Rheuma und Schwangerschaft – geht das?


Viele Menschen mit Rheuma sind verunsichert, wenn ein Kinderwunsch aufkommt: Was geschieht mit einem heranwachsenden Embryo, wenn chronische Entzündungen im Körper aktiv sind oder Medikamente zur Dämpfung des Immunsystems eingenommen werden?
Grundsätzlich steht eine rheumatische Erkrankung Ihrer Familienplanung nicht im Wege. Besprechen Sie Ihren Kinderwunsch mit Ihrem Rheumatologen oder Ihrer Rheumatologin und Ihrer Frauenärztin oder -Arzt. Damit Sie bestmöglich behandelt werden und dabei auch immer die Sicherheit Ihres sich entwickelnden Babys gewährleistet ist, bilden beide Ihr Betreuungsteam für die Zeit der Schwangerschaft. Optimalerweise sollte die Erkrankung bestmöglich behandelt und die Krankheitsaktivität gering sein, bevor die Schwangerschaft beginnt.1,2 Ungeplante Schwangerschaften sollten Sie daher eher vermeiden und für eine sichere Verhütung sorgen.
Manche Rheumamedikamente senken die Chance, schwanger zu werden (wie Cyclophosphamid), gesunde Spermien zu bilden (wie Sulfasalazin) oder können die Schwangerschaft gefährden, wie etwa Leflunomid, Cyclophosphamid und Mycophenolsäure/Mycophenolat-Mofetil (MFF).
Methotrexat ist bereits lange als „fruchtschädigend“ bekannt und sollte, wie die zuvor genannten Wirkstoffe, nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden. Ihr Behandlungsteam würde Methotrexat bereits bis 3 Monate vor der Schwangerschaft absetzen und mit Ihnen alternative Behandlungsoptionen besprechen.
Achten Sie auch nach Ende der Methotrexat-Therapie auf einen ausreichende Folsäure-Versorgung, um Ihr Kind vor Fehlbildungen zu schützen. Ebenso sollte die Einnahme von Nicht-steroidalen Antirheumatika (z.B. Diclofenac, Ibuprofen) in der Schwangerschaft allgemein vermieden werden.3
Ein wichtiger Grund, frühzeitig Ihren behandelnden rheumatologischen Arzt / Ihre Ärztin in Ihren Kinderwunsch oder Ihre Schwangerschaft einzuweihen, ist die Anpassung Ihrer Therapie. Nicht alle Rheuma-Medikamente können problemlos in einer Schwangerschaft angewendet werden. Abhängig von Ihrer vorherigen Therapie kann die Medikation unverändert beibehalten oder auf ein anderes Medikament umgestellt werden.1,2
Sie sollten aber nicht spontan Therapien absetzen. Klären Sie alle Medikationsänderungen mit Ihrem Ärzteteam, um Schübe und Schwangerschaftskomplikationen zu vermeiden. Typischerweise kann eine Behandlung, die während der Schwangerschaft eingesetzt wird, auch anschließend in der Stillzeit weiterhin angewendet werden.2
Ist die Erkrankung drei Monate vor Schwangerschaftsbeginn stabil, ist auch während der Schwangerschaft mit weniger Problemen zu rechnen.2 Ob dann dennoch Schübe in der Schwangerschaft oder sogar eine Ruhephase der Krankheit auftreten können, ist individuell. Bei vielen Frauen verbessert sich z.B. die Gelenksituation zwar während der Schwangerschaft, oft jedoch gefolgt von einem Schub nach der Geburt.1 Ob in der Schwangerschaft oder anschließend in der Stillzeit, Ihr Ärzteteam bespricht mit Ihnen die passendste Therapie je nach Entwicklungsphase des Kindes.2
Schwangerschaften verlaufen auch bei rheumatischen Erkrankungen meist ganz normal, wie bei Frauen ohne Rheuma.1 Eine Untersuchung in Italien zeigte, dass die Kinder von Frauen mit rheumatischen Erkrankungen bis zum 17. Lebensjahr entwickelten nur selten (4 %) ebenfalls eine Autoimmunerkrankung entwickelten.4 Das Risiko ist daher sehr gering und Ihr Betreuerteam unterstützt Sie bei Ihrem Kinderwunsch.
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Referenzen
1. Rheuma-Liga. So kommen Sie mit Rheuma sicher durch Schwangerschaft und Stillzeit. https://www.rheuma-liga.de/rheuma/alltag-mit-rheuma/schwangerschaft Abgerufen am 27.04.2022
2. Netzwerk Autoimmunerkrankter e.V. Rheuma & Schwangerschaft – geht das? https://www.nik-ev.de/rheuma-schwangerschaft-geht-das/ Abgerufen am 27.04.2022
3. Rheuma-Liga. Rheumamedikamente in Schwangerschaft und Stillzeit. https://www.rheuma-liga.de/rheuma/therapie/medikamententherapie/schwangerschaft Abgerufen am 28.04.2022
4. Andreoli L, Nalli C, Lazzaroni MG, et al. Long-term Outcome of Children Born to Women with Autoimmune Rheumatic Diseases: A Multicentre, Nationwide Study on 299 Randomly Selected Individuals. Clin Rev Allergy Immunol. 2022 Apr;62(2):346-353. doi: 10.1007/s12016-021-08857-2. PMID: 33725262; PMCID: PMC8994724. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33725262/
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