Apps auf Rezept

beitrag_apps-auf-rezept

Apps auf Rezept.

Große Aufmerksamkeit erhalten derzeit die sogenannten Health-Apps, mobile Anwendungen zur Gesundheitsförderung. Viele junge und auch ältere Menschen nutzen bereits Termin- und Fitness-Apps. Sie sind die kleinen Helfer, die nicht nur bei der Planung des Alltags unterstützen, sondern auch zu mehr Bewegung und gesunder Ernährung anregen. Doch was ist bei ernsten Erkrankungen? Gibt es auch Gesundheits-Apps, die medizinisch unterstützen?

Ernsthafte Erkrankungen können Menschen jeden Alters treffen. Die meisten Betroffenen suchen auch unter zumeist krankheitsbedingten schwierigeren Umständen die Arztpraxis auf. Dabei gibt es sogar bei ernsten körperlichen Beschwerden digitale Hilfe in Form von Health-Apps, die den Versorgungsalltag erleichtern und die Patienten in der Therapie unterstützen können.

Was sind medizinische Apps?

Neben den Alltagshelfern und Fitness-Apps werden immer mehr mobile Anwendungen wie medizinische Gesundheits-Apps entwickelt, die Gesundheitsdaten erfassen und . Sie unterstützen Menschen vor allem darin, ihre Gesundheit im Blick zu behalten und fördern die Adhärenz. Das bedeutet, sie stärken und motivieren Patienten darin, Therapien wahrzunehmen und auch abzuschließen. Sie können auch nach einer abgeschlossenen Behandlung genutzt werden und dabei helfen, den Körper und den Geist gesund und fit zu halten.

Ärzte nutzen immer häufiger diese digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA. Laut dem Digitalen Versorgungs-Gesetz (DVG) können sie bei ausreichender medizinischer Relevanz auf Rezept verschrieben werden. Die Krankenkassen übernehmen in den meisten Fällen auch anfallende Kosten.

Hierzu zählen neben Medikamenten-Erinnerungs-Apps auch das digitale Tagebuch für Diabetiker und weitere Apps, die zum Beispiel helfen bei der Therapie von

    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
    • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Adipositas,
    • Rückenschmerzen,
    • Hörschäden,
    • psychischen Erkrankungen oder
    • Migräne.

Verschiedene Erkrankungen, verschiedene Apps

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologischen Schäden ist ein frühzeitiges Erkennen von Warnsignalen wie ein hoher Blutdruck oder Puls sowie Vorhofflimmern enorm wichtig. Das sind Anzeichen, die unter Umständen auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes hindeuten. Hierbei können Apps wie ECG Move, KardiaMobile und CardioSecur (hier in Kombination mit einem mobilen EKG-Gerät) helfen. Sie erfassen zumeist über die Kamera den Puls, Blutdruck oder Herzrhythmus. Mediziner sehen in dieser Methode jedoch noch Verbesserungsbedarf, da die Messungen teilweise noch ungenau sind und der tatsächliche medizinische Nutzen ist.

Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle spielen vermehrt bei Menschen in höherem Alter eine Rolle. Auch hier gibt es Apps, die bei der Therapie und Nachsorge unterstützen können. Die App Rehappy, die zu den gelisteten DiGA gehört, liefert zum einen wichtige Informationen zur Erkrankung und erfasst verschiedene Aktivitäten, wodurch Patienten animiert und positiv bestärkt werden sollen.

Die App Kalmeda ist besonders für Patienten mit chronischer Tinnitusbelastung interessant. Die App erfasst nicht die eigentliche Hörleistung, sondern unterstützt den Patienten im Umgang mit der Erkrankung. Integrierte Entspannungsübungen helfen, Stress zu reduzieren, was die Tinnitusbelastung reduziert.

Daneben gibt es Apps mit Funktionen, die die Therapie von Patienten mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder an Fettleibigkeit (Adipositas) Erkrankte mit gesundheitsfördernden Übungen unterstützen können. So gibt zum Beispiel die App Zanadio Adipositas-Patienten hilfreiche Anleitungen in den Bereichen Ernährung und Bewegung. Sie kann vom Arzt verschrieben werden und zählt damit auch zu den medizinischen Apps.

Gesundheits-Apps – eine Alternative zum Arztbesuch?

Bei all der Auswahl an angebotenen Gesundheits-Apps ersetzt keine davon den persönlichen Besuch beim Arzt oder der Ärztin. Medizinische Apps dienen nicht der Erstdiagnose einer Erkrankung, sondern unterstützen vor allem die Therapie einer bestehenden Erkrankung. Treten gesundheitliche Probleme auf oder machen sich Anzeichen für eine Erkrankung bemerkbar –auch bei Meldung in einer App – sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Senioren lassen sich möglichst auch bei der Wahl einer Fitness- oder Gesundheits-App vom Arzt oder der Ärztin beraten. Wichtig ist auch, dass die medizinische App mit einem CE-Zeichen gekennzeichnet ist. Grundsätzlich können Gesundheits-Apps aber dem Patienten Sicherheit vermitteln und Therapieerfolge steigern.

Quellen

[1] Ärzteblatt: In der Pandemie nutzen mehr Senioren Gesundheitsapps. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116687/In-der-Pandemie-nutzen-mehr-Senioren-Gesundheitsapps (letzter Abruf am 21.07.2021)

[2] Malteser: Apps für Seniorinnen und Senioren: Alltagshelfer auf dem Smartphone. https://www.malteser.de/dabei/aktivitaet-teilhabe/apps-fuer-senioren-alltagshelfer-fuers-smartphone.html#c677409 (letzter Abruf am 21.07.2021)

[3] Friedl T, Floerecke S, Lehner F.: Mobile Anwendungen zur Gesundheitsförderung von Senioren − Eine Untersuchung des aktuellen App-Angebots. 2015; eHealth Mobility Journal. 3:128-131.

[4] Verbraucherzentrale: Gesundheits-Apps: medizinische Anwendungen auf Rezept. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerzte-und-kliniken/gesundheitsapps-medizinische-anwendungen-auf-rezept-41241 (letzter Abruf am 21.07.2021)

[5] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: DiGA-Verzeichnis. https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis (letzter Abruf am 21.07.2021)

[6] Krankenkassen Deutschland: Krankenkassen-Apps für Fitness, Gesundheit und Therapie. https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/leistungen-gesetzliche-krankenkassen/apps/ (letzter Abruf am 21.07.2021)

Autor