Midazolam – Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Midazolam ist ein Arzneimittel, das im zentralen Nervensystem wirkt und als Beruhigungsmittel verwendet wird. Das Medikament ist verschreibungspflichtig und kommt hauptsächlich zur Betäubung vor oder während einer Operation zum Einsatz, wirkt jedoch auch krampflösend, angstmindernd und einschlaffördernd. Midazolam besitzt ein hohes Abhängigkeitspotenzial und steht in Wechselwirkung zu verschiedenen anderen Medikamenten, weshalb bei der Einnahme die Absprache mit ärztlichen Fachleuten notwendig ist.
Was ist Midazolam?
Midazolam gehört zu einer Arzneimittelgruppe namens Benzodiazepine und wirkt als Beruhigungsmittel. Der Wirkstoff ist in Form von Tabletten oder Lösungen verfügbar und kann über den Mund (oral), sowie über die Vene (intravenös), den Muskel (intramuskulär) und den Enddarm (rektal) verabreicht werden.
Am häufigsten kommt Midazolam in der Narkose (Anästhesie) zum Einsatz, wo es vor einer Operation zur Beruhigung und während der Operation zur Ruhigstellung (Sedierung) dient. Das Arzneimittel wirkt außerdem krampflösend, angstlösend und hilft kurzzeitig bei Schlafstörungen.
Wie wirkt Midazolam?
Midazolam wirkt im zentralen Nervensystem, indem es sich an die Andockstellen (Rezeptoren) für einen bestimmten Botenstoff (Neurotransmitter) namens Gamma-Amino-Buttersäure (kurz: GABA) heftet. Diese GABA-Rezeptoren sorgen im Alltag dafür, dass die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn gehemmt wird und eine Person sich entspannt.
Wenn Midazolam an die GABA-Rezeptoren andockt, kann sich das körpereigene GABA besser daran binden. Dadurch erzielt die gleiche Menge des Signalstoffs eine stärkere beruhigende Wirkung. Das Medikament wirkt angstlösend, aber nicht schmerzstillend, weshalb eine Person im Fall von Operationen zusätzlich ein Schmerzmittel erhält.
Die Wirkung von Midazolam tritt sehr schnell ein: bei oraler Gabe nach ungefähr dreißig Minuten, bei Verabreichen in die Vene (intravenös) oder den Muskel (intramuskulär) bereits nach wenigen Minuten.
Wie und bei welchen Beschwerden wird Midazolam eingesetzt?
Midazolam kann in Form von Tabletten oder Injektionslösungen angewendet werden. Die Darreichungsform und die Dosierung des Medikaments hängen von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Art der Anwendung, vom Alter und Gewicht einer Person und deren Gesundheitszustand. Als allgemeiner Richtwert für einen erwachsenen Menschen gilt: eine Tablette mit 7,5 Milligramm Midazolam macht schläfrig und hilft daher als kurzzeitige Behandlungsmaßnahme von Einschlafstörungen.
Daneben sind andere mögliche Anwendungsgebiete:
- Beruhigung vor einem operativen Eingriff oder Ruhigstellung während einer Operation in Kombination mit einem anderen Narkosemittel
- Unterbrechung eines länger als fünf Minuten andauernden oder mehrerer, schnell aufeinanderfolgender epileptischer Krampfanfälle (Status epilepticus)
- Dauerhafte Sedierung zum Beispiel auf der Intensivstation
Nicht eingenommen werden sollte Midazolam bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Benzodiazepine
- Bestehende oder zurückliegende Suchterkrankung
- Akute Vergiftung durch Substanzen wie Alkohol, Schlaf- und Schmerzmittel, sowie Psychopharmaka wie Antidepressiva oder Neuroleptika
- Vorliegen der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis, die eine Muskelschwäche zur Folge hat
- Ateminsuffizienz
- Vorliegen einer Leberfunktionsstörung
- Bestehen einer Schwangerschaft
Welche Nebenwirkungen können bei Midazolam auftreten?
Bei der Einnahme von Midazolam kann es zu bestimmten Nebenwirkungen kommen, deren Auftreten häufiger ist, wenn das Alter der zu behandelnden Person über 60 Jahre beträgt. Mögliche Nebenwirkungen, die unabhängig vom Alter auftreten, sind unter anderem:
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Vorübergehende Gedächtnisstörungen
- Atemnot
- Länger anhaltende Benommenheit und Verwirrtheit
Midazolam hat zudem das Potenzial, abhängig zu machen. Daher ist es ratsam, die Dosis so niedrig wie möglich zu halten und die Dauer der Behandlung möglichst auf zwei Wochen zu begrenzen. Dabei ist es hilfreich, das Medikament schrittweise abzusetzen (Ausschleichend).
Gibt es Wechselwirkungen bei Midazolam?
Midazolam kann sowohl die Wirkung von anderen Arzneimitteln beeinträchtigen als auch selbst durch andere Medikamente in der Wirkung beeinflusst werden. Die Wechselwirkung mit anderen Wirkstoffen besteht in vielen Fällen darin, dass die Menge von Midazolam im Blut langsamer abnimmt und seine Effekte somit länger bestehen. Häufig ist die Wirkung von Midazolam auch verstärkt – zum Beispiel bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol oder Arzneimitteln, die dämpfend auf das zentrale Nervensystem wirken. Dazu gehören etwa einige Medikamente gegen Epilepsie (Antiepileptika), Depressionen (Antidepressiva) oder allergische Reaktionen (Antihistaminika). Andere Arzneimittel schwächen die Wirkung von Midazolam hingegen ab. Weitere Wechselwirkungen sind möglich mit einigen Medikamenten gegen:
- Bakterielle Infektionen (Antibiotika)
- Pilzbefall (Antimykotika)
- Humanes Immundefizienz-Virus (HIV)
Menschen, die Midazolam und weitere dieser Medikamente einnehmen, passen die Dosis in enger Absprache mit dem ärztlichen Fachpersonal an. So lässt sich eine ausreichende Wirkung erzielen und schädliche Nebeneffekte durch eine Überdosierung werden gleichzeitig vermieden.
Veröffentlicht am: 29.07.2026
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- N05CD08
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Gelbe Liste Pharmindex. Wirkstoffe. Midazolam. https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Midazolam_2598
[2] Gelbe Liste Pharmindex. Medikamente. Midazolam Hexal. https://www.gelbe-liste.de/produkte/beipackzettel_Midazolam-HEXAL-5-mg-1-ml-Injektionsloesung.pdf/75761bf2-62e0-4da1-b0df-f1959761aeda
[3] Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2020).
[4] Pschyrembel. Online. Midazolam. https://www.pschyrembel.de/Midazolam/K0E72
[5] Wanka, V. et al. (2019): Medikamente im Rettungsdienst. 2. Auflage, Thieme 2019
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