Was ist die elektronische Patientenakte?

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Was ist die elektronische Patientenakte?

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist eine patientengeführte Akte, in der Patienten künftig lebenslang ihre gesundheitsbezogenen Daten speichern und verwalten können. Sie soll einen Austausch der Dokumente zwischen allen an einer Behandlung Beteiligten ermöglichen. Was sind die Vorteile und wie funktioniert die ePA?

Die ePA ist „patientengeführt“, was bedeutet, dass der Patient entscheidet, welche Daten in der ePA gespeichert oder wieder gelöscht werden und wer auf welche Daten darin zugreifen darf. Erteilt der Patient die entsprechenden Rechte, können Heilberufsangehörige, also Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Psychotherapeuten, Dokumente wie Befunde, Arztbriefe oder einen elektronischen Medikationsplan in der ePA ablegen.

Gibt es Vorbehalte gegenüber der ePA?

Bisherige Ansätze, eine ePA einzuführen scheiterten. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich und liegen vor allem an den besonderen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen. Ein Problem ergab sich zum Beispiel allein durch die Finanzierung, denn die ersten ePAs wurden von der Industrie entwickelt und angeboten, die aber oft eine Refinanzierung durch den Versicherten vorsahen, was dieser in der gesetzlichen Krankenversicherung jedoch nicht gewohnt war. Hinzu kam die Tatsache, dass die Befüllung der ePA mit medizinischen Daten für die Ärzte nicht monetär vergütet wurde, was nachvollziehbarer Weise zu einer Ablehnung führte.  Darüber hinaus waren notwendige Technologien, wie flächendeckende Internetbreitbandverbindungen der niedergelassenen Arztpraxen und Smartphones für die Masse der Versicherten, vor zehn oder fünfzehn Jahren weder weit genug verbreitet noch ausgereift genug.

Die flächendeckende Einführung der ePA sollte daher von der Selbstverwaltung organisiert werden und war damit seit ihrer Gründung 2005 Aufgabe der gematik. Die gematik hatte jedoch zu Beginn ein strukturelles Problem, das erst ab 2018 mit der Ernennung von Jens Spahn zum Gesundheitsminister abgebaut wurde.

Auch aktuell gibt es von Seiten der Ärzteschaft noch Einwände in Bezug auf eine patientengeführte ePA. So pflegen Ärzte bereits ihre eigene Patientenakte und sind nicht immer begeistert von der Vorstellung, diese zu teilen oder eine zweite Patientenakte pflegen zu müssen. Ein weiterer Grund, der immer noch intensiv diskutiert wird, ist die Datenhoheit über die ePA. Denn haben die Versicherten das Recht, z. B. schambehaftete Gesundheitsdaten und Medikamente eigenhändig auszublenden oder erst gar nicht aufzunehmen, fehlen den Behandlern dadurch im Ernstfall wichtige Informationen. Doch diese Diskussion ist mittlerweile zu Gunsten der Datenhoheit der Versicherten entschieden und bedarf daher sicherlich einer größeren Aufklärungsarbeit durch die behandelnden Ärzte, damit die Versicherten ihnen gegenüber vollständige und richtige Angaben zu ihrer Medikamentenhistorie machen.

Wie werden Patientendaten heute gespeichert?

Momentan werden bei einem Arztbesuch alle gesammelten Daten in der Praxis in einer Papierakte abgelegt bzw. auf einem lokalen Computer gespeichert. Patienten selbst erhalten ihre Behandlungsdaten entweder nicht oder nur in Papierform ausgehändigt und können diese zuhause abheften.

Gleichzeitig erheben sehr viele Menschen bereits täglich Gesundheitsdaten in ihrer Freizeit, indem sie ein Fitnessarmband oder eine Smartwatch tragen, die Puls, Bewegung und Ruhedaten messen. Doch diese Daten verschwinden meist direkt nach ihrer Erhebung oder werden nur beim jeweiligen Diensteanbieter gespeichert und können von den Nutzern meist nicht weiterverwendet werden. Medizinisch ausgewertet werden privat erhobene Gesundheitsdaten daher in der Regel nicht.

Wie nutze ich meine ePA?

Die elektronische Patientenakte wird als App auf dem Smartphone oder Tablet genutzt werden. Wer kein Smartphone besitzt, kann aber trotzdem eine ePA nutzen. Diese wird dann von der Krankenkasse verwaltet und gepflegt und der Zugriff erfolgt nur beim Besuch von Praxis, Apotheke oder Krankenhaus durch die jeweiligen Heilberufsangehörigen. Die Versicherten müssen ihre ePA mithilfe der elektronischen Gesundheitskarte über eine sechsstellige PIN ihrer Krankenkasse freischalten. Durch diese Hürde werden vermutlich nicht direkt alle der mehr als 73 Millionen gesetzlich Versicherten die ePA nutzen.

Was ist eigentlich der Nutzen einer ePA?

Mit einer elektronischen Patientenakte lassen sich doppelte für den Körper belastende Untersuchungen wie Röntgen, CT und MRT vermeiden, wenn bei einem neuen Arzt- oder Zahnarztbesuch elektronisch die aktuellen Bilder vorgezeigt werden. Ein weiterer Aspekt ist der schnelle und einfacher Abgleich historischer Gesundheitsdaten (z.B. Arzneimittelhistorie) mit neuen Gesundheitsdaten (z.B. elektronischen Rezept). So lassen sich Wechselwirkungen zwischen Medikamenten vermeiden und bieten dadurch Patienten, Ärzten und Apothekern mehr Sicherheit.

Da die ePA in Stufen eingeführt wird, zeigt sich ihr voller Nutzen erst im Laufe der Zeit. Ein deutlicher Vorteil, den viele Menschen in ihrem täglichen Leben direkt mitbekommen würden, wäre z. B., wenn auch privat erhobene E-Health Daten wie von einer Smartwatch in der ePA abgelegt und ausgewertet werden könnten.

Wann kommt die ePA?

Die ePA wird nicht direkt alle Funktionen beinhalten. Zum 1. Januar 2021 wird die ePA zunächst in ausgewiesenen Testregionen eingeführt. Der eigentliche Start ist der 1. Juli 2021 und ab dann müssen alle Ärzte in der Lage sein, für ihre Patienten eine ePA zu befüllen. Falls nicht, drohen ihnen Sanktionen. Damit Praxen und Apotheken auf die ePA zugreifen können, müssen sie an die TI angeschlossen sein. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Unbefugten Zugriff auf die Daten erhalten.

Die Nutzung der ePA ist für die Versicherten freiwillig. Im ersten Schritt können zum Beispiel Notfalldaten, Arztbriefe und der Medikationsplan darin gespeichert werden. Ab dem 1. Januar 2022 sollen darüber hinaus auch der Impfausweis, der Mutterpass, das Untersuchungsheft für Kinder sowie das Zahnbonusheft digital abrufbar sein. Außerdem erhalten dann weitere Gruppen wie Pflegeberufe Zugriff und es wird ein genaueres Berechtigungskonzept eingeführt. Mit letzterem können die Versicherten ihre ePA-Daten für verschiedene Zugriffsberechtigte unterschiedlich freigeben.

Quellen

[1] Clifford Chance. Die elektronische Patientenakte und das elektronische Rezept – gelingt so der notwendige Fortschritt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens? https://www.cliffordchance.com/content/dam/cliffordchance/briefings/2020/02/Die-elektronische-Patientenakte-und-das-elektronische-Rezept%E2%80%93gelingt-so-der-notwendige-Fortschritt-bei-der-Digitalisierung-des-Gesundheitswesens.pdf (abgerufen am 05.02.2021)

[2] Deutsche Krankenhaus Gesellschaft. Umsetzungshinweise der DKG für die elektronische Patientenakte nach § 341 SGB V. https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/2_Themen/2.1_Digitalisierung_Daten/2.1.5._Telematik-Infrastruktur/Umsetzungshinweise_zur_elektronischen_Patientenakte__ePA__im_Krankenhaus….pdf (abgerufen am  05.02.2021)

[3] Techniker Krankenkasse. Was kann ich in meiner elektronischen Patientenakte speichern? (4/8). https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/online-services-versicherte/elektronische-patientenakte-tk-safe/pflichtinformationen-zur-epa/daten-in-der-elektronischen-patientenakte-speichern-2097714 (abgerufen am  05.02.2021)

[4] Bundesministerium für Gesundheit. Die elektronische Patientenakte (ePA). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/elektronische-patientenakte.html (abgerufen am 05.02.2021)

[5] Techniker Krankenkasse. Was wird mit meiner elektronischen Patientenakte in Zukunft außerdem möglich sein? (7/8). https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/online-services-versicherte/elektronische-patientenakte-tk-safe/pflichtinformationen-zur-epa/moeglichkeiten-der-elektronischen-patientenakte-in-zukunft-2097720 (abgerufen am 05.02.2021)

[6] gematik. Die elektronische Patientenakte (ePA). https://www.gematik.de/anwendungen/e-patientenakte/ (abgerufen am 05.02.2021)

[7] Deutsche Apotheker Zeitung DAZ.online. „Weder Digitalisierung an sich noch die Modernisierung der Telematikinfrastruktur lassen sich staatlich orchestrieren“. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/01/04/weder-digitalisierung-an-sich-noch-die-modernisierung-der-telematikinfrastruktur-lassen-sich-staatlich-orchestrieren (abgerufen am 05.02.2021)

Autor

Martin Bumm

E-Health Lead