Wie kann Fatigue bei CED gelindert werden?

Wie kann Fatigue bei CED gelindert werden?

Wenn bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Symptome wie anhaltende Müdigkeit und starke Erschöpfung auftreten, wird dies als Fatigue bezeichnet. Wir erklären, welche Faktoren das Auftreten von Fatigue begünstigen und was man tun kann, um die bleierne Müdigkeit zu behandeln.

Charakteristisch für die häufigsten Arten chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED), Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, ist ein schubweiser Verlauf, mit überwiegend beschwerdefreien Phasen (Remission) und Phasen aktiver Krankheit. Die Lebensqualität von CED-Patienten wird aber nicht nur durch Symptome des Verdauungssystems (gastrointestinale Symptome) bestimmt. Viele Patienten geben eine starke Müdigkeit als eines der belastendsten Symptome an – insbesondere in Remission, wenn gastrointestinale Symptome weniger ausgeprägt sind. Forscher ermittelten bei 157 CED-Patienten in Belgien, dass während einer aktiven Darmentzündung drei von vier Patienten (72 %) an Fatigue litten und selbst in der Remission noch jeder zweite Patient (47 %) betroffen war.1

Fatigue belastet CED-Patienten häufig auch in der Remission

Die Entstehung der Fatigue ist nur unvollständig verstanden. Es wird angenommen, dass eine Vielzahl von Faktoren, die sich teils auch gegenseitig beeinflussen oder bedingen können, eine Rolle spielen:

  • Entzündungen
  • Mangelernährung
  • Blutarmut
  • Stoffwechselveränderungen
  • Psychische Erkrankungen (Ängste & Depressionen)
  • Lebensstil
  • Zusammensetzung der Darmflora
  • Gendefekte

Viele Faktoren können Fatigue bei CED-Patienten beeinflussen

Auch wenn die Krankheitsentstehung der Fatigue noch nicht ausreichend verstanden ist, kann eine Behandlung der zugrundeliegenden Faktoren die Fatigue-Symptome abmildern. Dies scheint insbesondere bei depressiven Symptomen der Fall zu sein. Solche Symptome stellen ein häufig vernachlässigtes Gesundheitsproblem bei CED dar. Unbehandelt sind psychische Störungen bei CED-Patienten mit schwereren Symptomen, mehr Schüben, höheren Krankenhauseinweisungsraten und einer geringeren Therapietreue verbunden. Das Vorkommen von Depressionen ist bei Patienten mit CED fast doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung. Die überwiegende Mehrheit der Patienten mit depressiven Symptomen, zeigte sich bei den belgischen Patienten, leidet auch unter starker Erschöpfung. Für diese Betroffenen könnte es sich lohnen, die Depression ärztlich abzuklären und zu behandeln, da so auch Fatigue-Symptome gelindert werden könnten, die durch die Depression verursacht sind.1

Fatigue kann auch Symptom einer Depression sein 

Da dem Phänomen Fatigue bei CED lange Zeit nicht ausreichend Beachtung geschenkt wurde, gibt es bisher wenige Studien zu den Therapiemöglichkeiten. Im Folgenden möchten wir jedoch einige Behandlungsmöglichkeiten vorstellen, die einen positiven Einfluss auf die Symptome haben können.

Einen besonders lösungsorientierten Ansatz stellt eine spezielle Art der Gesprächstherapie dar, die in den 1980er Jahren von den Psychotherapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg entwickelt wurde und zur Behandlung der Fatigue eingesetzt werden kann. Diese Methode der Psychotherapie konzentriert sich mehr auf Wünsche, Ziele und Ressourcen der Patienten, anstatt sich um Probleme und deren Entstehung zu kümmern. Bei dieser Form der Psychotherapie sind meist nur wenige Sitzungen nötig. Sollten die Wege zu einem Therapeuten zu weit sein, kann diese Behandlungsform auch online durchgeführt werden. Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie hatte in einer Studie an Patienten mit ruhender CED einen signifikant positiven Effekt auf den Schweregrad der Fatigue und verbesserte messbar die Lebensqualität.2

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Gesprächstherapie, Sport und Bewegung 

Der Fokus auf die eigenen Ressourcen und wesentlichen Ziele kann demnach gegen die Fatigue helfen. Ein weiterer Aspekt, der therapeutisch genutzt werden kann, ist die körperliche Fitness. Die starke Müdigkeit und Erschöpfung von CED-Patienten, die unter Fatigue leiden, führt dazu, dass diese im Vergleich zur Normalbevölkerung eine geringere körperliche Aktivität und eine reduzierte Fitness des Herz-Kreislaufsystems aufweisen. Die beeinträchtigte körperliche Fitness kann Müdigkeitssymptome weiter verschlimmern. Aktuelle Studien konnten bei Erwachsenen mit CED eine signifikante Verbesserung der Fatigue bei regelmäßiger Bewegung zeigen.3 In den meisten Studien wurden Trainingsprogramme mit niedriger bis mäßiger Intensität untersucht, da angenommen wurde, dass hochintensives Training Entzündungen und CED-Symptome akut verschlimmern könnte. Eine aktuelle Studie konnte auch die Durchführbarkeit und Akzeptanz von hochintensivem Intervalltraining (HIIT) bei Erwachsenen mit Morbus Crohn (MC) aufzeigen. Sowohl Trainingsprogramme mit niedriger als auch mit hoher Intensität waren für MC-Patienten gut durchführbar. Kein Teilnehmer berichtete demnach von einer Verschlechterung der Symptome im Zusammenhang mit den Übungen – die Mehrheit der Teilnehmer präferierte sogar HIIT. 4 Welche Belastungsintensität individuell geeignet ist, sollte jedoch mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Fatigue ist demnach ein häufiges, auch in Remission belastendes Symptom chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Helfen können die Behandlung eventueller depressiver Symptome, lösungsorientierte Gesprächstherapie und Bewegung. Darüber hinaus ist jedoch die Suche nach Ursachen und Möglichkeiten der Linderung individuell und weiterhin Gegenstand der Forschung.

 

Referenzen

  1. Truyens M, De Ruyck E, Gonzales GB, Bos S, Laukens D, De Vos M. Prevalence of Fatigue and Unrecognized Depression in Patients with Inflammatory Bowel Disease in Remission under Immunosuppressants and Biologicals. J Clin Med. 2021 Sep 11;10(18):4107. doi: 10.3390/jcm10184107. PMID: 34575218; PMCID: PMC8471955. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34575218/
  2. Vogelaar L, van’t Spijker A, Timman R, van Tilburg AJ, Bac D, Vogelaar T, Kuipers EJ, van Busschbach JJ, van der Woude CJ. Fatigue management in patients with IBD: a randomised controlled trial. Gut. 2014 Jun;63(6):911-8. doi: 10.1136/gutjnl-2013-305191. Epub 2013 Jul 24. PMID: 23884638. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23884638/
  3. Davis SP, Bolin LP, Crane PB, Wei H, Crandell J. Non-pharmacological interventions to manage fatigue in adults with inflammatory bowel disease: A systematic review and meta-analysis. Complement Ther Clin Pract. 2020 Nov;41:101229. doi: 10.1016/j.ctcp.2020.101229. Epub 2020 Aug 13. PMID: 32836107. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32836107/
  4. Tew GA, Leighton D, Carpenter R, Anderson S, Langmead L, Ramage J, Faulkner J, Coleman E, Fairhurst C, Seed M, Bottoms L. High-intensity interval training and moderate-intensity continuous training in adults with Crohn’s disease: a pilot randomised controlled trial. BMC Gastroenterol. 2019 Jan 29;19(1):19. doi: 10.1186/s12876-019-0936-x. PMID: 30696423; PMCID: PMC6352351. https://bmcgastroenterol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12876-019-0936-x

 

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