Spironolacton – Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Spironolacton ist ein harntreibender und entwässernder Wirkstoff, der nur auf Rezept in der Apotheke erhältlich ist. Er ist mit dem körpereigenen Botenstoff Aldosteron verwandt und setzt dessen Wirkung herab, deshalb gehört Spironolacton zur Gruppe der Aldosteron-Antagonisten. Er wird allein oder in Kombination mit anderen Medikamenten eingenommen. Häufige Einsatzgebiete sind Herzschwäche, Bluthochdruck und eine erhöhte Aldosteron-Ausschüttung. Zu den möglichen Nebenwirkungen von Spironolacton zählen unter anderem Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit. Darüber hinaus können ein erhöhter Kalium- oder Harnsäurespiegel auftreten. Bei Männern kann es zudem zu Potenzstörungen sowie einer Schwellung der Brust kommen und bei Frauen zu Menstruationsstörungen sowie einer erhöhten Berührungsempfindlichkeit der Brust und Brustspannen.
Was ist Spironolacton?
Bei Spironolacton handelt es sich um einen verschreibungspflichtigen Wirkstoff, der große Ähnlichkeit zum körpereigenen Hormon Aldosteron hat. Spironolacton zählt daher zur Gruppe der Aldosteron-Antagonisten, in der Medizin auch Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten genannt. Weitere Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind:
- Canrenon
- Eplerenon
- Finerenon
Da Spironolacton die Harnbildung ankurbelt, zählt der Wirkstoff zu den Diuretika, im Volksmund manchmal als Wassertabletten oder Entwässerungstabletten bezeichnet. Da Spironolacton aber im Gegensatz zu einigen anderen Diuretika gleichzeitig die Ausscheidung von Kalium über den Urin hemmt, gehört der Wirkstoff zur Untergruppe der kaliumsparenden Diuretika, zu der beispielsweise auch Amilorid, Triamteren, Canrenon und Eplerenon gehören.
Wie wirkt Spironolacton?

Spironolacton bindet genau wie das körpereigene Aldosteron an Aldosteron-Rezeptoren in der Niere. Indem es die Rezeptoren besetzt, verhindert Spironolacton die Bindung von Aldosteron und vermindert dadurch dessen Wirkung. Bei Aldosteron handelt es sich um einen zentralen Botenstoff in der Regulation des Flüssigkeits- und Salzhaushalts: Das Hormon sorgt dafür, dass Wasser und Salz aus der stark verdünnten Vorstufe des Harns zurückgewonnen werden, wodurch der Harn in der Niere konzentriert wird. Wenn nun die Wirkung von Aldosteron durch Spironolacton gehemmt wird, scheidet der Körper vermehrt Wasser und Salz aus. Diesen harntreibenden und entwässernden Effekt von Spironolacton macht man sich zunutze, wenn Menschen Wassereinlagerungen (Ödeme) haben. Zudem verringert sich die Blutmenge, was den Blutdruck senkt und das Herz entlastet.
Wie und bei welchen Beschwerden wird Spironolacton eingesetzt?
Spironolacton wird bei Erkrankungen eingesetzt, bei denen die Wirkung von Aldosteron gehemmt werden soll; zu diesen Krankheitsbildern zählen beispielsweise:
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Übermäßige Bildung von Aldosteron durch eine Störung der Nebenniere (primärer Hyperaldosteronismus, auch bekannt als Conn-Syndrom)
- Übermäßige Bildung von Aldosteron in Folge einer anderen Erkrankung (sekundärer Hyperaldosteronismus)
Der Wirkstoff ist in Form von Filmtablettenoder Hartkapseln erhältlich, die ein- oder mehrmals am Tag unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit, zum Beispiel einem Glas Wasser, eingenommen werden.
Die Dosierung richtet sich grundsätzlich immer nach Abhängigkeit, Schweregrad und Ausmaß der zu behandelnden Erkrankung.
Die empfohlene Dosis für Erwachsene beträgt zu Beginn 1-2x täglich 1 Tablette (entsprechend 50-100 mg Spironolacton) Bei unzureichender Wirksamkeit kann die Dosierung auf maximal 4 Tabletten (entsprechend 400 mg Spironolacton) erhöht werden.
Für Kinder und Jugendliche gelten folgende Dosierungsempfehlungen:
Neugeborene erhalten 1-2 mg pro Kilogramm Körpergewicht aufgeteilt in 1-2 Einzeldosen und bis zu 7 mg pro Kilogramm Körpergewicht zur Behandlung bei resistentem Aszites
Kinder ab einem Monat bis zu einem Alter von 12 Jahren gilt eine Empfehlung von 1-3 mg pro Kilogramm Körpergewicht aufgeteilt in 1-2 Einzeldosen und bis zu 9 mg pro Kilogramm Körpergewicht bei resitentem Aszites.
Jugendliche von 12-18 Jahren nehmen 50-100 mg täglich aufgeteilt in 1-2 Einzeldosen und bis zu 9 mg pro Kilogramm Körpergewicht jedoch nie mehr als 400 mg Spironolacton pro Tag ein.
Kindern sollte der Wirkstoff Spironolacton nicht länger als 30 Tage verabreicht werden.
Nicht eingenommen werden sollte Spironolacton
- Bei Überempfindlichkeit oder Unverträglichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen Bestandteilen der Tablette bzw. Kapsel
- Während der Schwangerschaft und Stillzeit
- Wenn gleichzeitig andere kaliumsparende Diuretika oder andere Arzneimittel, die den Kaliumspiegel erhöhen können, eingenommen werden
- Bei erhöhtem Kaliumspiegel im Blut (Hyperkaliämie)
- Bei verringertem Natriumspiegel im Blut (Hyponatriämie)
- Bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion oder wenn sich eine bestehende Nierenerkrankung schnell verschlechtert
- Wenn der Körper keinen oder nur noch sehr wenig Urin produziert (Oligurie, Anurie)
- Wenn zu wenig Blut im Körper zirkuliert (Hypovolämie) oder der Körper viel Flüssigkeit verloren hat (Dehydratation)
Welche Nebenwirkungen können bei Spironolacton auftreten?
Nach der Einnahme von Spironolacton kann es, wie bei jedem Arzneimittel, zu unerwünschten Wirkungen kommen. Oft betreffen diese den Elektrolythaushalt. Dazu gehören:
- Erhöhter Kaliumspiegel im Blut (Hyperkaliämie): Dieser Zustand kann schwere und sogar lebensbedrohliche Folgen haben, darunter Lähmungen der Muskulatur und Herzrhythmusstörungen.
- Erhöhter Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie): Bei Menschen, die eine entsprechende Veranlagung haben, kann dies zu Gichtanfällen führen.
Durch die erhöhte Harnausscheidung und den Flüssigkeitsverlust kann es zudem zu Beschwerden kommen wie:
- Kopfschmerzen
- Schläfrigkeit, Müdigkeit
- Schwindel, Schwäche
Darüber hinaus können Magen-Darm-Beschwerden auftreten, beispielsweise Verdauungsstörungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Bei Menschen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen kommt es häufig zu einer Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie), die aber meist nach dem Ende der Behandlung wieder verschwindet. Auch ein Libidoverlust und Potenzstörungen sind möglich. Bei Menschen mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen hingegen kommt es oft zu einer erhöhten Empfindlichkeit oder einem Spannungsgefühl in der Brust sowie zu Menstruationsstörungen.
Durch Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfschmerzen und Verwirrung kann die Fähigkeit zum Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Werkzeugen und Maschinen beeinträchtigt sein. Für den Fall, dass diese Nebenwirkungen auftreten, sind diese Tätigkeiten zu unterlassen, da die Gefahr besteht, sich selbst oder andere zu verletzen.
Gibt es Wechselwirkungen bei Spironolacton?
Für Spironolacton sind eine Reihe von Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt. Zu diesen Arzneimitteln gehören:
- Eplerenon und andere Aldosteron-Antagonisten
- Andere harntreibende Arzneimittel (Diuretika)
- Kaliumhaltige Präparate
- Bestimmte blutdrucksenkende Arzneimittel, darunter ACE-Hemmer wie Beispiel Captopril oder Enalapril und Angiotensin-II-Antagonisten (Sartane)
- Arzneimittel, die die Blutgerinnung hemmen, darunter Heparine und Antikoagulantien
- Nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen
- Bestimmte Antibiotika, darunter Trimethoprim, Cotrimoxazol (eine Kombination aus Trimethoprim und Sulfamethoxazol) und Neomycin
- Herzglykoside wie Digoxin
Aufgrund der Vielzahl möglicher Wechselwirkungen ist es wichtig, mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt über alle Arzneimittel zu sprechen, die man kürzlich eingenommen hat, derzeit einnimmt oder bald einnehmen wird.
Veröffentlicht am: 09.01.2026
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- C03DA01
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2020).
[2] Pschyrembel. Online. Spironolacton. https://www.pschyrembel.de/Spironolacton/K0LBU/doc/
[3] Gelbe Liste Pharmindex. Spironolacton. https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Spironolacton_516
[4] Gebrauchsinformation Spironoacton – 1 A Pharma® 50 mg https://1a-files.de/pdf/gi/46308230_Spironolacton1A_100mg_LF.pdf
[5] Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC). 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. https://academic.oup.com/eurheartj/article/42/36/3599/6358045
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