Digitale Diabetes-Helfer: Was können digitale Blutzuckermessgeräte?

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Digitale Diabetes-Helfer: Was können digitale Blutzuckermessgeräte?

Die Diabeteserkrankung geht mit einem hohen Maß an Selbstmanagement einher. Blutzuckerkontrolle, Insulinmenge ausrechnen und alle Daten protokollieren sind Tätigkeiten, täglich Zeit in Anspruch nehmen. Wie können hier digital weiterentwickelte Blutzuckermessgeräte unterstützen?

In den letzten Jahren sind die Blutzuckermessgeräte handlicher, schneller und komfortabler geworden, zudem kommen sie auch mit weniger Blut aus als früher. Besonders komfortabel ist jedoch das Blutzuckermanagement mit den weiterentwickelten digitalen Blutzuckermessgeräten – entweder klassisch mit dem Nadelstich oder aber mit einem Sensor. Im Gegensatz zu früher, sind manche dieser Geräte beispielsweise in der Lage, die gemessenen Werte direkt an eine App auf dem Smartphone zu senden oder die Daten mittels einer speziellen Software auf den PC zu übertragen. Dies macht das händische Notieren der einzelnen Messungen überflüssig und spart Zeit. Zudem lassen sich die Messwerte so nicht beschönigen und auch in der diabetologischen Schwerpunktpraxiseiner Arztpraxis, die sich auf die Behandlung von Diabetespatienten spezialisiert hat, abrufen.

Die Blutzuckermessung mit Sensor

Das regelmäßige Stechen in die Fingerkuppe um den Blutzucker zu messen strapaziert diese und ist für viele Diabetiker unangenehm. Vor allem, wenn sie häufiger am Tag messen müssen. Mittlerweile lässt sich der Blutzuckerspiegel allerdings auch über einen Sensor messen. Bei der sogenannten Continuous-Glucose-Monitoring-Methode (CGM-Methode) wird der dünne fadenförmige Sensor schmerzfrei in das Unterhautfettgewebe an Arm oder Bauch gestochen und mit einem Pflaster an Ort und Stelle gehalten. Dieser Sensor misst kontinuierlich die Glukose-Werte im Unterhautfettgewebe und wird je nach System etwa nach sechs bis zehn Tagen ausgetauscht. Ein weiterer auf dem Pflaster sitzender Sensor sendet die gemessenen Daten in Echtzeit an eine App auf dem Smartphone. Alternativ lassen sich die Werte aber auch jederzeit über ein Lesegerät abrufen, das über den Sensor gehalten wird.

Egal ob man die App oder das Lesegerät nutzt, beide protokollieren die kontinuierlich gemessenen Werte und stellen sie grafisch im Verlauf dar. So können die Menschen, die ihren Blutzucker auf diese Weise kontrollieren, nachvollziehen, wie sehr sich die Werte im Tagesverlauf verändern – so zum Beispiel nach dem Sport oder nach einer Mahlzeit. Zudem lassen sich diese Aktivtäten sowie die Medikamenteneinnahme leicht mit dieser App protokollieren.

Ähnlich wie die CGM-Methode funktioniert auch das Flash Glucose Monitoring (FGM). Hier muss man allerdings den Sensor mit einem Lesegerät oder mit dem Smartphone scannen, um den aktuellen Wert abzurufen. Lesegerät oder die App auf dem Smartphone zeigen dann den aktuellen Blutzuckerwert mit Verlaufskurve und einem Trendpfeil an. Auch wenn hier der Sensor permanent den Zuckerwert im Unterhautfettgewebe misst, handelt es sich bei dieser Methode um eine punktgenaue Messung. Schwankungen im Tagesverlauf werden hier nicht im gleichen Ausmaß erfasst wie bei der CGM-Methode.

Mehr Sicherheit

Die CGM-digitale Blutzuckermessung sorgt vor allem nachts für ein besonders Plus an Sicherheit: Liegt der gemessene Glukosewert unter oder über dem individuellen Zielwert, schlagen die App oder das Lesegerät Alarm. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese Grenzwerte eingetragen sind und die Alarmfunktion aktiviert ist.

Diese Messmethode ist besonders für die Menschen mit Diabetes geeignet, deren Blutzucker großen Schwankungen unterliegt und die die Symptome der Unterzuckerung nicht rechtzeitig spüren. Jedoch muss der Umgang mit diesem Blutzucker-Messsystem geschult werden, um Werte und Trendpfeile richtig interpretieren zu können. Das ist wichtig, damit nicht versehentlich zu viel oder zu wenig Insulin gespritzt wird. Auch sollten die Werte regelmäßig über eine Blutmessung nachgeprüft werden, da die aus dem Unterhautfettgewebe gemessenen Werte denen aus einem Blutstropfen hinterherhinken können. Das liegt daran, dass die Glukose aus dem Blut etwa 10-15 Minuten braucht, um die Zwischenzellflüssigkeit im Unterhautfettgewebe und damit den Sensor zu erreichen.

Digitales Diabetesmanagement mit Stich

Doch auch wer nicht auf die blut- und stechfreie Sensortechnik setzt oder diese nicht benötigt, kann seinen Blutzucker digital managen und so Erleichterung im Alltag spüren. Wird der Blutzucker über den Piks in die Fingerkuppe gemessen, speichert das Messgerät die über den Tag verteilten, vom Teststreifen gemessenen Werte. Je nach Gerät lassen sich diese über eine USB-Verbindung oder per Bluetooth auf den Rechner in der Praxis oder zu Hause beziehungsweise auf das Smartphone übertragen.

Diese Messmethode eignet sich in erster Linie für Menschen, die nur gelegentlich Ihre Blutwerte kontrollieren müssen und Unterzuckerungen gut spüren. Sollte es doch zu größeren Schwankungen im Tagesverlauf kommen, lassen sich diese so allerdings nicht erfassen, da es sich hier nur um punktgenaue Messwerte handelt.

Das digitale Blutzuckermanagement birgt Vorteile im Alltag aber auch in der Therapie. Denn besonders bei den kontinuierlich protokollierten Werten per App lassen sich im Gespräch in der diabetologischen Schwerpunktpraxis Optimierungsansätze in der Therapie erkennen. Zudem können manche Apps die Menge an Kalorien oder Kohlehydraten, die in einer Mahlzeit stecken, errechnen, was sich positiv auf die Ernährungsgewohnheiten – und damit auch auf den Stoffwechsel – auswirken kann.

Wer zahlt das digitale Blutzuckermanagement?

In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für ärztlich verordnete Blutzuckermessgeräte und Teststreifen. Sollte eine fachärztliche Empfehlung für ein CGM-System oder die FGM-Methode vorliegen, wie zum Beispiel bei einer intensivierten Insulinbehandlung, so übernehmen Krankenkassen diese Kosten bei gesetzlicher Zuzahlung. Weitere Voraussetzungen für die Kostenübernahme können sein, dass eine Schulung im Umgang mit dem System erfolgt und die individuellen Behandlungsziele zur Stoffwechseleinstellung auf andere Weise nicht erreicht werden.

Quellen

[1] DAK Gesundheit. Freestyle Libre: Diabetessensor. https://www.dak.de/dak/leistungen/freestyle-libre-2075864.html#/ (letzter Abruf 12.08.2021)

[2] AOK Plus. Hilfsmittel: Kontinuierliche Glukosemessung (CGM). https://www.aok.de/pk/plus/inhalt/hilfsmittel-kontinuierliche-glukosemessung-1/ (letzter Abruf 12.08.2021)

[3] diabetes-online: FGM: erste Kassen übernehmen die Kosten. https://www.diabetes-online.de/a/fgm-erste-kassen-uebernehmen-die-kosten-1683584 (letzter Abruf 12.08.2021)

[4] diabinfo. Diabetes: Was zahlt die Krankenkasse? https://www.diabinfo.de/leben/diabetes-im-alltag/kostenuebernahme.html (letzter Abruf 12.08.2021)

[5] DiabetesNews: CGM wird Kassenleistung. https://www.diabetes-news.de/nachrichten/gb-a-hat-entschieden-cgm-wird-kassenleistung#:~:text=Bisher%20haben%20Krankenkassen%20die%20Kosten%20nur%20in%20Einzelf%C3%A4llen,medizinischen%20Notwendigkeit%20d%C3%BCrfen%20die%20Krankenkassen%20die%20Kosten%20%C3%BCbernehmen. (letzter Abruf 12.08.2021)

[6] FreeStyle Libre. https://www.freestylelibre.de/libre/ (letzter Abruf 12.08.2021)

[7] Apotheken Umschau. Welches Mess-System passt zu Ihnen? https://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes/Welches-Mess-System-passt-zu-Ihnen-555045.html (letzter Abruf 12.08.2021

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