HIV-Infektion kann das Risiko für chronische Erkrankungen erhöhen

HIV-Infektion kann das Risiko für chronische Erkrankungen erhöhen

In den letzten Jahrzehnten ist die Häufigkeit von HIV-Infektionen zurückgegangen und Menschen mit HIV können heute mit einer nahezu normalen Lebenserwartung rechnen. Eine HIV-Infektion ist heute eine kontrollierbare chronische Erkrankung. Trotz dieser positiven Trends bleibt HIV nach wie vor eine globale Herausforderung.

Weltweit gesehen ist die Tuberkulose die häufigste Todesursache bei HIV-positiven Menschen. In Europa und den USA erkranken Menschen mit HIV in den meisten Fällen jedoch nicht an Tuberkulose oder Krankheiten, die direkt mit dem Immunschwächevirus in Zusammenhang stehen, sondern überwiegend an anderen Erkrankungen, wie Diabetes, Nieren- und Lebererkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In einer umfangreichen Studie haben Lee Smith von der Anglia-Ruskin-Universität in London und ein internationales Forscherteam untersucht, von welchen chronischen Erkrankungen Menschen mit HIV besonders häufig betroffen sind.

Die Ergebnisse erschienen Ende 2019 in der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases.(1) Die Untersuchung ergab, dass Menschen mit HIV – unter anderem – ein deutlich erhöhtes Risiko für folgende Erkrankungen haben:

  • chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD),
    eine Lungenerkrankung, die überwiegend – aber nicht nur – bei Rauchern vorkommt
  • koronare Herzkrankheit (KHK, auch ischämische Herzkrankheit genannt)
    Hier wird der Herzmuskel durch krankhaft verengte Herzkranzgefäße zu wenig mit Sauerstoff versorgt
  • Anämie (Blutarmut)
  • Knochenbrüche

„Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an einer dieser Krankheiten oder Symptomen zu leiden“, erklärt Erstautor Igor Grabovac von der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin der MedUni Wien.

Vor allem chronische Atemwegserkrankungen treten bei Menschen mit HIV – auch unter antiretroviraler Therapie – unverhältnismäßig häufiger auf als erwartet.

Eine kanadische Studie kam zu dem Ergebnis, dass HIV-positive Menschen die rauchen, im Vergleich zu HIV-negativen Rauchern nicht nur mit einer 34 % höheren Wahrscheinlichkeit an COPD erkranken, sondern auch, dass diese Gruppe im Schnitt 12 Jahre früher von der Lungenerkrankung betroffen ist. (2)

“Durch die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Studien”, so der Studienleiter Smith, “konnten wir zum ersten Mal zeigen, dass Menschen, die mit HIV leben, heute zwar eine höhere Lebenserwartung haben, trotzdem aber unverhältnismäßig stark von chronischen Krankheiten betroffen sind.“

Die Autoren betonen jedoch: “Wir können nicht mit Sicherheit sagen, welche Erkrankungen durch HIV und seine Behandlung verursacht oder verschlimmert werden und welche mit dem Lebensstil zusammenhängen. „Es braucht weitere Forschungen, woran es liegen kann, dass Menschen mit HIV noch zusätzliche gesundheitliche Probleme entwickeln“, erklärt Igor Grabovac, „mögliche Gründe sind Nebenwirkungen der Medikamente, Lifestylefaktoren oder das Virus selbst, das durch chronische Infektionsprozesse im Körper eine schnellere Zellalterung auslöst.“

Weitere Forschungen sollen nun klären, wie sich die Vorbeugung und Früherkennung dieser Erkrankungen bei Menschen mit HIV verbessern lässt. Außerdem sollten gerade Menschen mit HIV-Infektion zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen meiden.

Quellen:
(1) Igor Grabovac et al. HIV infection and diverse physical health outcomes: an umbrella review of meta-analyses of observational studies. Clinical Infectious Diseases, 2019.
(2) Antoniou T et al., Incidence of chronic obstructive pulmonary disease in people with HIV in Ontario, 1996–201

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