitamin D-Supplementation eine bessere Lebensqualität und weniger Beschwerden.1
Eine etwas ältere Studie aus 2019 hingegen kommt zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Vitamin-D-Supplementen keine Auswirkung auf die Lungenfunktion hat.2 Allerdings nur, wenn kein Mangel an Vitamin D vorliegt. Denn bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel kann eine Zufuhr von Vitamin D durchaus helfen und die Rate an mittleren und schweren Exazerbationen (Verschlimmerung der Erkrankung) senken.3
Wie sich zeigt, sind die Ergebnisse für Vitamin D nach wie vor nicht eindeutig. Doch auch, wenn sie keine Empfehlung abgeben möchten, sind die meisten Forschenden der Meinung, dass eine Zufuhr von Vitamin D nicht schaden kann. Bevor Sie zu einem Vitamin-D-Supplement greifen, sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und lassen den Vitmain-D3-Spiegel bestimmen.1,3
Vor allem bei einem Mangel an Vitamin D kann eine zusätzliche Gabe hilfreich sein, um eine plötzliche Verschlimmerung von COPD zu verhindern.1,3
Auch, wenn es positive Effekte zu geben scheint, sollten Sie Vitamin D nicht zu häufig und in zu hohen Dosen einnehmen. Es kann zu einer Überdosierung des Vitamins kommen. Die Folgen: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und in schweren Fällen sogar Nierenschädigungen, Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit. Auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten im Vorfeld abgeklärt werden. Sprechen Sie daher immer mit Ihrem Arzt ab, wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen möchten.4
Nicht nur Vitamin D soll bei COPD helfen. Auch Vitamin E ist immer mal wieder im Gespräch, da es antioxidativ, antientzündlich und immunstimulierend wirken soll. Zudem haben einige Studien gezeigt, dass es helfen kann, Folgen von Luftverschmutzung wie etwa Atemwegserkrankungen zu verringern.5
Tatsächlich kommen Forschende in einer aktuellem Metastudie von 2023 zu dem Schluss, dass eine Zufuhr von Vitamin E helfen kann, die Lungenfunktion bei COPD zu verbessern.6
Zusätzlich empfehlen Forschende der Semmelweiß-Universität in Budapest, Ungarn Menschen mit COPD die tägliche Einnahme von 0,4-2 g/Tag Vitamin C, um die Lungenfunktion zu bessern und Verschlechterungen so gut wie möglich zu vermeiden.7
Nicht nur Vitamine können einen positiven Effekt auf COPD-Symptome haben. Magnesium gehört zu einem der wichtigsten Mineralstoffe, die unser Körper benötigt. Magnesium ist unter anderem wichtig für unsere Muskeln und wirkt entzündungshemmend. Und es ist auch wichtig für unsere Atemwege. Ein Mangel kann eine Verschlechterung der Lungenfunktion, eine verstärkte Reaktion der Bronchien auf Umweltreize und Giemen zur Folge haben.8
Daher empfehlen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Semmelweiß Universität ebenfalls eine täglich Magnesium-Zufuhr von 300-500 mg/Tag und eine Calcium-Zufuhr von 1200-1500 mg/Tag.7
Zusätzlich betonen sie auch, wie wichtig Omega-3-Fettsäuren bei COPD sind und empfehlen zwei Mal pro Woche fetten Fisch wie Makrele, Hering oder Lachs zu essen bzw. täglich bis zu 200 mg Omega-3 als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.7
Eine zusätzliche Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen kann, muss aber nicht bei der COPD-Therapie unterstützen. Ob es hilft, muss jeder für sich selbst testen. Bitte sprechen Sie jedoch immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen – denn nicht alle können ohne Bedenken in großen Mengen eingenommen werden und einige vertragen sich vielleicht auch nicht mit den Medikamenten, die Sie dauerhaft nehmen müssen, um Ihre Erkrankung in Schach zu halten. Und denken Sie immer daran: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für Ihre vom Arzt oder von Ihrer Ärztin verschriebene COPD-Therapie oder eine gesunde Ernährung.
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Quelle
Lungeninformationsdienst: Verbessert Vitamin D die Kontrolle von COPD und Asthma? https://www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/news/artikel/verbessert-vitamin-d-die-kontrolle-von-copd-und-asthma Stand: 02.02.2023. Abgerufen: 04.01.2024
F.-Y. Chen, M. Xiao, B. Ling, L. Liu, L. Chen: Vitamin D does not improve lung function decline in COPD: a meta-analysis. Eur Rev Med Pharmacol Sci 2019; 23 (19): 8637-8644. DOI: 10.26355/eurrev_201910_19181. https://www.europeanreview.org/article/19181 Veröffentlicht: 2019. Abgerufen: 04.01.2024
COPD Deutschland e.V. COPD: Vitamin D kann Exazerbationsrate senken – aber nur bei Mangel. https://www.copd-deutschland.de/aktuelles/93-studien/2945-copd-vitamin-d-kann-exazerbationsrate-senken-aber-nur-bei-mangel. Stand: 22.02.2019. Abgerufen: 05.01.2024
PTA Forum: Wirkung und Grenzen von Vitamin D. https://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/wirkungen-und-grenzen-von-vitamin-d-129361/ Stand: 21.11.2021. Abgerufen: 04.01.2024
Bundesinstitut für Risikobewertung. Verwendung von Vitaminen in Lebensmitteln. Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte. https://www.bfr.bund.de/cm/350/verwendung_von_vitaminen_in_lebensmitteln.pdf Stand: März 2004. Abgerufen: 04.01.2024
Liu Z, Su Y, Chen Q, Xiao L, Zhao X, Wang F, Peng Z, Zhang H. Association of Dietary intake of vitamin E with chronic obstructive pulmonary disease events in US adults: A cross-sectional study of NHANES 2013-2018. Front Nutr. 2023 Apr 12;10:1124648. doi: 10.3389/fnut.2023.1124648. PMID: 37125038; PMCID: PMC10130507. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10130507/ Veröffentlicht: 12.04.2023. Abgerufen: 05.01.2024
Semmelweiß Universität: FISCH, VITAMINE UND ANTIOXIDANTIEN KÖNNEN DIE LEBENSQUALITÄT VON COPD-PATIENTEN VERBESSERN. https://semmelweis.hu/deutsch/2023/11/06/fisch-vitamine-und-antioxidantien-koennen-die-lebensqualitaet-von-copd-patienten-verbessern/ Veröffentlicht: 06.11.2023. Abgerufen: 05.91.2024
esanum: Atemwege Blog. Könnte eine Hypomagnesiämie eine Rolle für die Asthmakontrolle spielen? https://www.esanum.de/blogs/atemwege-blog/feeds/today/posts/koennte-eine-hypomagnesiaemie-eine-rolle-fuer-die-asthmakontrolle-spielen Veröffentlicht: 18.11.2021. Abgerufen: 05.01.2024
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