Es gibt bisher keinen Impfstoff, um eine HIV-Infektion zu verhindern, und auch keine endgültige Heilung für AIDS. Sie können sich jedoch selbst vor einer Ansteckung mit HI-Viren schützen bzw. andere Menschen, wenn Sie selbst infiziert sind. Dazu müssen Sie sich über die Ansteckungswege informieren und solche Verhaltensweisen vermeiden, durch die das Virus in den Körper gelangen kann. Wenn Sie die geeigneten Methoden sicher anwenden, können Sie eine Ansteckung mit HIV mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern.
Die Ansteckung mit HIV erfolgt im Wesentlichen durch folgende Körperflüssigkeiten:
Blut
Samenflüssigkeit
Vaginal- und Analsekret
Muttermilch
Um eine Infektion mit HIV zu verhindern, sollten Sie Folgendes beachten:
Kondome sind ein sehr effektiver (wenn auch nicht 100-prozentiger) Schutz gegen HIV-Infektionen, vorausgesetzt Sie benutzen sie immer und Sie benutzen sie richtig! Sollten Sie entweder selbst HIV-positiv sein oder den HIV-Status Ihres Sexualpartners nicht kennen, benutzen Sie ein Kondom bei jedem Geschlechtsverkehr, unabhängig davon, ob es sich um analen oder vaginalen Sex handelt. Die Ansteckungsgefahr bei oralem Geschlechtsverkehr ist zwar gering, kann aber durch das Verwenden eines Kondoms noch weiter reduziert werden. Gleichzeitig verringern Sie durch die Benutzung eines Kondoms das Risiko selbst an einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) zu erkranken.
Kondome gibt es übrigens nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen. Das Frauenkondom, oder Femidom, ist ein Plastikschlauch mit zwei Ringen (ähnlich einem Säckchen), der vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt wird. (Femidome können im Unterschied zu anderen Kondomen schon einige Stunden vor dem Sex eingeführt werden.) Damit bieten Femidome auch für Frauen eine Möglichkeit, sich selbstbestimmt vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten zu schützen. Femidome sind genauso sicher wie normale Kondome, natürlich nur dann, wenn sie richtig benutzt werden.
Verwenden Sie ein Femidom nicht gleichzeitig mit einem Kondom! Dadurch erhöht sich nämlich das Risiko, dass sie kaputtgehen. Und natürlich darf auch ein Femidom nur einmal benutzt werden!
Bestehen Kondom oder Femidom aus Latex (steht auf der Packung), verwenden Sie immer nur Gleitmittel auf Wasser-oder Silikonbasis, denn öl- und fetthaltige Gele können Latex angreifen und zum Reißen des Kondoms führen – das gilt auch für Babyöl, Handcremes, Körperlotion, Vaseline und alle Lebensmittelöle.
Beachten Sie, dass andere infektiöse Geschlechtskrankheiten, wie Genitalherpes oder Syphilis, das Risiko für eine HIV-Infektion erhöhen. Sind Sie sexuell aktiv, lassen Sie sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen. Bei positivem Befund, lassen Sie diese Erkrankungen behandeln und beachten Sie besondere Vorsichtsmaßnahmen, wie den Verzicht auf Geschlechtsverkehr bei aktiver Virenfreisetzung.
Wenn Sie Drogen oder Medikamente injizieren, benutzen Sie jedes Mal eine neue, sterile Nadel und anderes Besteck und geben Sie sie nicht weiter. Das gilt natürlich für alle Geräte, die mit Blut in Berührung kommen.
Wenn Sie HIV-positiv und schwanger sind, konsultieren Sie Ihren Arzt. Schwangere können das HI-Virus vor und während der Geburt oder durch Stillen auf ihr Baby übertragen. Durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen lässt sich dieses Risiko aber deutlich reduzieren. Siehe auch Frauen und HIV.
Bei der Vorbeugung gegen eine HIV-Infektion fallen immer wieder zwei Begriffe:
Post-Expositions-Prophylaxe (PEP), also die Vorbeugung nach einer möglichen Infektion
Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), das ist die Vorbeugung vor einer möglichen Infektion
Es kann vorkommen, dass auch beim Safer Sex etwas schief geht: Kondome können reißen oder abrutschen oder sie werden im Überschwang der Gefühle einfach vergessen. Wenn ein Partner HIV-positiv ist, könnte dann HIV übertragen werden. Aber keine Panik: Eine HIV-Infektion lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verhindern. Und zwar mit einer medikamentösen Behandlung, die sich Post-Expositions-Prophylaxe, kurz: PEP, nennt, was in etwa „Nach-Risiko-Vorsorge“ bedeutet. Dazu nimmt der Betroffene (also der HIV-negative Partner) vier Wochen lang Medikamente gegen das HI-Virus. Diese verhindern, dass sich das Virus im Körper festsetzen kann.
Wichtig: Sie müssen mit einer PEP so schnell wie möglich nach dem HIV-Risiko beginnen, möglichst innerhalb von 24 Stunden, spätestens nach 48 Stunden. Ob eine PEP bis zu 72 Stunden (drei Tage) nach dem Risiko noch sinnvoll sein kann, ist umstritten. Frühzeitig genug begonnen, gelingt es in den meisten Fällen, eine HIV-Infektion zu verhindern – hundertprozentige Sicherheit gibt die PEP allerdings nicht.
Aber: Die PEP ist eine aufwändige medizinische Behandlung, die nur für Ausnahmesituationen gedacht ist. Sie ist keine Routinemaßnahme und schon gar kein Ersatz für Kondome! Nur wenn ein reales Risiko besteht, dass man sich mit HIV infiziert haben könnte, werden die Kosten dafür von den Krankenversicherungen übernommen.
Adressen von Kliniken, die eine PEP durchführen, finden Sie bei der Deutschen AIDS-Hilfe auf www.aidshilfe.de.
PrEP ist die Abkürzung für „Prä-Expositions-Prophylaxe“, also der Vorsorge vor einem Risiko-Kontakt. Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen mit einem besonders hohen Ansteckungsrisiko antiretrovirale Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Bei korrekter Einnahme schützt die PrEP in hohem Maße – jedoch nicht zu 100 Prozent – vor einer HIV-Infektion. Diese Methode kann in ganz bestimmten Situationen geeignet sein, um einer Ansteckung mit HIV vorzubeugen – aber auch sie ist kein Ersatz für Safer Sex! Außerdem können die Medikamente auch schwere Nebenwirkungen auslösen, weswegen die PrEP nur unter ärztlicher Betreuung erfolgen soll. In Deutschland ist die PrEP seit Oktober 2016 verschreibungsfähig, derzeit wird sie aber nicht von den Krankenkassen finanziert.
Wichtig ist, vor der PrEP und danach alle drei Monate einen HIV-Test zu machen und regelmäßig seine Nierenwerte kontrollieren zu lassen.
An anderer Stelle besprechen wir, welche Medikamente zur HIV Prophylaxe eingesetzt werden.
Es gibt viele Wege, mit denen Sie das Risiko senken können, andere mit HIV anzustecken. Je mehr Wege Sie beschreiten, desto sicherer ist es.
Am wichtigsten ist es, Anti-HIV-Medikamente (ART) sofort nach der Diagnose und dann regelmäßig einzunehmen. Diese Medikamente verringern die Virenkonzentration in Ihrem Körper und in Ihren Körperflüssigkeiten. Sie können Sie über Jahre gesund erhalten und die Ansteckungsgefahr für Ihren Sexualpartner deutlich verringern.
Sprechen Sie mit Ihrem Partner über die Infektion und bestärken Sie ihn, einen HIV-Test durchführen zu lassen.
Benutzen Sie bei jedem Geschlechtsverkehr Kondome.
Beschränken Sie sich auf weniger riskante Sexualpraktiken: Oraler Sex ist weniger riskant als analer oder vaginaler. Bei Analsex ist es sicherer, wenn der HIV-negative Partner die aktive Rolle übernimmt. Bei sexuellen Aktivitäten, bei denen kein Kontakt mit Körperflüssigkeiten (Blut, Ejakulat, Vaginalflüssigkeit) vorkommt, kann kein HIV übertragen werden.
Geben Sie nie Ihre benutzten Nadeln weiter, wenn Sie Drogen injizieren.
Sprechen Sie mit Ihrem Partner über Medikamente zur HIV Prophylaxe.
Lassen Sie sich und ihren Partner regelmäßig auf HIV und andere sexuell übertragbare Erkrankungen untersuchen und behandeln Sie diese rechtzeitig.
Wenn Sie schwanger sind, sprechen Sie möglichst frühzeitig mit Ihrem Arzt über die Infektion. Die Viren können in der Vaginalflüssigkeit und in der Muttermilch vorhanden sein. Als HIV-positive Mutter können Sie das Virus kurz vor, vor allem aber während der Geburt auf ihr Kind übertragen. Nach der Geburt ist die Infektion durch Stillen möglich. Die Behandlung der Mutter mit antiviralen Medikamenten reduziert dieses Infektionsrisiko deutlich, Ziel ist es mit der Viruslast unterhalb der Nachweißgrenze zu liegen Bei HIV-positiven Schwangeren sollte die Konzentration an HIV-Viren also regelmäßig getestet werden. Nämlich während des zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft, vor der Geburt und während des Stillens. Ist die Konzentration zu hoch, kann notfalls ein Kaiserschnitt und die antivirale Behandlung des Babys während der ersten Wochen nach der Geburt eine HIV-Infektion verhindern. Außerdem sollten HIV-positive Mütter besser aufs Stillen verzichten. Lesen Sie mehr zum Thema Frauen und HIV.
Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von unserem Team aus Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Bildhinweise
Titelbild: AdobeStock