Teledermatologie revolutioniert die Hautpflege: Über E-Health-Plattformen stellen Ärzte und Ärztinnen online Diagnosen und bieten schnelle Hilfe bei Hautproblemen – bequem von zu Hause aus. Teledermatologische Sprechstunden können sowohl in Echtzeit als auch zeitversetzt stattfinden und ersparen betroffenen Personen meist lange Wartezeiten in der Praxis. Das Verfahren ist in vielen Fällen sinnvoll, doch es hat auch Grenzen.
Die Teledermatologie ist ein Fachbereich der Telemedizin, der auf die ärztliche Behandlung von Hauterkrankungen ausgerichtet ist (Dermatologie). Da die Versorgung in räumlicher Entfernung und häufig auch zeitversetzt stattfindet, erfolgt die Kommunikation auf digitalem Weg.
In einigen Ländern wie den Niederlanden und Spanien ist die Teledermatologie fest in das Gesundheitssystem integriert. In Deutschland und anderen Ländern dagegen ist dieses digitale Behandlungsverfahren wegen bürokratischer Komplikationen noch nicht flächendeckend eingerichtet. 2021 boten zum Beispiel weniger als fünf Prozent der insgesamt 5.000 Dermatologinnen und Dermatologen in Deutschland teledermatologische Sprechstunden an.
Die Dermatologie als medizinischer Fachbereich eignet sich besonders gut als telemedizinisches Verfahren, da die meisten Hauterkrankungen mit einer Blickdiagnose gesichert werden können. Dafür sind Bilder der betroffenen Hautstelle oder ein Telefonat mit Video ausreichend. Anwendungsbereiche der Teledermatologie sind zum Beispiel:
Diagnostik einer neu aufgetretenen Hautveränderung
Kurzfristige Behandlung einer Hauterkrankung
Verlaufskontrolle von chronischen Hauterkrankungen wie Akne oder Neurodermitis
Nachsorge von Heilungsprozessen
Einstufung (Triage) von z. B. Hautkrebs – je nach Dringlichkeit erfolgt eine Weiterbehandlung in einer fachärztlichen Praxis.
Es gibt zwei teledermatologische Verfahren: das Store-and-forward-System, auch Bild-Text-Verfahren genannt, und die Videosprechstunde. Einige Ärzte und Ärztinnen wenden eine kombinierte Form beider Methoden an.
Die am häufigsten verwendete Vorgehensweise ist das Store-and-forward-System. Dabei schickt die zu behandelnde Person Fotos ihrer Hautveränderung zusammen mit einem ausgefüllten Fragebogen an die Ärzte und Ärztinnen. Das funktioniert zum Beispiel mit einer von der Praxis benannten App. Die Kommunikation zwischen dem medizinischen Personal und der erkrankten Person findet auf diese Weise nicht nur in räumlicher Distanz statt, sondern auch zu unterschiedlichen Zeiten, da sich der behandelnde Dermatologe oder die behandelnde Dermatologin die Bilder dann anschaut, wenn er oder sie Zeit dafür findet. Das Store-and-forward-Verfahren ist daher eine zeitversetzte Vorgehensweise.
Anders verläuft die Videosprechstunde, die zwar räumlich getrennt stattfindet, dafür aber in Echtzeit. Die medizinische Fachperson und die betroffene Person treffen sich virtuell zu einer festgelegten Uhrzeit und sprechen per Videotelefonat miteinander. Die Untersuchung erfolgt im Prinzip wie bei einem Besuch vor Ort, nur dass der Arzt oder die Ärztin die Hauterkrankung über den Bildschirm betrachtet.
Teledermatologische Behandlungen bringen viele Vorteile, doch auch einige Nachteile mit sich. Einer der größten Vorteile ist, dass durch das telekommunikative Verfahren Menschen versorgt werden können, die sonst durch Immobilität oder eine unzureichende Verkehrsanbindung im ländlichen Raum Schwierigkeiten haben, eine dermatologische Praxis aufzusuchen. Die Wartezeit auf einen fachärztlichen Termin verkürzt sich außerdem deutlich, weil teledermatologische Behandlungen effizient und flexibel sind. Für die zu behandelnde Person bedeutet eine teledermatologische Videosprechstunde zudem meist eine große Zeitersparnis, da der Anfahrtsweg und die Wartezeit in der Praxis wegfallen.
Auch ärztliche Behandelnde profitieren davon, wenn sie kein überfülltes Wartezimmer vor sich haben, sondern flexibel nach den jeweiligen Symptomen ihrer digitalen Patientinnen und Patienten schauen können.
Zudem hilft das anonyme Store-and-forward-Verfahren Betroffenen mit schambehafteten Hauterkrankungen dabei, sich einem Arzt oder einer Ärztin anzuvertrauen.
Ein Nachteil der Teledermatologie ist zum Beispiel die eingeschränkte Kommunikation zwischen ärztlicher Fachkraft und betroffener Person. Im Fall einer Videosprechstunde ist es dem Patienten oder der Patientin möglich, Fragen zu stellen oder Unklarheiten zu klären. Bei einem asynchronen Verfahren hingegen findet keine direkte Kommunikation statt, sodass möglicherweise Fragen auf Betroffenenseite offenbleiben.
Einige Hauterkrankungen erfordern zudem eine Versorgung vor Ort, zum Beispiel um einen Abstrich zu nehmen. In diesem Fall ist eine teledermatologische Sprechstunde dann nicht möglich. Auch Notfälle sind von einer teledermatologischen Behandlung ausgeschlossen.
Es gibt Kriterien dafür, wann eine teledermatologische Sprechstunde angeraten und wann ein Besuch in der Praxis sinnvoller ist. Gegen ein teledermatologisches Verfahren spricht zum Beispiel, wenn die technische Ausstattung der Beteiligten nicht ausreicht, um einen qualitativ hochwertigen Befund festhalten zu können. Auch Hauterkrankungen, die eine Erstdiagnose erfordern – etwa Psoriasis und atopische Dermatitis – sind zur eindeutigen Abklärung besser in einer dermatologischen Praxis aufgehoben. Kontrolluntersuchungen bei bestehender Diagnose können wiederum telemedizinisch erfolgen.
Die Teledermatologie eignet sich aufgrund der hauptsächlich visuellen Untersuchungen besonders für telemedizinische Verfahren und ist damit eine hilfreiche Ergänzung im Gesundheitssystem. Studien zeigen, dass die gestellten Diagnosen und empfohlenen Therapiemöglichkeiten mit den Vorschlägen aus der Praxis vergleichbar sind – obwohl bestimmte Hauterkrankungen grundsätzlich den Besuch einer fachärztlichen Praxis erfordern. Der größte Vorteil der Teledermatologie besteht darin, eine flächendeckende sowie zeit- und ortsunabhängige Versorgung zu gewährleisten, was sowohl den medizinischen Fachleuten als auch den zu behandelnden Patienten oder Patientinnen zugutekommt.
[1] Dermanostic. Was ist Teledermatologie? Definition, Anwendungsgebiete, Vorteile und Grenzen. https://dermanostic.com/health-journal/teledermatologie
[2] Reinders, P. et al. (2022): Anwendungsbereiche der Teledermatologie. Hautarzt 73, 47–52.
[3] Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Praxis der Teledermatologie. Leitfaden der deutschsprachigen Dermatologen, 1610-0379/2018/16 (Suppl. 5) https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1111/ddg.13512
[4] Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ). Dermatologie im digitalen Zeitalter. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2021/daz-6-2021/dermatologie-im-digitalen-zeitalter
[5] Bundesministerium für Gesundheit. Telemedizin. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/t/telemedizin
[6] S2k-Leitlinie Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): Teledermatologie. AWMF-Register-Nr. 013-097 (Stand: 10/2020) https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-097l_S2k_Teledermatologie_2021-03.pdf
