Poltern - Ursachen und Behandlung

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Poltern ist eine Sprechstörung, die meist schon im Kindesalter auftritt. Sie ist gekennzeichnet durch sehr schnelles Sprechen, Nuscheln und Atempausen an den falschen Stellen im Satz, was oft zu schwer verständlichen Sätzen führt. Grundsätzlich kann jede Person Poltern entwickeln, es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine familiäre Veranlagung besteht. In der logopädischen Praxis helfen gezielte Übungen dabei, Wörter und Sätze langsam und kontrolliert zu formulieren. Wichtig ist, dass die Übungen auch zu Hause regelmäßig trainiert werden.
Wie äußert sich Poltern?
Poltern zählt genau wie Stottern zu den Redeflussstörungen, ist aber wesentlich unbekannter. Wie genau sich das Poltern äußert, ist individuell unterschiedlich und abhängig von der Ausprägung. Bei manchen Menschen fällt es kaum auf, bei anderen sind gesprochene Sätze gänzlich unverständlich. Typisch für Poltern sind folgende Auffälligkeiten:

- Sehr hohes Sprechtempo, das teilweise nicht mehr verständlich ist – als wären die Gedanken schneller als der Mund
- Pausen an den falschen Stellen, zum Beispiel mitten im Wort anstatt zwischen zwei Wörtern
- Verschmelzung von Wortsilben, sodass ganze Satzteile ohne Trennung ineinander übergehen
- Auslassung von Wortsilben oder Buchstaben
- Manchmal werden Laute durch einen anderen Laut ersetzt, wodurch Wörter zum Teil nicht mehr verständlich sind.
- Die Betonung kann entweder an den falschen Stellen im Satz auftreten, oder gänzlich fehlen, sodass der Sprachfluss sehr monoton klingt.
Menschen, die poltern, sind sich ihrer Störung meistens nicht oder nur am Rande bewusst. Sie nehmen vor allem wahr, dass ihr Gegenüber Verständnisschwierigkeiten hat. Werden sie auf ihre sprachlichen Besonderheiten hingewiesen, verbessern diese sich oft. Darin liegt ein großer Unterschied zum Störungsbild des Stotterns.
Welche Ursachen können hinter Poltern stecken?
Poltern ist eine Sprechstörung, keine Sprachstörung[NL1.1], wie oftmals angenommen. Das bedeutet, dass die sprachlichen Fähigkeiten grundsätzlich vorhanden sind und die Schwierigkeit vielmehr in der Bildung der Wörter mit den zuständigen Muskeln liegt. Das Poltern zeigt sich meist schon in jungen Jahren, häufig um den dritten oder vierten Geburtstag herum. Weshalb manche Kinder zu poltern beginnen und andere nicht, ist noch nicht vollständig erforscht. Als Gründe für die Redeflussstörung nehmen Forschende zum Beispiel folgende an:
- Familiäre Veranlagung: Gibt es bereits Fälle von Poltern oder Stottern im verwandten Umfeld, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind zu poltern beginnt.
- Entwicklungsverzögerung: Wenn sich die Denkgeschwindigkeit und die Sprechfähigkeit unterschiedlich schnell entwickeln, kann es zum Poltern kommen.
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Zudem gibt es bestimmte Erkrankungen, bei denen Poltern häufiger auftritt – zum Beispiel das fragile X-Syndrom. Bei diesem Gendefekt entwickeln sich in den meisten Fällen sprachliche Auffälligkeiten wie Poltern.
Andere Forschungsansätze vermuten, dass die Hörverarbeitung betroffen sein könnte. Dann könnten Betroffene Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung gesprochener Sprache haben und damit ihre eigene Aussprache nicht einschätzen und kontrollieren, sodass ein unkoordinierter Redefluss entsteht. Außerdem werden motorische Störungen, also Einschränkungen in der Planung und Ausführung von Bewegungen, sowie allgemeine Wahrnehmungsschwierigkeiten als Ursache für Poltern vermutet.
Wann ärztlichen Rat einholen bei Poltern?
Haben Eltern den Verdacht, dass das eigene Kind eine Sprechstörung entwickelt, ist es sinnvoll, dies in der kinderärztlichen Praxis abklären zu lassen. Insbesondere dann, wenn das betroffene Kind aufgrund von Reaktionen anderer Personen verunsichert ist oder wenn die sprachliche Entwicklung sich zunehmend verschlechtert.
Auch erwachsene Personen sollten ärztlichen Rat einholen, wenn die Schwierigkeiten das soziale Miteinander, den Beruf oder die eigene psychische Gesundheit beeinträchtigen.
Wie sehen Diagnostik und Therapie bei Poltern aus?
Um im Fall eines Kindes abzuklären, ob eine auditive Störung ursächlich für die sprachlichen Auffälligkeiten ist, untersucht die zuständige ärztliche Fachkraft das Gehör und führt einen Hörtest durch. Zeigen sich keine Besonderheiten, empfiehlt sich meist ein Besuch in der logopädischen Praxis.
Logopädinnen und Logopäden beobachten Betroffene – egal ob Kind oder erwachsene Person – beim Sprechen und fordern sie zum Beispiel dazu auf, etwas nachzuerzählen, einen Text vorzulesen und langsam zu sprechen. Treten die Besonderheiten des Polterns auf, erhärtet das bereits den Verdacht auf die Redeflussstörung. Durch konzentriertes, langsames Sprechen lässt sich diese eindeutig vom Stottern[NL3.1] abgrenzen: Menschen, die poltern, sprechen besser, wenn sie sich konzentrieren, während es bei Menschen, die stottern, beim langsamen Sprechen zu einer Verschlechterung der Symptomatik kommt.
Die Therapie des Polterns zielt auf verschiedene Schwerpunkte ab, unter anderem:
- Eigene Wahrnehmung der Schwierigkeiten
- Aussprache
- Sprechtempo
Die logopädische Fachkraft arbeitet gemeinsam mit der polternden Person daran, die eigene Körperwahrnehmung zu verbessern und sich der Mundbewegungen bewusst zu werden. Tonaufnahmen der eigenen gesprochenen Sprache können dazu beitragen, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Je nachdem, wie ausgeprägt das Poltern ist, zielen verschiedene Übungen zudem darauf ab, Wörter zu vervollständigen oder neu zu bilden. Das hilft dabei, sie richtig auszusprechen, um die Ersetzung von korrekten Lauten durch unpassende Laute zu vermeiden. Gezieltes Training der Sprechwerkzeuge wie Lippen, Zunge und Wangen ist wichtig, damit die betroffene Person sie beim Sprechen gezielt ansteuern und kontrollieren kann.
In der Regel lässt sich die Störung bei Kindern einfacher behandeln als bei Erwachsenen, da sich ihre Sprechfähigkeit noch nicht so sehr gefestigt hat.
Was können Sie selbst bei Poltern tun?
Wenn Sie vermuten, zu poltern, ist es wichtig, offen damit umzugehen. Sprechen Sie Bekannte darauf an, wie sie die Kommunikation mit Ihnen wahrnehmen. Bestätigen diese, dass es manchmal Verständnisprobleme gibt, kann es ratsam sein, eine logopädische Praxis aufzusuchen. Das gilt vor allem, wenn Sie sich in Ihrem Alltag öfter mal beeinträchtigt fühlen. Die Übungen, die Ihnen von der Logopädin oder dem Logopäden gezeigt werden, sollten Sie regelmäßig durchführen. Ihr Redefluss kann sich nur verbessern, wenn Sie Ihre Sprechfähigkeiten trainieren.
Veröffentlicht am: 16.06.2026
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Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Poltern. https://www.pschyrembel.de/Poltern/K0HD9/doc/
[2] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. Redeflussstörungen. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/hno/redeflussstoerungen.html
[3] Deutscher Bundesverband für Logopädie e. V. Poltern. https://www.dbl-ev.de/fachwissen-logopaedie/poltern/
[4] Deutscher Bundesverband für Logopädie e. V. Stottern. https://www.dbl-ev.de/fachwissen-logopaedie/stottern/
[5] Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik e. V. Poltern. https://www.dgs-ev.de/sprachheilwiki/kategorien/stoerungsbilder/poltern
[6] Mannhard A. Die Behandlung des Polterns bei Jugendlichen und Erwachsenen: ein Leitfaden für die Praxis. Forum Logopädie 2005:3(19), 18–25. https://www.alt.forum-logopaedie.de/fileadmin/Inhalte/evi-logo/Dokumente/Datenbank/2005/05_03_Mannhard_Die_Behandlung_des_Polterns_bei_Jugendlichen_und_Erwachsenen._Ein_Leitfaden_fuer_die_Praxis.pdf
[7] Sick U. Logopädische Diagnostik von Poltern (I). Forum Logopädie 2014. https://www.thieme-connect.de/products/ebooks/lookinside/10.1055/b-0034-93470
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