Geschwollene Beine - Ursachen und Behandlung

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Geschwollene Beine sind ein häufiges Symptom mit vielfältigen Ursachen – von harmlosen, gelegentlichen Flüssigkeitseinlagerungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Thrombosen oder Herzschwäche. Medizinische Fachkräfte unterscheiden zwischen plötzlich auftretenden und langsam zunehmenden Schwellungen. Besonders einseitige, akute Schwellungen sind rasch ärztlich abzuklären. Je nach zugrunde liegender Ursache, können Bewegung, Hochlagern der Beine und das Tragen von Kompressionsstrümpfen helfen, die Beschwerden zu lindern.
Wie äußern sich geschwollene Beine?
Geschwollene Beine, sind Flüssigkeitseinlagerungen, auch Beinödeme genannt, die einseitig oder beidseitig in den Beinen auftreten und sich durch eine Zunahme des Beinumfangs bemerkbar machen. Dabei kann die Schwellung das ganze Bein oder nur einzelne Areale wie den Unter- oder Oberschenkel betreffen. Auch die Knöchel, Füße und Zehen können geschwollen sein.
In manchen Fällen ist die Haut an den Beinen gespannt, überwärmt und gerötet. Wird mit dem Finger Druck auf die betroffene Region ausgeübt, bleibt – als typisches Zeichen eines Ödems – eine sichtbare Delle zurück. Bei einem Lymphödem bleibt eine solche Delle dagegen häufig nicht sichtbar, da die Schwellung fester und weniger eindrückbar ist – das kann ein Hinweis auf eine Störung des Lymphsystems sein.
Zusätzlich können weitere Beschwerden auftreten. Dazu zählen unter anderem:
Welche Ursachen können hinter geschwollenen Beinen stecken?
Die Ursachen für geschwollene Beine sind vielfältig. In manchen Fällen steckt eine ernst zu nehmende Erkrankung dahinter, die ärztlich abgeklärt und medizinisch zu behandeln ist. Eine Schwellung kann jedoch auch harmlose Gründe haben, beispielsweise stundenlanges Stehen oder Sitzen, etwa bei einer Reise mit dem Flugzeug oder dem Auto. Durch die fehlende Muskelaktivität kann der Rückfluss des Bluts und der Gewebeflüssigkeit aus den Beinen zum Herzen gestört sein. Solche leichten Ödeme bilden sich in der Regel von selbst wieder zurück, sobald der Körper in Bewegung kommt oder die Beine hochgelagert werden. Auch hormonelle Veränderungen (z. B. in der Schwangerschaft oder vor der Menstruation) oder bestimmte Medikamente – etwa Blutdruckmittel, Hormonpräparate oder Antidepressiva – können vorübergehend zu Wassereinlagerungen führen.
Medizinisches Fachpersonal unterscheidet zwischen plötzlich auftretenden und sich allmählich entwickelnden Schwellungen. Tritt eine akute Schwellung nur an einem Bein auf, ist besondere Vorsicht geboten: Betroffene sollten nicht zögern, eine ärztliche Untersuchung in Anspruch zu nehmen – denn mitunter sind ernste Erkrankungen die Ursache.
Mögliche Ursachen für ein akut einseitig geschwollenes Bein:
- Tiefe Venenthrombose (TVT): Bedingt durch einen Blutpfropf kann es zu einer Verengung oder einem Verschluss einer Becken-, Bein- oder Unterschenkelvene kommen. Neben einer Flüssigkeitsansammlung treten oft weitere Beschwerden wie Schmerzen, Spannungsgefühl oder eine bläuliche Hautverfärbung auf.
- Bakterielle Infektionen: Bakterielle Infektionen der Haut, der Lymphgefäße (Gefäße, die Gewebeflüssigkeit transportieren) oder des Bindegewebes können zu Schwellungen und weiteren Beschwerden wie Rötungen, Überwärmung, Fieber und eventuell Schüttelfrost führen.
- Verletzungsbedingte Schwellungen: Prellungen, Verstauchungen, Operationen oder ein Muskelfaserriss können örtlich begrenzte Verdickungen hervorrufen.
- Gelenkerkrankungen: Entzündungen der Gelenke, etwa bei Arthritis, oder eine gerissene Gelenkkapsel im Bereich der Kniekehle (Baker-Zyste) können ebenfalls Schwellungen, Schmerzen, Rötungen und Überwärmung verursachen. Eine akute, schmerzhafte Schwellung mit Rötung und Wärme sollte immer umgehend ärztlich abgeklärt werden, um eine Thrombose oder Entzündung frühzeitig zu erkennen.
Wenn beide Beine plötzlich anschwellen, kann dies auf eine ernsthafte Grunderkrankung wie Herzschwäche, eine eingeschränkte Nierenfunktion oder eine Lebererkrankung zurückzuführen sein. Auch eine beidseitige Verengung oder ein Verschluss von Venen im Becken- oder Beinbereich durch einen Blutpfropfen kann eine akute beidseitige Schwellung verursachen. In seltenen Fällen können auch Funktionsstörungen der Schilddrüse (Unter- oder Überfunktion) oder hormonelle Therapien eine Rolle spielen.
Mögliche Ursachen für ein- oder beidseitige Beinschwellungen, die sich über einen längeren Zeitraum entwickeln:
- Chronische Venenschwäche: Bei dieser Form der Schwellung transportieren die Venen das Blut nicht mehr richtig zum Herzen zurück. Infolgedessen staut es sich in den Beinen, und es kommt zu einer Flüssigkeitsverschiebung in das umliegende Gewebe. Die Venenschwäche betrifft in der Regel nur ein Bein, kann aber auch beidseitig auftreten.
- Lymphödeme: Störungen im Lymphsystem, wie sie durch Krebsbehandlungen oder als Folge eines schweren Übergewichts auftreten können, verursachen Schwellungen, die für einen kurzen Zeitraum auftreten, sich aber auch zu einem dauerhaften Problem entwickeln können. Bei Lymphödemen empfehlen Fachgesellschaften eine Kombination aus manueller Lymphdrainage, Kompression, Hautpflege und Bewegung, um die Schwellung langfristig zu kontrollieren.
In manchen Fällen entsteht eine einseitige Beinschwellung, weil Venen im Becken- oder Bauchraum von außen eingeengt werden, beispielsweise durch ein Krebsgeschwür. Dadurch kann das Blut nicht mehr ungestört abfließen, und es kommt zu einer anhaltenden Schwellung im betroffenen Bein.
Wenn beide Beine über eine längere Zeit geschwollen sind, kann das viele Gründe haben, darunter verschiedene Erkrankungen, die dazu führen, dass sich vermehrt Flüssigkeit in den Beinen absetzt. Dazu zählen unter anderem:
- Herzschwäche
- Nierenerkrankungen wie eine Unterfunktion der Niere
- Funktionsstörungen der Leber
- Bluthochdruck im Lungenkreislauf
- Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse
- Schmerzhafte Fettverteilungsstörung (Lipödem)
Darüber hinaus begünstigen manche Medikamente wie Hormonpräparate, Wirkstoffe gegen Depressionen oder Blutdrucksenker die Einlagerung von Flüssigkeit. Während der Schwangerschaft oder kurz vor der Periode kann es ebenfalls zu beidseitigen Schwellungen kommen. Bei Frauen mittleren Alters ist laut neuen Studien zudem das Lipödem häufiger als früher angenommen – es unterscheidet sich von anderen Ödemen durch druckempfindliche Fettpolster an Oberschenkeln und Hüften, die trotz Gewichtsabnahme bestehen bleiben.
Wann ärztlichen Rat einholen bei geschwollenen Beinen?
Gelegentlich leichte Schwellungen nach langem Sitzen oder Stehen sind meist harmlos. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein zeitnaher Besuch in der ärztlichen Praxis ratsam ist. Dies ist der Fall, wenn die Flüssigkeitsansammlung plötzlich auftritt – insbesondere dann, wenn nur ein Bein betroffen ist und das Ödem Schmerzen verursacht. Wenn beide Beine anschwellen und die Betroffenen bereits eine Herz- oder Nierenerkrankung haben, ist es ebenfalls empfehlenswert, eine medizinische Praxis aufzusuchen. Betroffene sollten dann nicht zögern und sich ärztlich untersuchen lassen. Entwickelt sich die Schwellung langsam über einen längeren Zeitraum und sind keine Grunderkrankungen am Herzen oder den Nieren bekannt, reicht in der Regel eine medizinische Abklärung innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen. Alarmzeichen, bei denen sofort ärztliche Hilfe notwendig ist, sind: Atemnot, Brustschmerzen, starke Schmerzen im Bein, plötzlich auftretende Hautrötung oder rasche Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage.
Wie sehen die Diagnostik und Therapie bei geschwollenen Beinen aus?
Zu Beginn erfasst die medizinische Fachkraft die Art und Dauer der Beschwerden. Darüber hinaus erfragt sie, wie sich die Beschwerden entwickelt haben und ob kürzlich Operationen durchgeführt wurden. Auch klärt das ärztliche Gegenüber, ob Begleitsymptome wie Atemnot, Schmerzen oder Veränderungen in der Urinmenge vorhanden sind. Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung der betroffenen Regionen.
Um die zugrunde liegende Ursache zu finden, wird die Diagnostik in der Regel durch Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen, Untersuchungen der Lungenfunktion oder Urinanalysen ergänzt. Die Duplex-Sonographie (eine spezielle Ultraschalltechnik) gilt heute als Standard, um Durchblutungsstörungen und Thrombosen sicher zu erkennen.
Die Therapie richtet sich gezielt nach der Ursache. Liegt beispielsweise eine Venenschwäche vor, helfen oft Kompressionsstrümpfe, die von außen kontrolliert Druck auf die Beine ausüben. Auf diese Weise unterstützen sie den Blutfluss in den Venen und verhindern, dass Flüssigkeit in das Gewebe austritt und sich dort ansammelt. Auch regelmäßige Bewegung und das Hochlagern der Beine können in diesen Fällen Linderung verschaffen. Ist eine Herzschwäche die Ursache für die Schwellung, kommen entwässernde Medikamente in Betracht. Ist das Ödem die Folge einer Medikamenteneinnahme, verschreibt die medizinische Fachkraft nach Möglichkeit ein anderes Arzneimittel. Bei Lymphödemen ist eine Kombination aus Bewegung, Kompression und manueller Lymphdrainage die wirksamste Maßnahme. Moderne Kompressionssysteme und adaptive Bandagen erleichtern inzwischen den Alltag vieler Betroffener.
Was können Sie selbst bei geschwollenen Beinen tun?
Schwellungen in den Beinen, die im Laufe des Tages nach langem Sitzen oder Stehen auftreten, lassen sich in der Regel durch einfache Maßnahmen lindern. Auch Menschen mit einer Venenschwäche profitieren von gezielten Übungen. Dazu zählen unter anderem:
- Beine hochlagern: Bei starken Beschwerden legen Sie sich mit dem Rücken auf den Boden, das Gesäß einige Handbreit entfernt von der Wand und platzieren Ihre Füße mit gestreckten Beinen an einer Wand. Dabei sollte der Winkel zwischen den Beinen und dem Boden 45 bis 60 Grad betragen.
- Bewegung hilft: Wenn Sie länger sitzen, stehen Sie immer wieder mal auf und werden Sie körperlich aktiv. Auch gezieltes Training wie Kniebeugen oder Zehenspitzen-Stand helfen, den Rückfluss des Bluts aus dem Bein zum Herzen zu unterstützen und somit der Flüssigkeitsansammlung entgegenzuwirken. Die gymnastischen Übungen sollten Sie idealerweise drei- bis viermal täglich für wenige Minuten ausführen.
- Kompressionsstrümpfe entlasten: Lassen Sie sich in einer Apotheke oder im Sanitätshaus beraten, welche Art von Strümpfen für Sie hilfreich sind.
- Salzarme Ernährung: Eine salzreiche Kost bindet viel Wasser im Körper und kann dazu beitragen, dass sich vermehrt Flüssigkeit im Gewebe ansammelt. Achten Sie daher auf eine salzarme Ernährung. Ergänzend kann eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß und regelmäßige Bewegung die Funktion der Venen unterstützen. Wer häufig zu Schwellungen neigt, sollte außerdem möglichst auf das Rauchen verzichten, da Nikotin die Gefäßfunktion beeinträchtigen kann.
Veröffentlicht am: 29.12.2025
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Quellen:
[1] Pschyrembel. Online. Ödeme. https://www.pschyrembel.de/%C3%96deme/K0FKR/doc/
[2] Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Ursachen und Anzeichen eines Ödems. https://www.gesundheitsinformation.de/ursachen-und-anzeichen-eines-oedems.html
[3] Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Beschwerden nach einer Thrombose (Postthrombotisches Syndrom). https://www.gesundheitsinformation.de/was-kann-ich-selbst-tun-um-beschwerden-zu-lindern.html
[4] Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V. (DGPL). 13 Übungen für die Venen. https://www.phlebology.de/patienten/tipps/venengymnastik/
[5] Deximed Hausarztwissen online. Beinödeme (geschwollene Beine). https://deximed.de/home/klinische-themen/herz-gefaesse-kreislauf/patienteninformationen/was-kann-das-sein/beinoedeme-geschwollene-beine
[6] NIH National Library of Medicine Diagnostik von Beinödemen https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9981498/
[7] Springer Medizin Differentialdiagnose akuter und chronischer Extremitätenschwellungen https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/klinische-angiologie/differentialdiagnose-akuter-und-chronischer-extremitaetenschwellungen
[8] tk.de Ödeme - Wasser im Gewebe https://www.tk.de/techniker/krankheit-und-behandlungen/erkrankungen/behandlungen-und-medizin/herz-kreislauf-erkrankungen/gefaesserkrankungen-ursachen-symptome-behandlung/oedeme-wasser-im-gewebe-2015824
[9] Springer Nature Link Erheben Sie bei Ödemen eine Medikamenten-Anamnese! https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-019-0941-6
[10] AWMF online S2k Leitlinie Diagnostik und Therapie der Lymphödeme https://register.awmf.org/assets/guidelines/058-001l_S2k_Diagnostik_und_Therapie_der_Lymphoedeme_2019-07-abgelaufen.pdf
[11] AWMF online S2k Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V. https://register.awmf.org/assets/guidelines/037-012l_S2k_Lipoedem_2024-01_01.pdf
[12] Frauenärzte im Netz Lipödem: Symptome erkennen und behandeln https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/lipoedem/
[13] AWMF online Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie https://register.awmf.org/assets/guidelines/065-002l_S2k_Venenthrombose-Lungenembolie_2023-09.pdf
[14] gesundheitsinformation.de Tiefe Venenthrombose (TVT) https://www.gesundheitsinformation.de/tiefe-venenthrombose-tvt.html
[15] AWMF online Diagnostik und Therapie der Lymphödeme https://www.awmf.org/service/awmf-aktuell/diagnostik-und-therapie-der-lymphoedeme
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