Beatmung – lebenswichtig, präzise, vielfältig

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Zusammenfassung
Eine Beatmung soll die Atmung unterstützen beziehungsweise ersetzen. Eingesetzt wird sie, wenn eine Person nicht oder nicht ausreichend selbst atmen kann. Es gibt verschiedene Beatmungstechniken, die sich grob in manuelle und maschinelle Beatmung unterteilen lassen. Bei Letzterer lassen sich zudem eine invasive und eine nicht invasive Form unterscheiden. Ihr Einsatz hängt von der Erkrankung oder Verletzung sowie dem Willen der betroffenen Person ab.
Was ist eine Beatmung?
Personen, die aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung nicht mehr oder nur noch unzureichend selbstständig atmen, benötigen eine Beatmung. Diese stellt sicher, dass der Körper des oder der Betroffenen mit ausreichend Sauerstoff versorgt beziehungsweise verbrauchtes Kohlendioxid aus dem Blut nach außen abgegeben wird. Die Beatmung kann über Mund-zu-Mund- beziehungsweise Mund-zu-Nase-Beatmung oder maschinell über eine Beatmungsmaschine erfolgen.
Wann kann eine Beatmung helfen?
Menschen müssen beatmet werden, wenn sie aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung nicht in der Lage sind, selbstständig zu atmen. Einer der häufigsten Gründe für eine künstliche Beatmung ist die respiratorische Insuffizienz, bei der die Lunge nicht genügend Sauerstoff aufnehmen oder Kohlendioxid aus dem Blut abgeben kann. Diese kann plötzlich auftreten und einen schweren Sauerstoffmangel des Körpers bewirken. Auslöser sind beispielsweise eine Verletzung des Brustkorbs, meist verursacht durch einen Verkehrsunfall, oder ein akutes Lungenversagen. Dieses tritt wiederum als Folge einer Blutvergiftung, eines Schocks, einer Lungenentzündung oder dem Einatmen von Rauch, giftigen Dämpfen oder Wasser auf.
Die respiratorische Insuffizienz kann sich jedoch auch langsam entwickeln. Solche chronischen Verläufe kommen unter anderem bei schweren Lungenerkrankungen wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder Lungenfibrose vor. Betroffene benötigen für jeden Atemzug mehr Kraft als Nichtbetroffene, was auf Dauer die Atemmuskulatur überlastet. Damit die Atemtätigkeit nicht zusammenbricht, werden die Atemzüge flacher. So wird allerdings weniger Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid abgeatmet. Meist reicht bei diesen Erkrankungen eine Beatmung während der Nacht aus, um die Atemmuskulatur zu entlasten.
Des Weiteren ist eine Beatmung bei Atemlähmung notwendig. Diese kann die Folge eines Tumors seins oder von bestimmten Medikamenten, Rückenmarksverletzungen oberhalb des vierten Halswirbels oder von neurologischen Erkrankungen wie der Poliomyelitis, amyotrophen Lateralsklerose oder dem Guillain-Barré-Syndrom verursacht werden.
Weitere Anwendungsgebiete sind:
- Als Notfallmaßnahme bei Reanimation (z. B. Mund-zu-Mund-Beatmung)
- Während einer Vollnarkose (Narkosebeatmung), da durch die Narkosemittel die Spontanatmung nicht mehr funktioniert
- Nach einem chirurgischen Eingriff
Wie wird eine Beatmung durchgeführt?
Abhängig von der Erkrankung oder Verletzung werden verschiedene Beatmungsformen und -techniken eingesetzt:
- Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung. Sie wird vor allem während der Wiederbelebung (Reanimation) bei bewusstlosen Personen, die nicht mehr atmen, angewandt. Die Vorgehensweise wird in Erste-Hilfe-Kursen erlernt.
- Beatmung mit Handbeatmungsbeutel. Diese kommt bei Notfällen während der Wiederbelebung oder kurzfristig bei Komplikationen bei einer invasiven Beatmung zum Einsatz.
- Maschinelle oder künstliche Beatmung mit einem Beatmungsgerät
Die maschinelle Beatmung lässt sich weiter unterteilen. Bei der invasiven Beatmung wird die Person über einen flexiblen Schlauch (Tubus) beatmet, der über die Nase oder den Mund in die Luftröhre eingeführt wird. Für das auch als Intubation bezeichnete Verfahren wird die betroffene Person in Narkose versetzt. Eingesetzt wird diese beispielsweise bei einer Operation in Vollnarkose, bei bewusstlosen Menschen oder wenn eine andere schwere Erkrankung (z. B. Lungenödem) die Atemfunktion stark beeinträchtigt. Muss über einen längeren Zeitraum invasiv beatmet werden, erfolgt die Beatmung nicht über Mund oder Nase, sondern über eine kleine Öffnung im Hals, das Tracheostoma. Notwendig ist dies beispielsweise auch bei Gesichtsfehlbildungen, die eine Beatmung über eine Maske unmöglich machen, bei amyotropher Lateralsklerose oder bei teilweise beziehungsweise vollständig verschlossenen Atemwege, z. B. durch Tumoren.
Die nicht invasive Beatmung wiederum kann als Unter- oder Überdruckbeatmung angewandt werden.
- Bei der Unterdruckbeatmung oder auch NINPV (engl. noninvasive negative pressure ventilation) liegt die betroffene Person ab dem Hals abwärts in einer starren Kammer, die den Körper vollständig umschließt. Zum Einatmen baut das auch als Eiserne Lunge bezeichnete Gerät einen Unterdruck auf. Der Brustkorb dehnt sich aus und Luft gelangt durch den Mund in die Lunge. Anschließend erzeugt das Gerät einen Überdruck, sodass die Luft aus den Lungen wieder herausgedrückt wird. Eiserne Lungen wurden früher zur Behandlung von Menschen mit chronischer Atemlähmung eingesetzt, die häufig die Folge einer Polio-Erkrankung war. Weiterentwicklungen sind der flexible Unterdruckanzug, der im Inneren im Bereich des Brustkorbs aus starrem Kunststoff oder Metall besteht, sowie der Kürass-Ventilator, der nur den Brustkorb umschließt.
- Bei der Überdruckbeatmung (NIPPV; engl. noninvasive positive pressure ventilation) erzeugt ein Beatmungsgerät einen Überdruck, der über eine Nasenmaske, Gesichtsmaske oder einen Helm in die Lungen der betroffenen Person gelangt. Sie wird in der Regel nachts durchgeführt und soll die Atemmuskulatur entlasten: Während der Beatmung können sich die an der Atmung beteiligten Muskeln erholen, sodass diese am Tag wieder mehr leisten können und eine ausreichende Spontanatmung möglich ist.
Darüber hinaus lässt sich die maschinelle Beatmung in eine kontrollierte (erzwungene, mandatorische), unterstützte (assistierte, augmentierte) Beatmung und spontane Atemarbeit unterteilen. Diese Grobgliederung basiert darauf, welchen Anteil an Atemarbeit das Beatmungsgerät übernimmt. Zu den assistierten Beatmungsformen, welche die Spontanatmung unterstützen, zählt die CPAP-Therapie (engl. continuous positive airway pressure). Diese weitet die oberen Atemwege dauerhaft durch einen positiven Druck. Eingesetzt wird sie beispielsweise sowohl bei der invasiven, als auch nicht invasiven Beatmung, unter anderem bei der Entwöhnung (Weaning) von der invasiven Beatmung, bei akuten Verschlechterungen von COPD und Asthma bronchiale sowie bei Atemaussetzern im Schlaf (obstruktive Schlafapnoe).
Eine Weiterentwicklung ist die BiPAP-Beatmung (engl. biphasic positive airway pressure), bei der das Gerät während der Ausatmung den Druck absenkt. Personen, die diese Form nutzen, können gleichzeitig spontan atmen und beatmet werden. Sie zählt zu den kombinierten Verfahren und eignet sich beispielsweise bei Atemaussetzern im Schlaf. Darüber hinaus existieren viele weitere Beatmungsverfahren.
Bei der kontrollierten Beatmung (CMV; engl. continuous mandatory ventilation) dagegen übernimmt das Gerät die gesamte Atemarbeit und wird nicht durch eine vorhandene Spontanatmung beeinflusst. Sie wird zum Beispiel notwendig, wenn der betroffene Mensch nicht mehr selbst atmet oder die Atmung durch Medikamente unterdrückt wurde. Die kontrollierte Beatmung lässt sich wie folgt unterteilen:
- Die volumenkontrollierte Beatmung (VCV; engl. volume controlled ventilation). Hier wird in einer bestimmten Zeit ein bestimmtes Volumen an Sauerstoff in die Lungen gepumpt.
- Die druckkontrollierte Beatmung (PCV; engl. pressure controlled ventilation), bei der ein bestimmter Druck in den Atemwegen nicht überschritten werden darf. Ist dieser hoch genug, beginnt die Ausatmung.
Welche Risiken bestehen bei der Beatmung?
Neben Hautreizungen oder Wunden durch die Maske oder den in die Luftröhre eingeführten Schlauch kann die Beatmung Komplikationen verursachen wie:
- Infektionen und Lungenentzündungen bei invasiver Beatmung über längeren Zeitraum
- Blutungen, Verletzungen, Infektionen am Tracheostoma
- Eindringen von beispielsweise Mageninhalt in die Atemwege während der Einatmung. Das Risiko ist bei einer Intubation gering.
- Falsche Lage des durch die Nase oder den Mund eingeführten Schlauchs (Tubus)
- Schädigung der Lunge durch den Druck. Unter anderem können die feinen Lungenbläschen einreißen, sodass Luft in die Brusthöhte entweicht (Pneumothorax).
- Teilweise oder vollständig verschlossene Atemwege durch Schleim
- Entstehung von Lungenabschnitten, die nicht mehr mit Luft gefüllt sind
Was ist bei der Beatmung zu beachten?
Personen mit nicht invasiver Beatmung empfinden diese oftmals als lästig oder unbequem. Zur Gewöhnung hilft es, die Maske für ein paar Minuten beispielsweise beim Fernsehen zu tragen oder Entspannungsübungen zu erlernen. Weitere Schwierigkeiten, die im Rahmen einer Beatmungstherapie auftreten können, sind:
- Verstopfte Nase am Anfang der Behandlung. Diese klingt in der Regel innerhalb weniger Wochen ab.
- Nasenbluten, laufende Nase, trockene Schleimhäute. Dagegen helfen Luftbefeuchter am Beatmungsgerät, Nasensalben oder -spülungen.
- Gerötete Augen, Schnarchen, Atemaussetzer. Dies sind Anzeichen für eine undichte Maske. Manchmal hilft es, die Länge der Kopf- und Kinnbänder zu verändern.
- Gerötete, entzündete Stellen auf Nasenrücken oder Stirn. Ursache hierfür ist eine schlechtsitzende Maske.
- Rötungen aufgrund einer Allergie müssen ärztlich abgeklärt werden.
- Mundtrockenheit und Schmerzen beim Schlucken. Ursache ist das Schlafen mit offenem Mund. Abhilfe schafft ein über das Kinn geführtes, elastisches Band, das den Mund geschlossen hält. Eine Alternative ist ein Maskenmodell, welches Mund und Nase gleichzeitig abdeckt.
Bei Schwierigkeiten, beispielsweise aufgrund einer schlechtsitzenden Maske, sollten sich die betroffenen Personen früh fachliche Unterstützung holen.
Veröffentlicht am: 24.04.2026
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Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Beatmung. https://www.pschyrembel.de/Beatmung/K03H4
[2] Beatmung. Thieme via medici. https://viamedici.thieme.de/lernmodul/6772238/4915521/beatmung#n307371f9458a88c8
[3] Lungenärzte im Netz. Nicht-invasive Beatmung bei COPD und Lungenemphysem. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/nicht-invasive-beatmung-bei-copd-und-lungenemphysem/
[4] Larsen, R, et al., Beatmung. Thieme 6. Auflage (2018)
[5] Universitätsspital Zürich. Invasive Beatmung. https://www.usz.ch/fachbereich/neonatologie/angebot/invasive-beatmung/
[6] Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke. Außerklinische Beatmung (Heimbeatmung). https://www.dgm.org/muskelerkrankungen/als/atmung-beatmung/heimbeatmung
[7] Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Außerklinische Beatmung und Intensivversorgung. Positionspaper: Ambulante Intensivpflege nach Tracheotomie. https://digab.de/wp-content/uploads/2019/01/Positionspapier_Tracheotomie_und_HKP_Thieme-Verlag.pdf
[8] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie funktioniert eine Beatmungstherapie bei Atemproblemen? https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-eine-beatmungstherapie-bei-atemproblemen.html
[9] Iberl, G, Schellenberg, M, Pflegewissen Pneumologie. Springer (2017)
[10] Köhler, D. et al. Pneumologie. Thieme 2. Auflage (2015)
[11] Kerscher-Hack, S. Folgenreiche Atemaussetzer. Pharmazeutische Zeitung (2024). https://www.pharmazeutische-zeitung.de/folgenreiche-atemaussetzer-145463/
[12] Lungenärzte im Netz. Nicht-invasive Beatmung bei COPD und Lungenemphysem. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/nicht-invasive-beatmung-bei-copd-und-lungenemphysem/
[13] Universität Greifswald. „Eiserne Lunge“ Typ „Medilunge“. https://www.uni-greifswald.de/universitaet/einrichtungen/kustodie/wissenschaftliche-sammlungen/sammlungsobjekt-des-quartals/medizinhistorische-geraetesammlung-eiserne-lunge/
[14] Larsen, R, Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. Springer (2016)
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