Clindamycin – Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Clindamycin ist ein Antibiotikum, welches das Wachstum von Bakterien überwiegend hemmt, sie in höheren Dosen aber auch abtöten kann. Es wirkt, indem es die Mikroorganismen daran hindert, Eiweiße herzustellen, was ihre Vermehrung beeinträchtigt. Der Wirkstoff bekämpft vor allem grampositive Erreger und ist im Gegensatz zu vielen anderen selbst gegen einige Bakterien wirksam, die ohne Sauerstoff leben. Weitere Vorteile sind, dass es gut auch in tieferes Gewebe sowie Knochen und Gelenke eindringen und dort wirken kann. Außerdem stellt Clindamycin eine wertvolle Alternative für Menschen da, die auf Penicillin allergisch reagieren. Nebenwirkungen betreffen vor allem den Verdauungstrakt und äußern sich beispielsweise in Bauschmerzen und Durchfall, in selteneren Fällen auch in teils schweren Hautreaktionen. Mögliche Wechselwirkungen mit verschiedenen anderen Medikamenten sind möglich, weshalb es sinnvoll ist, dem behandelnden Personal etwaige andere eingenommene Arzneimittel zu nennen. Clindamycin ist in Deutschland rezept- und apothekenpflichtig.
Was ist Clindamycin?
Clindamycin ist ein Antibiotikum und kommt in der Medizin gegen Bakterien zum Einsatz, die gegenüber dem Wirkstoff empfindlich sind. Je nach Einsatzgebiet ist es möglich, das Medikament einzunehmen oder – beispielsweise bei Infektionen der Haut – äußerlich anzuwenden. Clindamycinhaltige Arzneimittel sind verschreibungspflichtig und in Deutschland nur gegen Vorlage eines ärztlichen Rezepts in Apotheken und Onlineapotheken erhältlich.
Wie wirkt Clindamycin?
Clindamycin blockiert einen bestimmten Teil der bakteriellen Ribosomen, genauer gesagt der 50S-Untereinheit dieser großen Zellstrukturen. Die Bakterien brauchen sie, um Eiweiße herzustellen. Durch die Blockade ist das nicht mehr möglich, was die Mikroorganismen in ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung hemmt. Diesen Wirkmechanismus nennen Fachleute bakteriostatisch. In höheren Dosen tötet der Wirkstoff die Bakterien auch ab, wirkt also bakterizid.
Clindamycin gelangt gut in verschiedene Gewebe und eignet sich dadurch auch zur Behandlung von Infektionen und Abszessen im Bereich der Zähne und des Kiefers sowie bei Knochen- und Gelenksinfektionen.
Wie und bei welchen Beschwerden wird Clindamycin eingesetzt?
Clindamycin lässt sich gegen eine Vielzahl verschiedener bakterieller Infektionen anwenden. Dazu gehören beispielsweise:
- Erkrankungen der Atemwege, beispielsweise bei Mandel- oder Nebenhöhlenentzündungen sowie bei Bronchitis und Scharlach
- Schwer behandelbare Infektionen selbst tieferer Hautschichten oder von Weichteilen. Dazu gehören etwa Akne, Wundabszesse oder Furunkulose, aber auch Infektionen innerhalb der Bauchhöhle oder der weiblichen Geschlechtsorgane.
- Infektionen der Zähne oder des Zahnhalteapparats und des Kiefers, beispielsweise Parodontitis
- Knochen- und Gelenkinfektionen
Das Antibiotikum wirkt vor allem gegen Bakterien, die sich aufgrund des Aufbaus ihrer Zellwände bei einer bestimmten Färbung blau färben und die deshalb als grampositiv bezeichnet werden. Dazu gehören beispielsweise Staphylokokken und Streptokokken. Gegen viele gramnegative Erreger (sie werden bei der Gramfärbung rötlich bis pink) wie Enterokokken, Escherichia Coli oder Pseudomonas ist es dagegen unwirksam. Clindamycin tötet außerdem auch bestimmte Bakterien ab, die ohne Sauerstoff (anaerob) leben und durch viele andere Antibiotika schwer zu bekämpfen sind. Zusätzlich ist es eine Alternative für Menschen, die auf Penicilline allergisch reagieren.
Der Wirkstoff ist in Form von Kapseln, Filmtabletten, Zäpfchen und Cremes erhältlich. Außerdem gibt es ihn als Granulat, mit dessen Hilfe sich eine Lösung herstellen lässt, die medizinisches Fachpersonal in den Muskel oder die Vene spritzen kann.
Die übliche Tagesdosis bei oraler Anwendung liegt für Erwachsene zwischen 0,6 und 1,8 Gramm Clindamycin, die auf drei bis vier Gaben pro Tag aufgeteilt werden. Es ist wichtig, etwaige Abstände zwischen der Einnahme möglichst einzuhalten, weil Clindamycin nur wirkt, wenn gewisse Wirkspiegel am Ort der Anwendung über einen bestimmten Zeitraum überschritten werden. Sind die Abstände zu lang, sinken die Spiegel unter die notwendige Menge, was die Wirkung beeinträchtigt.
Bei Anwendung über die Vene oder den Muskel sowie in einigen Fällen bei Leber- und Nierenerkrankungen können andere Dosen notwendig sein, die die ärztliche Fachperson individuell festlegt, gegebenenfalls unter Kontrolle der Konzentration des Wirkstoffs im Blut.
Für die äußere Anwendung tragen erkrankte Personen die clindamycinhaltigen Arzneimittel einmal täglich am Abend auf das gesamte betroffene Hautareal auf. Die Behandlungsdauer sollte 12 Wochen nicht überschreiten.
Zur Anwendung in der Vagina (intravaginal) wird 1 Vaginalzäpfchen an drei aufeinanderfolgenden Tagen am Abend eingeführt.
Nicht verwendet werden sollte der Wirkstoff bei Überempfindlichkeit gegenüber Clindamycin, dem ähnlichen Lincomycin oder anderen Arzneimittelbestandteilen.
Bei folgenden Vorerkrankungen beziehungsweise besonderen Lebensumständen kommt Clindamycin nur in Ausnahmefällen und nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko zum Einsatz:
- Bei schweren Einschränkungen von Leber- oder Nierenfunktion
- Bei Personen mit schweren Darmentzündungen
- Bei der autoimmunbedingten Muskelerkrankung Myasthenia gravis
- Bei einer Parkinsonerkrankung
- Während der Schwangerschaft, es sei denn, es ist nach Einschätzung der behandelnden Person unbedingt erforderlich
- Während der Stillzeit, da das Medikament in die Milch übergeht und schwere Nebenwirkungen beim Säugling hervorrufen kann.
Welche Nebenwirkungen können bei Clindamycin auftreten?
Mögliche Nebenwirkungen während der Anwendung von Clindamycin sind beispielsweise:
- Beschwerden des Verdauungstrakts wie etwa Bauschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder bestimmte Formen einer Darmentzündung (pseudomembranöse Kolitis)
- Nesselsucht (Urtikaria)
- Veränderungen bei Blutuntersuchungen, etwa veränderte Ergebnisse von Leberfunktionstest oder eine verminderte Anzahl an weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen
- Bei Behandlung in der Scheide kann es sein, dass sich der Gebärmutterhals (Zervix) entzündet
Seltener kommt es unter anderem zu (teils schweren) Hautreaktionen wie Juckreiz, verschiedenen Formen einer Hautentzündung (Dermatitis) und Hautausschlägen (Exantheme), Geschwüren sowie Entzündungen der Speiseröhre oder Gelbsucht (Ikterus).
Gibt es Wechselwirkungen bei Clindamycin?
Clindamycin kann die Wirkung bestimmter muskelentspannender Medikamente verstärken, eine gleichzeitige Anwendung wird deshalb nicht empfohlen. Außerdem ist in einigen Fällen der gleichzeitigen Gabe von Clindamycin und bestimmten Gerinnungshemmern (Vitamin-K-Antagonisten) von einem erhöhten Blutungsrisiko berichtet worden. Es empfiehlt sich deshalb, die Gerinnungswerte bei gleichzeitiger Anwendung kontrollieren zu lassen.
Die gleichzeitige Anwendung mit vor allem bakterizid wirkenden Antibiotika wie etwa den Aminoglykosiden ist nicht zu empfehlen, da sich die Wirkungen nicht ergänzen. Auch das Antibiotikum Erythromycin sollte nicht zusammen mit Clindamycin eingesetzt werden, da sich ihre Wirkungen gegenseitig behindern können.
Veröffentlicht am: 26.01.2026
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- N06AB06
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2020).
[2] Pschyrembel. Online. Clindamycin, https://www.pschyrembel.de/clindamycin/K051N/doc/
[3] Gelbe Liste Pharmindex. Clindamycin. https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Clindamycin_537
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