Insulin und Insulintherapie

Insulin und Insulintherapie

Was ist Insulin?

Insulin ist ein Hormon, das in den Betazellen – speziellen Zellen in den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) – gebildet und ins Blut abgegeben wird. Insulin fördert die Aufnahme von Glucose (Traubenzucker) aus dem Blut in die Körperzellen und senkt damit den Blutzuckerspiegel. Insulin wirkt also wie ein Schlüssel, der es Leber- und  Muskelzellenermöglicht, Glucose aus dem Blut aufzunehmen und für die Energieproduktion zu verwenden.

Bildet der Körper kein oder zu wenig Insulin (Diabetes-Typ-1) oder reagieren die Körperzellen nicht ausreichend auf Insulin (Diabetes-Typ-2), kann der Blutzuckerspiegel bis auf gesundheitsschädliche Niveaus ansteigen (Hyperglykämie). Bleibt diese Hyperglykämie längere Zeit bestehen, kann das zu Diabetes-Folgeschäden führen.

Welche Insulinarten gibt es?

Zur Diabetes-Therapie sind in Deutschland nur zwei Arten von Insulinen im Gebrauch: gentechnisch mit Hilfe von Bakterien oder Hefen hergestellte Humaninsuline und Insulinanaloga in Gebrauch.

Humaninsuline

Insulin wurde früher aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern und Schweinen gewonnen. Seit den 80er Jahren wird das sogenannte Humaninsulin verwendet. Es handelt sich um ein synthetisch hergestelltes Produkt. Dazu wurde das menschliche Gen für Insulin in die Erbsubstanz von Bakterien oder Hefepilzen eingebaut. Die so veränderten Mikroorganismen produzieren ein „Human“-Insulin, das genauso aufgebaut ist, wie das von der menschlichen Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin.

Insulinanaloga

Wie Humaninsuline werden auch die Insulinanaloga mit Hilfe von Bakterien oder Hefepilzen synthetisch hergestellt. Im Vergleich zum „natürlichen“ Humaninsulin wird hier die Struktur des Moleküls (Aufeinanderfolge der Aminosäuren des Proteins) etwas verändert, was Wirkungseintritt und Wirkdauer beeinflusst. Dadurch können sie entweder schneller wirksam werden oder besonders lange wirken. Durch das breite Spektrum an langsam- und schnellwirksamen Präparaten gibt es heute für jeden Diabetiker und seine individuelle Lebensweise das passende Insulin. Damit lässt sich mit den Insulinanaloga der Blutzuckerspiegel gleichmäßiger steuern. So können hohe Blutzuckeranstiege nach den Mahlzeiten ebenso vermieden werden wie Unterzuckerungen durch zu lange Insulinwirkung zwischen den Mahlzeiten.

Im Einzelnen lassen sich Insulinanaloga nach ihrem Wirkprofil in folgende Gruppen einteilen:

1. Lang wirkende Insuline (Basalinsuline)

Sie werden auch Basalinsuline genannt, da sie den von der Nahrungsaufnahme unabhängigen Grundbedarf des Körpers decken. Sie haben eine Wirkdauer von bis zu 24 Stunden.

2. Kurz wirkende Insuline

Die Wirkung dieser Insuline tritt im Vergleich zu lang wirkenden Insulinen schneller ein (20–30 min.) und hält kürzer an (dosisabhängig 4 – 6 h), das Maximum wird nach etwa 2 h erreicht. Wegen der kürzeren Wirkdauer sind mitunter Zwischenmahlzeiten nötig, um eine Unterzuckerungen zu vermeiden.

Kurz wirkende Insulinanaloga: Ihr Wirkverlauf kommt dem körpereigenen Insulin viel näher. Die Wirkung tritt nach wenigen Minuten ein und endet nach etwa 3 h. Durch die Wirkdauer bedingtes Essen von Zwischenmahlzeiten entfällt.

3. Intermediär-Insuline (Verzögerungsinsuline)

Bei diesen Humaninsulinen wird der Wirkungseintritt und die Wirkungsdauer durch den Zusatz bestimmter Substanzen verzögert. Ihre Wirkung verläuft auch nicht gleichmäßig. Sie beginnt nach etwa 1 – 2 h, erreicht nach 4–6 h ein Maximum und fällt dann ab.
 Je nach Dosis beträgt die gesamte Wirkungsdauer 12-16 h. Die meisten Diabetiker injizieren Verzögerungsinsuline abends, was ein Wirkmaximum um Mitternacht ergibt. Wegen der Gefahr der Unterzuckerung muss man zwischen 2 und 3 Uhr nachts auf die Blutzuckerwerte achten.

Gebräuchliche Intermediär-Insuline sind die NPH-Insuline (NPH = Neutrales Protamin Hagedorn), die ihre verzögerte Wirkung dem Zusatz von Protamin verdanken und nach ihrem Erfinder benannt sind. NPH-Insuline haben ein ausgeprägtes Wirkungs-Maximum. Damit es nicht zu unerwünscht niedrigen Blutzuckerwerten kommt, sind mitunter 3–4 Injektionen in  niedrigeren Dosierungen täglich nötig. Bei diesen Insulinen muss man auf das sorgfältige Vermischen der Bestandteile Insulin und Protamin achten, da es sonst zu erheblichen Blutzuckerschwankungen kommen kann.

3. Lang wirkende Insulinanaloga

Ihre Wirkung hält bis zu 24 h an, so dass sie normalerweise nur einmal am Tag gespritzt werden müssen. Im Vergleich zu den Intermediär-Insulinen wirken sie über den gesamten Zeitraum gleichmäßiger und haben im Idealfall auch kein so ausgeprägtes Wirkmaximum. Heute werden häufig die Insulinanaloga Detemir und Glargin eingesetzt,  bei denen die Gefahr nächtlicher Unterzuckerungen reduziert ist.

4. Mischinsuline

Sie enthalten ein kurz und ein lang wirkendes Insulin. Es gibt sie in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen, wobei der Anteil an kurz wirkendem Insulin etwa zwischen 25 und 50 % liegt (z.B.: 30/70 = 30 % schnell und 70 % lang wirkendes Insulin). Mischinsuline sind vor allem für Typ-2-Diabetiker mit regelmäßigem Tagesablauf und gleichbleibenden Ernährungsgewohnheiten geeignet.

Literatur

[1] Navigator-Medizin.de: Welche verschiedenen Insuline gibt es?

Detailliertere Übersichten zu den verschiedenen Insuline finden Sie unter:

Diabetes-News: Wirkprofile der Insuline

(Selbsthilfegruppe) Insuliner.de: Übersicht zugelassener Insuline (April 2017)

 

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