Jedes Jahr im Frühling können es Pferde und Besitzer kaum noch abwarten: die Weidezeit beginnt und alle freuen sich auf den ersten Koppelgang. Doch bevor das saftige Grün so richtig genossen werden kann, sollten Pferde vorsichtig angeweidet werden. Wir verraten Ihnen in diesem Blog-Beitrag, wie Sie Ihr Pferd langsam an das frische Gras gewöhnen und so Hufrehe, Koliken oder Durchfall vermeiden können.

Der richtige Zeitpunkt.

Ein Datum für den richtigen Anweide-Zeitpunkt gibt es eigentlich nicht: Die meisten Pferdebesitzer weiden irgendwann zwischen Ende März und Anfang Mai an – das hängt einfach vom Wetter und der Weide selber ab. Ist das Gras etwa 20 cm hoch, kann es auf jeden Fall mit dem Angrasen los gehen. In den ersten Tagen sollten es nicht mehr als 15 bis 20 Minuten sein, danach kann täglich um einige Minuten gesteigert werden. Es ist sinnvoll die ersten „Gras-Termine“ auf den Nachmittag zu legen, denn zu diesem Zeitpunkt ist der Fruktangehalt im Gras niedriger als morgens. Nach ca. zwei Wochen kann man zusätzliche Zeiten am Nachmittag einplanen. Grundsätzlich sagt man, dass der Pferde-Organismus ca. 2 bis 4 Wochen für die Futterumstellung benötigt.

Erst Heu – dann Gras!

Gerade in den ersten Tagen ist es sehr wichtig, dass die Pferde nicht nüchtern auf die Weide gehen. Um Durchfall oder Koliken nach dem Anweiden zu vermeiden, ist es empfehlenswert den Pferden vor dem Weidegang ausreichend Heu zu füttern. Das stillt den ersten Hunger und kann vermeiden, dass die Pferde das Gras zu gierig fressen.

Wieso muss das Pferd überhaupt langsam an das Gras gewöhnt werden?

In den meisten Ställen ist die Weidezeit im Oktober vorbei und die Pferde müssen den Winter auf dem Paddock und im Stall verbringen. Gefüttert wird Heu, Stroh, Kraftfutter und vielleicht ein paar Möhren. Der Pferdedarm ist in dieser Zeit bestens mit Bakterien ausgerüstet, welche das strukturreiche Heu und Stroh in verwertbare Bestandteile zerlegen können.
Mit dem Anweiden im Frühling muss sich nun das komplizierte Bakterienleben im Verdauungstrakt des Pferdes auf das neue Futterangebot umstellen. Werden die Pferde von heute auf morgen auf die saftige Wiese gelassen, kann es zum Chaos im Pferdedarm kommen. Die Bakterien, die bisher das trockene Futter zersetzt haben, können mit dem frischen Gras nichts anfangen. Die Folgen können Durchfall, Kotwasser und Koliken sein. Hier finden Sie Produkte zur Stabilisierung des Magen-Darm-Traktes bei Pferden.

Übrigens: Auch wenn Pferde das ganze Jahr über auf einer Winterweide stehen, müssen sie angegrast werden. Das frisch gewachsene Gras auf der Sommerweide unterscheidet sich nämlich stark von dem Gras auf einer im Winter genutzten Weide.

Anweiden nach Plan.

Wie genau das Anweide-Management erfolgen sollte, hängt natürlich immer davon ab, wie empfindlich das Pferd ist. Wir zeigen Ihnen hier eine Möglichkeit für schonendes Anweiden:

1. + 2. Tag 15 Minuten am Nachmittag
3.+ 4. Tag 30 Minuten am Nachmittag
5.+ 6. Tag 45 Minuten am Nachmittag
7. + 8. Tag 60 Minuten am Nachmittag
9. + 10. Tag 15 Minuten am Vormittag + 60 Minuten am Nachmittag
11. + 12 Tag 30 Minuten am Vormittag + 60 Minuten am Nachmittag
13. + 14. Tag 60 Minuten (vormittag) + 90 Minuten (nachmittag)

Empfindliche Pferde oder Pferde die z. B. schon einmal eine Hufrehe hatten, sollten noch vorsichtiger an das Gras gewöhnt werden. In Einzelfällen muss sogar komplett auf Weidegang verzichtet werden – sprechen Sie in Zweifelsfällen immer mit Ihrem Tierarzt.