Selbstmedikation bei Diabetes: Was der Medizinschrank leisten kann - und was nicht


Selbstmedikation heißt, kleinere Beschwerden selbst zu behandeln, z. B. mit Schmerzmitteln, Nasensprays oder Hustenpastillen – ohne direkt in die ärztliche Praxis zu gehen. Für Menschen mit Diabetes gilt dabei: Einige Mittel sind geeignet, andere können riskant sein.
Gegen leichte Schmerzen oder Fieber können Schmerzmittel kurzfristig helfen. Allerdings ist bei Menschen mit Diabetes Vorsicht geboten: Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen können in Verbindung mit Metformin die Nieren belasten. Wer zusätzlich entwässernde Medikamente einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden. Daher sollten solche Mittel nur in niedriger Dosierung und für wenige Tage verwendet werden. Auch Acetylsalicylsäure (ASS) kann problematisch sein, da sie die Wirkung bestimmter Diabetesmedikamente verstärken und so eine Unterzuckerung auslösen kann.1
Bei Erkältung und verstopfter Nase können abschwellende Nasensprays oder -tropfen kurzfristig helfen. Sie sollten jedoch nicht länger als fünf bis sieben Tage angewendet werden, da sonst eine Verschlimmerung der Beschwerden möglich ist. Bei Präparaten gegen Husten und Halsmitteln ist zu beachten, dass viele Lutschpastillen oder Hustensäfte Zucker enthalten und dadurch den Blutzuckerspiegel erhöhen. Deshalb ist es wichtig, auf die Angaben zu Broteinheiten zu achten. Zuckerfreie Produkte mit Sorbit oder Xylit sind besser geeignet. Kleine Mengen müssen in der Regel nicht in die Insulindosis einberechnet werden, doch die individuellen Vorgaben sollten beachtet werden.1,2
Menschen mit Diabetes haben häufiger eine trockene Haut. Eine konsequente Pflege schützt die Hautbarriere und unterstützt die Wundheilung. Auch Nagelpilz sollte frühzeitig behandelt werden, zum Beispiel mit speziellen Lacken oder Cremes. Da Empfindungsstörungen an den Füßen Warnzeichen verschleiern können, steigt unbehandelt das Risiko für ernste Folgeschäden.3
Bei Diabetes können Mangelzustände an Zink oder Magnesium auftreten. Diese Nährstoffe sind wichtig für die Wundheilung, gegen Muskelkrämpfe und für die Wirkung von Insulin, sollten aber nur ergänzt werden, wenn tatsächlich ein Mangel nachgewiesen wurde – nicht auf Verdacht.3
Manche Menschen mit Diabetes entwickeln eine Verdauungsschwäche, die sogenannte exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI). Typische Anzeichen sind Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder fettige Stühle. In diesem Fall können Pankreasenzyme helfen, die aber ärztlich verordnet werden müssen.3
Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes wird geraten, besonders vorsichtig mit der Selbstmedikation umzugehen. Treten neue, ungewohnte oder länger anhaltende Beschwerden auf, ist es ratsam, frühzeitig den Arzt oder die Ärztin aufzusuchen. Schmerzmittel dürfen ohne ärztlichen Rat nicht länger als vier Tage am Stück und höchstens zehn Tage pro Monat eingenommen werden. Zudem ist Vorsicht geboten, wenn Leber, Magen-Darm-Trakt, Nieren oder das Herz-Kreislauf-System bereits belastet sind.3
Viele Menschen mit Diabetes nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Eine solche Polymedikation erhöht das Risiko für Wechselwirkungen. So können Schmerzmittel die Wirkung von Blutdruckmitteln abschwächen, die Wirkung von Sulfonylharnstoffen verstärken und dadurch Unterzuckerungen begünstigen oder in Kombination mit Metformin die Nieren belasten. In solchen Fällen sollte die Einnahme von Schmerz- oder Erkältungsmitteln immer individuell geprüft und im Zweifel ärztlich abgeklärt werden.1
In bestimmten Situationen sollte – vor allem bei Menschen mit Diabetes – unbedingt auf eine Selbstbehandlung verzichtet werden. Dazu gehören:1,2,3
Starke, zunehmende oder ungewohnte Schmerzen und Fieber (> 39°C)
Atemnot oder eitriger Auswurf
Deutliche Schwankungen des Blutzuckerspiegels
Anzeichen von Fußproblemen oder Infektionen, die sich rasch verschlechtern
In all diesen Fällen ist ärztliche Hilfe erforderlich, um Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden.2,3
Geben Sie in der (Versand-) Apotheke an, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel Sie regelmäßig nehmen.
Schmerz- oder Fiebermittel nur wenige Tage anwenden.
Auf Zucker achten: Bei Sirup oder Pastillen immer den Kohlenhydratgehalt prüfen.
Fußpflege ernst nehmen: tägliche Kontrolle und Pflege – kleine Probleme sofort behandeln.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob oder wie Sie ein Medikament einnehmen können, gilt: Lieber einmal zu viel in der Apotheke oder in der ärztlichen Praxis nachhaken als einmal zu wenig.1,3,4
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Referenzen
1. Apotheke Adhoc. Selbstmedikation bei Diabetes. https://www.apotheke-adhoc.de/rubriken/detail/apo-tipp/selbstmedikation-bei-diabetes-apo-tipp-kritische-patientengruppen/# Stand: 29.08.2019. Abruf: 01.10.2025
2. AOK Hessen. Grenzen der Selbstmedikation. https://www.aok.de/pp/hessen/pm/grenzen-der-selbstmedikation/ Stand: 08.04.2024. Abruf: 01.10.2025
3. Deutsches Apotheker Portal (DAP). PTA Dialog. Selbstmedikation bei Diabetes mellitus. https://www.deutschesapothekenportal.de/download/public/pta-corner/dap_pta_dialog_diabetes.pdf Stand: 05/2025. Abruf: 01.10.2025
4. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Rat aus der Apotheke. https://www.ddg.info/diabetes-zeitung/ddg-07-08/2022/rat-aus-der-apotheke Stand 07-08/2022. Abruf: 01.10.2025
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