Sport und Fitness mit HIV: Sicher trainieren, gesund bleiben, dranbleiben


Menschen, die mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) infiziert sind, erhalten zur Behandlung dauerhaft eine antiretrovirale Therapie (ART), die aus verschiedenen Medikamentenkombinationen besteht.1 Dank dieser Therapie hat sich die Lebenserwartung HIV-positiver Menschen in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht.2 Dadurch treten nun häufiger gesundheitliche Probleme auf, die teils altersbedingt und teils eine Folge der dauerhaften Infektion oder der langfristigen Medikamenteneinnahme sind.3
Insbesondere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems scheinen bei Menschen mit HIV mehr als doppelt so häufig aufzutreten als in der Allgemeinbevölkerung.2 Dazu zählen unter anderem Arterienverkalkung, erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte, Schlaganfälle, Herzschwäche, plötzlicher Herztod und Thrombosen.4,5 Zusätzlich kann es durch einige Medikamente zu einem Abbau der Knochenmasse und damit leichter zu Knochenbrüchen kommen.6,7
Warum sollte ich mich regelmäßig bewegen?
Regelmäßige Bewegung ist gesund. Sie senkt unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Aktivität an der frischen Luft stärkt nicht nur die Muskeln und beugt dem Verlust von Knochenmasse vor, sondern kann anschließend das Einschlafen erleichtern.8,9 All diese gesundheitlichen Vorteile gelten ebenso für Menschen, die HIV-positiv sind.4,7,10 Gleichzeitig stärkt Sport das Immunsystem, ohne dabei einen negativen Einfluss auf die bei einer HIV-Infektion wichtigen Blutwerte für die Virusunterdrückung zu haben.7
Es ist wichtig, die ART-Medikamente regelmäßig ohne Unterbrechung einzunehmen. Psychische Probleme wie Depressionen, Stress, Angstzustände oder Fatigue können es aber erschweren, sich an die Therapie zu halten.11 Regelmäßiger Sport wirkt sich positiv auf all diese Bereiche aus und erleichtert es Menschen mit HIV, ihre Therapievorgaben einzuhalten.11
Welches Training eignet sich für Menschen mit HIV?
Prinzipiell eignet sich jede Art von Bewegung zur Verbesserung der eigenen Gesundheit. Idealerweise findet eine Kombination von Ausdauer- und Krafttraining mit mehreren Sitzungen pro Woche statt. Dabei kann man sich an den Empfehlungen der WHO orientieren:9
150 Minuten pro Woche mäßig anstrengendes oder 75 Minuten stark anstrengendes Ausdauertraining wie Joggen
plus 2-mal pro Woche Krafttraining (z. B. mit Körpergewicht, Widerstandsbändern oder Hanteln)
Gerade für ältere Menschen kann es zusätzlich sinnvoll sein, Beweglichkeit und Gleichgewichtssinnzu trainieren.9 Wer zuvor noch nie Sport getrieben hat, sollte klein anfangen. Es ist vollkommen in Ordnung, mit zehn Minuten Bewegung zu beginnen und langsam das Level der Aktivität zu steigern.12 Dazu eignen sich zum Beispiel Spaziergänge, Treppensteigen, kurze Schwimmeinheiten und einfache Übungen, die sich zu Hause durchführen lassen. Viele Krankenkassen bieten dafür mittlerweile Sportkurse per Videostream oder App an.
Menschen, die eine Sportart finden, die ihnen Spaß macht, haben es wesentlich leichter, Bewegung in ihren Alltag zu integrieren.9 Wer Vorerkrankungen hat oder sich unsicher fühlt, für den kann ein ärztliches Gespräch vor dem Trainingsbeginn sinnvoll sein, um personalisierte Empfehlungen zu erhalten und sich nicht zu überfordern.
Besonderheiten beim Training für Menschen mit HIV
Auch wenn Menschen mit HIV Sport treiben können und sollten, ist es wichtig, dass sie darauf achten, sich nicht zu überlasten. Teils verringert die Infektion oder die Medikation die Leistungsfähigkeit, bei ungewöhnlicher Erschöpfung sowie den folgenden Beschwerden ist jedoch besondere Vorsicht und eventuell ein Besuch in der HIV-Schwerpunktpraxis geboten:12,13
akute Infekte
Fieber
Gewichtsabnahme, die nicht auf äußere Faktoren wie Ernährungsumstellung oder Sport zurückzuführen ist
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
Schmerzen
Zusätzlich kann es während der HIV-Therapie insbesondere im höheren Alter schneller zu Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen von Muskeln, Sehnen und Gelenken kommen.14 Bei Gelenkschmerzen während oder nach dem Sport ist deshalb ebenfalls ein zusätzlicher ärztlicher Check-up ratsam.
Artikel veröffentlicht im August 2026
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Referenzen
1. Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG). Deutsch-Österreichische S2k-Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion. AWMF-Register-Nr.: 055-001. https://daignet.de/media/filer_public/14/32/14325193-e93b-4e5d-98cf-eb80639821d8/daig_oeag_art_ll_055-001_final.pdf Stand: 15.09.2025, Abruf: 04.08.2026
2. Jones R et al. Exercise to Prevent Accelerated Vascular Aging in People Living With HIV. Circ Res. 2024 May 24;134(11):1607-1635.
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6. Clinicalinfo.HIV.gov. Management of Medication Toxicity or Intolerance – Osteopenia and Osteoporosis. https://clinicalinfo.hiv.gov/en/guidelines/pediatric-arv/osteopenia-and-osteoporosis Stand: 30.09.2025, Abruf: 04.08.2026
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8. Bundesministerium für Gesundheit. Schlaf im Alter: Eine erholsame Nachtruhe für gute Gesundheit. https://gesund.bund.de/gesunder-schlaf-im-alter#schlaf-verbessern Stand: 23.04.2026, Abruf: 04.08.2026
9. Bundesministerium für Gesundheit. Gesund durch Bewegung: Schon einfache Aktivitäten helfen. https://gesund.bund.de/ernaehrung-und-bewegung-im-alter Stand: 31.10.2025, Abruf: 04.08.2026
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14. Gopal A, Jose A, Singh BK, Antony PT, Thabah MM. Rheumatic manifestations of HIV/AIDS. Best Pract Res Clin Rheumatol. 2025;39(2):102071.
Bildhinweise
Titelbild: Getty Images