Was bringt Intervallfasten bei Typ-2-Diabetes?

Was bringt Intervallfasten bei Typ-2-Diabetes?

Der freiwillige Verzicht auf Nahrung wurde bereits in der gesamten Menschheitsgeschichte praktiziert, insbesondere in religiösen Kontexten wie dem heiligen Fasten, das von vielen während des Ramadans oder der Fastenzeit begangen wird. Auch in der modernen Welt wird Intervallfasten immer beliebter, da es ein interessanter Ansatz bei der Behandlung verschiedener Krankheiten wie Diabetes, Adipositas, Krebs oder neurodegenerativen Erkrankungen zu sein scheint.1

Beim Intervallfasten werden für bestimmte Zeiträume sehr wenige bis gar keine Kalorien aufgenommen. Es gibt verschiedene Formen des Intervallfasten. Eine Methode ist das periodische Fasten, bei dem Personen 1 oder 2 Tage pro Woche fasten (auch als 5:2- oder 6:1-Fasten bezeichnet). Die gebräuchlichste Methode ist die zeitbeschränkte Nahrungsaufnahme, bei der Essen nur während eines bestimmten Zeitfensters pro Tag erlaubt ist und typischerweise täglich über 16 – 20 Stunden gefastet wird.2

Tageweise fasten oder täglich für 16 – 20 Stunden

Positive Auswirkungen des Intervallfastens bei der Behandlung von Adipositas und Diabetes gezeigt, insbesondere durch die Verbesserung der Körperzusammensetzung und der Stoffwechselgesundheit. So konnte eine Verbesserung folgender im Zusammenhang mit Diabetes stehender Parameter festgestellt werden:

  • Gewichtsverlust (Reduzierter Body-Mass-Index, kurz BMI)
  • Verbesserte Kontrolle des Blutzuckerspiegels (glykämische Kontrolle)
  • Verringerung des Nüchternblutzuckerspiegels
  • Erhöhte Adiponektinspiegel (Hormon, welches bei Übergewichtigen erniedrigt ist)
  • Reduzierte Leptinwerte (Hormon, welches bei Übergewichtigen erhöht ist)
  • Senkung des HbA1c
  • Reduktion der Insulindosis2 

Adipositas ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes, denn es gibt eine Reihe von Mechanismen, die zur Entwicklung einer Insulinresistenz bei sehr übergewichtigen Menschen beitragen. Dazu gehört die vermehrte Bildung von Bauchfett, welches durch die Ausschüttung von Hormonen chronischen Entzündungen im ganzen Körper hervorrufen kann. Interessanterweise haben mehrere Studien gezeigt, dass Intervallfasten auch ohne Fettabbau zu einer Verbesserung der Insulinresistenz führen kann.

Seit langem ist bekannt, dass eine kalorienreduzierte Diät das Körpergewicht reduzieren und die Stoffwechselgesundheit verbessern kann. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass viele Menschen erhebliche Schwierigkeiten haben, eine tägliche Kalorienrestriktion über längere Zeiträume, also dauerhaft weniger zu essen, einzuhalten. Im Vergleich dazu ist Intervallfasten für viele Menschen leichter umzusetzen.

Wissenschaftler konnten zeigen, dass Intervallfasten Übergewicht, insbesondere Bauchfett, hauptsächlich aufgrund eines leichten Energiedefizits reduziert. Durch die Gewichtsabnahme können die Patienten eine womöglich gestörte Appetitkontrolle wieder verbessern und chronische Entzündungen reduzieren, wodurch gleich mehrere Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes verbessert werden.2

Gewichtsverlust durch geringere Kalorienzahl und Appetitkontrolle 

Während des Fastens passt der Körper seinen Stoffwechsel an: an Stelle der Synthese und Speicherung von Fetten liegt nun der Schwerpunkt auf der Mobilisierung des (gespeicherten) Körperfetts. Hierdurch entstehen freie Fettsäuren und Ketonkörper. Studien zeigten darüber hinaus, dass der positive Effekt des Fastens unter anderem auch darauf zurückzuführen ist, dass der Körper an Stelle von Glukose (Zucker) auch Fettsäuren und Ketone für die Energiegewinnung nutzt.

Intervallfasten kann durch reduzierte Kalorienzufuhr und Umprogrammierung des Stoffwechsels auch die bei Typ-2-Diabetes häufige Insulinresistenz reduzieren. Diese bewirkt, dass Zellen schlechter auf Insulin ansprechen, so zu wenig Glukose aufnehmen und den Blutzuckerspiegel steigen lassen.2

Intervallfasten verbessert die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber 

Welche Rolle spielt aber der genaue Zeitpunkt des Essens im Tag-Nacht-Rhythmus? Eine Störung dieses Rhythmus wird als mögliche Ursache vieler Stoffwechselerkrankungen diskutiert. Daher könnte eine „zeitbeschränkte Nahrungsaufnahme“ sinnvoll sein, die sich an einem routinemäßigen Tagesablauf mit 14 bis 18 h täglichem Fasten orientiert. Wissenschaftler vermuten, dass mit Intervallfasten gestörte Tag-Nacht-Rhythmen wiederhergestellt und das metabolische Gleichgewicht verbessert werden können.1

Neben dem Tagesablauf ist auch die Uhrzeit des Essens für die Stoffwechselgesundheit wichtig: Spätes Essen innerhalb von 2 Stunden vor dem Schlafengehen geht mit einem erhöhtem Körperfettanteil einher und stellt so ein Risiko für Übergewicht und Adipositas dar.3 Darüber hinaus sind Menschen mit einem späten Abendessen anfälliger dafür, größere Portionen und energiereiche Lebensmittel zu sich zu nehmen; diese Menschen weisen auch eine hohe Fettmasse, Insulinresistenz und Herz-Kreislauf-Risiken auf. Spätes Essen ist auch ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Insulinresistenz.1Aber auch das Auslassen von normalerweise in Aktivitätsphasen eingenommenen Mahlzeiten kann gesundheitliche Folgen haben. Zahlreiche Studien belegen einen Zusammenhang zwischen dem Auslassen des Frühstücks und Gewichtszunahme, Herz-Kreislauf-Risiken und Diabetes. Frühstücken ist demnach für eine gesunde Ernährung unerlässlich.4

Essen im Einklang mit der inneren Uhr 

Intervallfasten spielt somit eine Rolle nicht nur bei der Reduktion von Kalorien, sondern kann auch helfen, die Ernährungsgewohnheiten wieder in Einklang mit der inneren Uhr zu bringen. Die Methode stellt zudem eine für viele Menschen leicht umzusetzende Möglichkeit dar, positiv auf die Stoffwechselgesundheit wie etwa die Insulinresistenz einzuwirken. Bevor Sie mit dem Intervallfasten beginnen, sollten Sie sich immer zuerst mit ihrem Arzt abstimmen. Wenn Mahlzeiten ganz weggelassen werden, kann es sonst zu einer gefährlichen Unterzuckerung kommen. Zudem müssen die Diabetesmedikamente eventuell an die neue Ernährungsweise angepasst werden.

Referenzen

  1. Charlot A, Hutt F, Sabatier E, Zoll J. Beneficial Effects of Early Time-Restricted Feeding on Metabolic Diseases: Importance of Aligning Food Habits with the Circadian Clock. Nutrients. 2021 Apr 22;13(5):1405. doi: 10.3390/nu13051405. PMID: 33921979; PMCID: PMC8143522. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8143522/
  2. Albosta M, Bakke J. Intermittent fasting: is there a role in the treatment of diabetes? A review of the literature and guide for primary care physicians. Clin Diabetes Endocrinol. 2021 Feb 3;7(1):3. doi: 10.1186/s40842-020-00116-1. PMID: 33531076; PMCID: PMC7856758. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7856758/
  3. McHill AW, Phillips AJ, Czeisler CA, Keating L, Yee K, Barger LK, Garaulet M, Scheer FA, Klerman EB. Later circadian timing of food intake is associated with increased body fat. Am J Clin Nutr. 2017 Nov;106(5):1213-1219. doi: 10.3945/ajcn.117.161588. Epub 2017 Sep 6. PMID: 28877894; PMCID: PMC5657289. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28877894/
  4. Odegaard AO, Jacobs DR Jr, Steffen LM, Van Horn L, Ludwig DS, Pereira MA. Breakfast frequency and development of metabolic risk. Diabetes Care. 2013 Oct;36(10):3100-6. doi: 10.2337/dc13-0316. Epub 2013 Jun 17. PMID: 23775814; PMCID: PMC3781522. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23775814/

 

 

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