Glibenclamid - Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Glibenclamid ist ein blutzuckersenkender Wirkstoff aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe und wird zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt, wenn nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Ernährung und Bewegung allein nicht ausreichen. Bei älteren Menschen ist unter Glibenclamid das Risiko für Unterzuckerungen erhöht. Ab einem Alter von etwa 65 Jahren sollte die Behandlung deshalb besonders vorsichtig eingestellt und regelmäßig überprüft werden. Je nach individueller Situation können Wirkstoffe mit geringerem Unterzuckerungsrisiko geeigneter sein.
Was ist Glibenclamid?
Glibenclamid ist ein orales Antidiabetikum zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Da Glibenclamid Insulin aus der Bauchspeicheldrüse freisetzt, darf es nicht bei einem absoluten Insulinmangel eingesetzt werden. Beim Typ-1-Diabetes werden die insulinproduzierenden Betazellen weitgehend zerstört, sodass der Körper kein oder nur noch sehr wenig eigenes Insulin bilden kann. Damit Glibenclamid wirken kann, muss die körpereigene Fähigkeit zur Insulinsekretion vorhanden sein.
Glibenclamid ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, welches meistens als Tablette eingenommen wird.
Wie wirkt Glibenclamid?
Glibenclamid senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Freisetzung von Insulin aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse anregt. Das freigesetzte Insulin erleichtert insbesondere in Muskel- und Fettzellen die Aufnahme von Glucose und hemmt außerdem die Glucosefreisetzung der Leber. Der Wirkstoff Glibenclamid kann jedoch nur wirken, wenn die Bauchspeicheldrüse grundsätzlich noch funktioniert.
Nach einer Mahlzeit werden die enthaltenden Kohlenhydrate von Enzymen unseres Verdauungssystems in Glucose (Zucker) gespalten. Diese wird anschließend aus dem Verdauungstrakt in das Blut aufgenommen, um dann mit Hilfe des Insulins in die Zellen transportiert zu werden. Insulin fungiert bildlich gesprochen als Türöffner. Es öffnet eine Tür in der Zelle damit Glucose hineintreten kann. So sinkt die Glucosekonzentration im Blut. Die aufgenommene Glucose kann zur Energiegewinnung genutzt oder beispielsweise als Glykogen beziehungsweise nach weiteren Stoffwechselschritten als Fett gespeichert werden.
Beim Typ-2-Diabetes reagieren die Körperzellen zunächst schlechter auf Insulin. Im weiteren Verlauf kann zusätzlich die Insulinproduktion beziehungsweise -freisetzung der Bauchspeicheldrüse abnehmen. Dadurch bleibt zu viel Glucose im Blut, weil sie weniger effektiv von den Geweben aufgenommen wird und gleichzeitig die Regulation der Glucoseproduktion der Leber gestört sein kann. Folge einer solchen Hyperglykämie (Überzuckerung) können Gefäß- und Nervenschäden sein.
Glibenclamid sorgt für die Insulinfreisetzung aus der Langerhans’schen-Inselzellen der Bauchspeicheldrüse und somit für eine Senkung der Blutzuckerkonzentration.
Wie und bei welchen Beschwerden wird Glibenclamid angewendet?
Glibenclamid wird zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 angewendet. Die Behandlung wird in der Regel mit einer niedrigen Dosis begonnen. Abhängig von den Blutzuckerwerten kann die Ärztin oder der Arzt die Dosis schrittweise erhöhen. Eine angepasste Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung bleiben auch während der medikamentösen Behandlung wichtige Bestandteile der Diabetes-Therapie.
Abhängig von Ihrer Erkrankung und dem Stadium der Behandlung, wird die Ärztin oder der Arzt das für Sie passende Dosierungsschema auswählen. Ändern Sie die Dosierung nicht eigenständig. Bei Bedarf wird eine Ärztin oder ein Arzt eine Dosisanpassung vornehmen.
Glibenclamid beginnt nach der Einnahme innerhalb weniger Stunden blutzuckersenkend zu wirken. Die Wirkung kann über viele Stunden anhalten, weshalb auch verzögerte oder länger anhaltende Unterzuckerungen möglich sind.
Welche Nebenwirkungen können bei Glibenclamid auftreten?
Glibenclamid kann eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) verursachen. Deshalb kann es Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben. Eine Hypoglykämie kann Ihre Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Wir raten Ihnen, vor allem zu Beginn der Therapie, vorsichtig zu sein.
Darüber hinaus zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen:
- Gewichtszunahme
- Hautreaktionen mit Juckreiz
- Erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut
- Magen-Darm-Beschwerden
- Unterzuckerung
Selten können Leberfunktionsstörungen auftreten. Eine Gelbfärbung von Haut oder Augen kann auf eine Leber- oder Gallenwegserkrankung hinweisen und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Wann sollte Glibenclamid nicht eingenommen werden?
Sprechen Sie vor der Einnahme von Glibenclamid mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie:
- Schwanger sind oder stillen
- an Typ-1 Diabetes erkrankt sind – hier darf Glibenclamid nicht eingesetzt werden
- älter als 70 Jahre sind – hier besteht ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird die Therapie gegebenenfalls mit Ihnen zusammen umstellen
- schwere Leberfunktionsstörungen oder schwere Einschränkungen der Nierenfunktion haben
- den Wirkstoff Bosentan einnehmen – hier darf Glibenclamid nicht eingesetzt werden
Wann sollten Sie ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt suchen?
- wenn Sie für eine längere Zeit fasten oder wenn Sie nicht genügend Kohlenhydrate zu sich nehmen
- wenn Sie sich ungewohnt körperlich belasten möchten
- bei höherem Lebensalter, insbesondere ab etwa 65 Jahren Durchfall und Erbrechen vorkommt
- bevor eine Operation durchgeführt wird
Gibt es Wechselwirkungen mit Glibenclamid?
Glibenclamid kann mit zahlreichen Arzneimitteln wechselwirken. Informieren Sie daher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt beziehungsweise Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker über alle Medikamente, die Sie einnehmen. Einige Arzneimittel können die blutzuckersenkende Wirkung verstärken und dadurch Unterzuckerungen begünstigen, andere können sie abschwächen. Einen Auszug von Arzneimittel, die mit Glibenclamid eine Wechselwirkung auslösen können:
- Andere blutzuckersenkende Arzneimittel und Insulin
- Bestimmte Blutdruck- und Herzmedikamente, beispielsweise ACE-Hemmer oder Betablocker, können die Blutzuckerwirkung beeinflussen. Betablocker können außerdem Warnzeichen einer Unterzuckerung verschleiern. Antibiotika wie Ciprofloxacin, Chloramphenicol, Clarithromycin, Tetracyclin
- Antimykotika wie Miconazol, Ketoconazol
- Gerinnungshemmer wie Warfarin und Phenprocoumon
- Cholesterinsenkende Arzneimittel (Clofibrat)
- Bestimmte Antidepressiva wie Fluoxetin oder MAO-Hemmer können die blutzuckersenkende Wirkung verstärken.
Auch das Harnsäure-senkende Arzneimittel Probenecid kann Wechselwirkungen verursachen Warnzeichen einer Unterzuckerung sind unter anderem Schwitzen, Herzrasen, Zittern, Schwindel bis hin zu Bewusstseinsstörungen. Diese Anzeichen können durch eine gleichzeitige Beta-Blocker-Therapie wie Propranolol, Metoprolol, Bisoprolol usw. verdeckt werden.
Veröffentlicht am: 29.06.2022
Letzte Aktualisierung: 04.09.2026
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- A10BB01
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Glibenclamid_284
[2] https://flexikon.doccheck.com/de/Insulin
[3] Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020
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