Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für Menschen mit Depressionen


Depressionen gehören zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen. Doch es gibt gleich mehrere bewährte Therapie-Ansätze, die bei Depressionen helfen können. Bei der Beratung zur medikamentösen oder Psychotherapie sollten Betroffene und Angehörige im ärztlichen Gespräch offen Fragen stellen, aber auch im Hinterkopf behalten, dass bis zur Verbesserung der Symptome oft Geduld gefragt ist.
Depressionen äußern sich auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Schweregraden. Insgesamt liegt das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, bei etwa 16 bis 20 Prozent. Zur Behandlung stehen mehrere Therapieansätze zur Verfügung, die sich prinzipiell in Psychotherapie und medikamentöse Behandlung einteilen lassen.1
Es gibt verschiedene Psychotherapieverfahren. Zur Behandlung von Depressionen kommen vor allem drei Methoden zum Einsatz.2
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie geht es zunächst darum, eigene Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, die negative Gedanken oder die eigene Isolation verstärken. Dann arbeiten Betroffene gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten daran, die Denk- und Verhaltensmuster zu verändern. Dazu kann unter anderem während der Sitzung die Teilnahme an Hobbys oder Unternehmungen geplant werden, von denen sich Menschen mit Depressionen oft unbewusst zurückziehen. Zusätzlich unterstützt die therapeutische Fachkraft Betroffene dabei, eine geregelte Tagesstruktur aufzubauen.3
Die systemische Psychotherapie beschäftigt sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen und geht davon aus, dass ungelöste Konflikte im sozialen Umfeld zu depressiven Symptomen beitragen. Daher bezieht die systemische Therapie oft nahestehende Familienmitglieder in die Therapie mit ein. Gemeinsam lernen die Beteiligten unter anderem, wie sie besser miteinander kommunizieren oder sich gegenseitig unterstützen.2,4
Die analytische Therapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) sollen beide dabei helfen, unbewusste und nicht ausreichend verarbeitete Konflikte als Auslöser für psychische Probleme zu finden. Die analytische Therapie beschäftigt sich dabei mehr mit vergangenen oder verdrängten Erlebnissen, während die TP sich mit aktuellen Konflikten in der Gegenwart auseinandersetzt.2,4 Da sich sowohl die TP als auch die analytische Therapie mit der langfristigen Aufarbeitung von unbewussten Konflikten beschäftigen, eignen sie sich weniger gut für die Akutbehandlung von Depressionen.2
Medikamente zur Behandlung von Depressionen werden übergeordnet als Antidepressiva bezeichnet. Es gibt mehrere Wirkstoffklassen, darunter:5
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Selektive Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)
Alpha2-Rezeptor-Antagonisten
Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA)
Monoaminoxidase-Hemmstoffe (MAO-Hemmer)
Zusätzlich kommen weitere Wirkstoffe wie Lithium zum Einsatz. All diese Medikamente beeinflussen, in welcher Konzentration bestimmte Botenstoffe im Gehirn vorliegen – hauptsächlich Serotonin und Noradrenalin. Jedes Medikament kann unterschiedliche Nebenwirkungen auslösen. Daher finden während der Therapie regelmäßig Kontrolluntersuchungen statt, insbesondere, da die Dosis meist zu Beginn langsam erhöht wird.5
Bei schweren Depressionen kommen Antidepressiva und Psychotherapie oft gemeinsam, also als Kombinationstherapie, zum Einsatz.1
Eine ganze Reihe von Maßnahmen kann dabei helfen, leichte und teilweise auch stärkere Depressionen zu bewältigen. Online-Programme, Selbsthilfeangebote und ärztlich verschriebene Apps (DiGAs) eignen sich vor allem zur Unterstützung einer Psychotherapie. Weitere Maßnahmen, die helfen können, sind:4
Sport und Bewegung
Entspannungsverfahren und Yoga
Lichttherapie (insbesondere bei saisonaler Depression)
Wachtherapie, d.h. kurzfristiger Schlafentzug.
Sollten andere Therapieoptionen ausgeschöpft sein, kann eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) oder eine transkranielle Magnetstimulation (TMS) probiert werden. Bei diesen Methoden werden die Nervenzellen im Gehirn durch elektrische beziehungsweise magnetische Wellen stimuliert. Die EKT muss jedoch unter Vollnarkose stattfinden, und beide Maßnahmen sollten an spezialisierten Zentren angewendet werden.1
Betroffene sollten das offene Gespräch mit dem behandelnden Fachpersonal suchen. Das hilft dabei, den Ablauf einer Therapie zu verstehen und einzuschätzen, mit welchem Nutzen zu rechnen ist und welche Nebenwirkungen auftreten können. Denn im Fall von Nebenwirkungen ist es gut, wenn Betroffene bereits vor Behandlungsbeginn wissen, wie sie damit umgehen oder welche Gegenmaßnahmen sie ergreifen können. Außerdem ist es wichtig, die eigenen Ängste anzusprechen, beispielsweise die Angst vor bestimmten Nebenwirkungen. So lässt sich die bestmögliche Therapie finden. Idealerweise werden nahestehende Menschen mit in die Therapieplanung einbezogen, damit sie wissen, wie sie Betroffene unterstützen können.5
Bis mit einer Wirkung der Therapie zu rechnen ist, müssen sich Betroffene meist in Geduld üben, da es oft einige Wochen oder Monate dauert, bis die Therapie ihre Wirkung zeigt. Hinzu kommt, dass nicht jede Behandlung bei allen Menschen wirkt. Wichtig zu bedenken ist, dass Medikamente auch dann weiter eingenommen werden sollen, wenn die Beschwerden verschwinden. So sollen ein Rückfall und bestimmte durch den plötzlichen Wegfall des Wirkstoffs ausgelöste Beschwerden vermieden werden. Die über die ersten Erfolge hinaus andauernde Behandlung nennt sich bei Medikamenten Erhaltungstherapie und bei einer Psychotherapie Weiterführungsphase.5
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
TelefonSeelsorge: 116 123 oder 0800 1110111 / 0800 1110222
Notruf: 112
Artikel veröffentlicht im September 2026.
Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Wenn Sie gesundheitliche Beschwerden haben oder der Verdacht auf eine psychische Erkrankung besteht, wenden Sie sich bitte an eine entsprechend qualifizierte Fachperson. Bei akuter Selbstgefährdung, Suizidgedanken oder Lebensgefahr wählen Sie bitte umgehend den Notruf 112 oder suchen Sie sofort professionelle Hilfe auf.
Texthinweise
1.Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression. Version 3.2, AWMF-Register-Nr. nvl-005. https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-005l_S3_Unipolare-Depression_2023-07.pdf Stand: 29.09.2022, Abruf: 28.05.2026
2.Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Behandlung. https://www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen/behandlung Abruf: 28.05.2026
3.Pro Psychotherapie e. V. Psychotherapie bei Depressionen. https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/depression/therapie/ Abruf: 28.05.2026
4.Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie wird eine Depression behandelt? https://www.gesundheitsinformation.de/wie-wird-eine-depression-behandelt.html Stand: 13.12.2023, Abruf: 28.05.2026
5.Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie. Unipolare Depression Version 3.0 2024. https://www.leitlinien.de/themen/depression/patientenleitlinie/depression-pll_v3_2024.pdf Stand: 2024, Abruf: 28.05.2026