Psychodrama – Rollenspiel zur Verarbeitung innerer Konflikte

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Zusammenfassung
Psychodrama ist eine Form der Gruppentherapie, bei der ein symbolisches Rollenspiel dabei helfen soll, innere Konflikte zu verarbeiten. Eine Hauptperson steuert den Ablauf der Szene, während die anderen Personen einzelne Rolle einnehmen oder das Geschehen beobachten. Die Methode soll dabei unterstützen, neue Perspektiven einzunehmen. Die Therapieform findet vor allem bei psychischen Problemen Anwendung – eindeutige wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit fehlen jedoch bislang.
Was ist Psychodrama?
Psychodrama ist eine therapeutische Methode, die auf den österreichisch-amerikanischen Arzt und Psychiater Jacob Levy Moreno zurückgeht. Im Mittelpunkt des in den 1920er-Jahren entwickelten Therapieverfahrens steht ein symbolisches Rollenspiel. Persönliche Probleme, innere Konflikte und wiederkehrende Verhaltensmuster werden in verschiedenen Rollen dargestellt und in Handlungen übersetzt.
Ein wesentlicher Grundgedanke des Psychodramas ist, dass sich durch spontanes, kreatives und spielerisches Handeln neue Perspektiven eröffnen, welche im klassischen therapeutischen Gespräch oft nur schwer erreichbar sind. Durch das körperlich-emotionale Erleben sollen Teilnehmende die eigenen Gefühle besser verstehen und Unterstützung dabei bekommen, neue Perspektiven und Lösungsansätze zu entwickeln.
Wann kann Psychodrama helfen?

Zu den typischen Einsatzfeldern zählen psychische Probleme und Erkrankungen, beispielsweise:
- Anpassungsstörungen
- Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
- Persönlichkeitsstörungen
- Zwangsstörungen
- Depressive Erkrankungen
- Ängste
- Suchterkrankungen
- Soziale Isolation
- Burnout
Neben klassischen therapeutischen Settings findet das Psychodrama zunehmend Anwendung in anderen Bereichen, etwa in:
- Coachings
- Paar- und Familienberatungen
- Schulen
- Unternehmen
Nach Morenos Auffassung eignet sich die Methode besonders für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, da das spielerische Vorgehen ihrer natürlichen Ausdrucksweise entspricht.

Psychodrama – was sagt die Wissenschaft?
Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Methode sind bislang selten. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Psychodrama die Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und bei der Verarbeitung von Gefühlen wie Wut und Aggressivität helfen kann. Es fehlen jedoch hochwertige Studien, die einen positiven Effekt bei diagnostizierten psychischen Erkrankungen nachweisen. Psychodrama zählt in Deutschland nicht zu den psychotherapeutischen Richtlinienverfahren. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten daher in der Regel nicht.
Wie wird Psychodrama durchgeführt?
Psychodrama ist in seiner Ursprungsform auf Gruppen von rund acht bis 15 Personen ausgelegt. Innerhalb der Gruppe haben die Teilnehmenden verschiedene Rollen:
- Eine Hauptperson, deren Thema oder Konflikt im Mittelpunkt steht
- Eine fachkundige Spielleitung, die die Gruppe anleitet und Szenen begleitet
- Mehrere Mitspielende, die Rollen von Personen oder inneren Anteilen übernehmen
- Mehrere Beobachtende, welche die Szenen verfolgen und im Anschluss Feedback geben
Der Ablauf des Rollenspiels ist in der Regel klar strukturiert, um den Teilnehmenden Orientierung zu bieten und das Thema systematisch zu bearbeiten. Jede Phase hat dabei eine bestimmte Funktion:
- Initialphase: Ziel der ersten Spielphase ist das Aufwärmen. Die Spielleitung hat hier die Aufgabe, eine vertraute und angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle Teilnehmenden wohlfühlen. Dafür kommen zum Beispiel kurze Kennlernspiele oder Bewegungsübungen zum Einsatz.
- Handlungsphase: In der Hauptphase des Rollenspiels wird das festgelegte Thema bearbeitet. Die Hauptperson gibt den Rahmen dieser Phase vor – etwa, wer welche Rolle übernimmt und welche Hilfsmittel verwendet werden. Die Gestaltung der Handlungsphase ist flexibel: Die Szene lässt sich zum Beispiel als Improvisationstheater oder als Standbild darstellen.
- Abschlussphase: In der letzten Phase eines Psychodramas wird das Erlebte gemeinsam nachbereitet. Die Hauptperson, Mitspielende sowie Beobachtende reflektieren die Szenen und tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. Ziel ist es, die neu gewonnenen Einsichten zu verarbeiten.
Gut zu wissen: Einzelne Elemente des Psychodramas kommen gelegentlich in der Einzeltherapie zum Einsatz. Die therapierende Person übernimmt dann bestimmte Rollen oder Persönlichkeitsanteile einer Person. Gegenstände oder ein leerer Stuhl können ergänzend zum Einsatz kommen, um die Vorstellungskraft anzuregen.
Welche Risiken bestehen beim Psychodrama?
Beim Psychodrama können unverarbeitete Probleme und alte Konflikte an die Oberfläche treten und starke Emotionen auslösen. Das Erleben solcher Erfahrungen ist einerseits zentraler Bestandteil der Therapieform, kann andererseits jedoch belastend und überfordernd sein. Folglich besteht die Möglichkeit, dass sich der psychische Zustand vorübergehend eher verschlechtert als verbessert. Ein offenes Gespräch mit der Spielleitung über auftretende Schwierigkeiten hilft bei seelischen Belastungen durch das Psychodrama.
Was ist beim Psychodrama zu beachten?
Während des Psychodramas erlebt die Hauptperson manchmal unangenehme Gefühle wie Scham, Angst oder Unsicherheit. Um sicherzustellen, dass sich niemand bloßgestellt fühlt, ist eine ermutigende und wertschätzende Haltung aller Teilnehmenden entscheidend. Die Inhalte des Psychodramas sind außerdem vertraulich, sodass ein geschützter Raum entsteht.
Psychodrama eignet sich als Therapieform nicht für alle Menschen gleichermaßen. Manchen Personen fallen das spontane Improvisieren und Ausdrücken der eigenen Gefühle auf der Bühne leicht, anderen hingegen nicht. Introvertierte oder unsichere Menschen können sich schwertun, vor der Gruppe zu sprechen und Szenen dazustellen. Dann sind andere Formen der Therapie möglicherweise besser geeignet.
Veröffentlicht am: 26.06.2026
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Quellen
[1] López-Gonzáles, M. et al. Psychodrama Group Therapy for Social Issues: A Systematic Review of Controlled Clinical Trials. Int J Environ Res Public Health. 2021 Apr;18(9):4442.
[2] Universität Köln. Psychodrama Methodenpool. http://methodenpool.uni-koeln.de/download/psychodrama.pdf
[3] Bundesärztekammer. Gutachten zur Psychodramatherapie als wissenschaftliches Psychotherapieverfahren. https://www.wbpsychotherapie.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/WBP/Gutachten_zur_Psychodramatherapie_als_wissenschaftliches_Psychotherapieverfahren.pdf
[4] Deutscher Fachverband für Psychodrama e. V. Psychodrama – was ist das? https://psychodrama-deutschland.de/psychodrama/was-ist-psychodrama/
[5] Pschyrembel. Online. Psychodrama. https://www.pschyrembel.de/Psychodrama/K0J1K
[6] Moreno Institut Stuttgart. Psychodrama – das Verfahren. https://www.morenoinstitut.de/das-verfahren-psychodrama/
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