Therapie bei Asthma mit Antikörpern: Was bedeutet das?

Therapie bei Asthma mit Antikörpern: Was bedeutet das?

Wenn Asthma selbst nach höchster Dosierung mit einer inhalativen Kombinationstherapie nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, kann eine Behandlung mit monoklonalen Antikörpern der nächste Schritt sein.1 Monoklonale Antikörper, häufig auch als Biologika bezeichnet, heften sich an ein bestimmtes Gegenstück, das sogenannte Antigen, und markieren dieses entweder für die Immunabwehr oder stören seine Funktion. Zellen, die einen ganz bestimmten Antikörper produzieren, können identisch kopiert, also geklont werden, um den gewünschten Antikörper in einer beliebig großen Zahl herzustellen. Die so produzierten Antikörper stammen somit aus einem Klon, sie sind „monoklonal“. Da die monoklonalen Antikörper biologisch, in lebenden Zellen hergestellt werden, nennt man sie auch Biologika.

Zur Behandlung schweren Asthmas stehen verschiedene solcher Antikörper zur Verfügung, die je nach Art der Asthma-Erkrankung zum Einsatz kommen. Allergisches Asthma steht in Zusammenhang mit dem Immunglobulin E, kurz IgE, das die Freisetzung allergiefördernder Substanzen bewirkt. Ein Antikörper gegen IgE, also ein Anti-IgE-Antikörper, bindet und inaktiviert IgE und reduziert somit die allergische Reaktion. Es gibt auch das eosinophile Asthma, das nicht durch Allergene ausgelöst wird, sondern bei dem bestimmte Zellen im Blut, die eosinophilen Granulozyten, im Übermaß vorliegen und zu einer Entzündung der Atemwege führen. Bei schwerem eosinophilen Asthma können daher Antikörper genutzt werden, die gegen die speziellen Zellen selbst oder aber gegen Botenstoffe gerichtet sind, die die eosinophilen Granulozyten aktivieren. Aktuell sind verschiedene Biologika für die Behandlung von eosinophilem Asthma zugelassen.

Anti-IgE-Antikörper reduzieren die allergische Reaktion bei allergischem Asthma

Wie wirksam ein Anti-IgE-Antikörper allergisches Asthma lindern kann, wurde in einer Analyse über 86 Studien untersucht. Demnach erreichte das Mittel bei 77 % der Patienten eine gute oder exzellente Wirksamkeit nach 16-wöchiger Therapie. Nach 12 Monaten berichteten 82 % der Patienten von guter oder exzellenter Wirkung des monoklonalen Anti-IgE-Antikörpers. Die Lungenfunktion besserte sich messbar mit der Therapiedauer. Im Mittel steigerte sich das ausgeatmete Volumen in einer Sekunde nach 16 Wochen um 160 ml, nach 5 Monaten um 220 ml und nach 12 Monaten um 250 ml. Die Verbesserungen spiegelten sich auch in Befragungen zur Asthmakontrolle wider. Die Studien, betonten die Autoren, waren sämtlich keine klinischen Studien, sondern zeigten Behandlungsergebnisse im normalen Alltag auf.2

Wirksame Besserung von schwerem Asthma

Für Betroffene ist allerdings häufig das Asthma nicht die einzige Erkrankung. Forscher untersuchten daher, wie gut die Behandlung anschlug, wenn mehrere Begleiterkrankungen vorlagen. Dazu betrachteten sie die Daten mehrerer klinischer Studien zu einem Wirkstoff gegen allergisches Asthma und berechneten für Patienten ab 12 Jahren die Wirksamkeit abhängig von der Zahl der Begleiterkrankungen. Von den Patienten selbst berichtete Begleiterkrankungen umfassten unter anderem verschiedene Allergien wie Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien, Neurodermitis, gastroösophageale Refluxkrankheit (hier fließen Magensäure und auch Enzyme aus dem Magen zurück in die Speiseröhre) oder wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündung. Insgesamt konnten etwa 3.000 Patienten betrachtet werden. In diesen Analysen besserten sich Lungenfunktion und Exazerbationsrate mit der Therapie unabhängig von begleitenden Erkrankungen.3

Voraussetzungen für eine Antikörper-Therapie bei schwerem allergischem Asthma sind:

  • Bestimmte IgE-Konzentrationen im Blut, die eine Therapie aussichtsreich machen
  • Reaktion gegen ein ganzjähriges Allergen in der Luft und reduzierter Allergen-Kontakt
  • Keine Asthmakontrolle trotz 3 Monaten maximaler, inhalativer Kombinationstherapie (höchstdosiertes, inhaliertes Kortikosteroid sowie die Wirkstoffe LABA (lang-wirksame Beta-2-Sympathomimetika) und LAMA (lang-wirksame Muskarin-Antagonisten))1

Bei schwerem eosinophilem Asthma ist stattdessen eine wiederholt hohe Zahl der eosinophilen Granulozyten im Blut wesentliches Kriterium.

Ist das Asthma also schwer ausgeprägt und lässt sich nicht mit sonstigen, kombinierten Mitteln kontrollieren, kann der pneumologische Facharzt in der letzten Therapiestufe eine Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper vorschlagen. Den bisherigen Studiendaten zufolge können Betroffene damit auf eine spürbare Verbesserung ihrer Erkrankung hoffen.

Referenzen

1. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung, 4. Auflage. Version 1. 2020 [cited: YYYY-MM-DD]. DOI: 10.6101/AZQ/000469. www.asthma.versorgungsleitlinien.de

2. Bousquet J, Humbert M, Gibson PG, Kostikas K, Jaumont X, Pfister P, Nissen F. Real-World Effectiveness of Omalizumab in Severe Allergic Asthma: A Meta-Analysis of Observational Studies. J Allergy Clin Immunol Pract. 2021 Jul;9(7):2702-2714. doi: 10.1016/j.jaip.2021.01.011. Epub 2021 Jan 21. PMID: 33486142. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33486142/

3. Chen M, Choo E, Yoo B, Raut P, Haselkorn T, Pazwash H, Holweg CTJ, Hudes G. No difference in omalizumab efficacy in patients with asthma by number of asthma-related and allergic comorbidities. Ann Allergy Asthma Immunol. 2021 Jun;126(6):666-673. doi: 10.1016/j.anai.2021.01.015. Epub 2021 Jan 17. PMID: 33465457. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33465457/

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