Was bringt die HIV-Depotspritze?

Was bringt die HIV-Depotspritze?

Für Menschen mit HIV bietet die konsequente antiretrovirale Therapie Schutz vor AIDS und dem Risiko, die Infektion an andere Menschen zu übertragen. Selbst bei hoher Wirksamkeit der verordneten Therapie kann es dennoch sein, dass sich Menschen einen Therapiewechsel wünschen, ob aufgrund von Nebenwirkungen oder weil sie nicht so häufig Tabletten einnehmen möchten. Eine Depotspritze zur antiretroviralen Therapie bei HIV-1, mit Injektionen jeden oder jeden zweiten Monat, ist nun in der EU zugelassen worden.

Auch wenn es „Depotspritze“ heißt, besteht die Behandlung in der Tat aus zwei Spritzen. Eine enthält den Wirkstoff Cabotegravir, die andere den Wirkstoff Rilpivirin. Beide Spitzen werden nur zusammen verabreicht.1,4

Wer kann die HIV-Depotspritze erhalten?

Die neue Injektionstherapie ist nur für Menschen ab 18 Jahren zugelassen, die bereits in Erhaltungstherapie behandelt werden. Dies bedeutet, dass durch eine vorherige Behandlung die Zahl der Viruskopien im Blut stark gesenkt wurde, und innerhalb fester Grenzwerte liegt.1,4

Wichtig: Die beiden verwendeten Wirkstoffe gehören zu den Wirkstoffklassen NNRTI (Nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren: Rilpivirin) und INI (Integrasehemmer: Cabotegravir). Die HIV-Depotspritze kann nur eingesetzt werden, wenn keine Resistenzen gegen diese Wirkstoffklassen vorliegen. Ob eine solche Resistenz vorliegt, prüft Ihre HIV-Praxis.2

Auch bei einer Infektion mit Hepatitis B wird die Anwendung der Depotspritze nicht empfohlen.6

Wie wirksam ist die HIV-Depotspritze?

Die langanhaltende Wirksamkeit der Depotspritze wurde in einer klinischen Studie gezeigt. Die beiden Wirkstoffe Cabotegravir und Rilpivirin können durch ihre langwirksame Form das Virus HIV-1 genauso gut wie sonst übliche antiretrovirale Therapien unterdrücken.2

Eine weitere Studie zeigt, dass die Depotspritze das HI-1-Virus, auch bei einer Behandlung im 2 Monatstakt, wirksam in Schach hält.3

Langsamer Einstieg in die Therapie

Zu Beginn der langwirksamen Therapie wird zuerst die Verträglichkeit geprüft. Um bei Nebenwirkungen die Behandlung rasch anpassen zu können, erhalten Sie daher die neue Therapie zuerst in Form täglicher Tabletten. Dies soll mindestens 28 Tage erfolgen. Im Anschluss erhalten Sie in Ihrer HIV-Praxis die ersten Injektionen in den Gesäßmuskel.

Wird die langwirksame Behandlung unterbrochen oder beendet, kann eine anschließende antiretrovirale Therapie meist 1 Monat nach der letzten Injektion begonnen werden.4

Risiken der langwirksamen Therapie

Zu den häufigsten möglichen Nebenwirkungen der HIV-Depotspritzen mit Cabotegravir und Rilpivirin zählen Reaktionen an der Injektionsstelle. Dies berichteten 88% der behandelten Menschen in einer Untersuchung. Dabei konnten solche Reaktionen im Schnitt 3 Tage andauern. Allerdings trat diese Nebenwirkung nach mehrmaliger Anwendung seltener auf.2

Wenn es zu einer Resistenzbildung des Virus bei Behandlung mit der Depotspritze kommt, hat dies Folgen für die weitere HIV-Therapie: Es kann dabei zu einer **gleichzeitigen Resistenz gegen beide Wirkstoffklassen** kommen. Daher ist es wichtig, die Therapie konsequent durchzuführen und die Termine zur Injektion in der Arztpraxis stets einzuhalten.4

Vorteile für Menschen mit HIV

Mittlerweile ist die Tablettentherapie bei HIV meist gut verträglich und gehört zum Alltag. Die Injektion gilt daher nicht als medizinisch notwendig. Die Behandlung mit monatlichen oder 2-monatlichen Injektionen hat somit nur für manche Menschen mit HIV klare Vorteile. Besonders können jene davon profitieren, die Tabletten vermeiden wollen. Auch für alle, die viel unterwegs sind, kann es praktischer sein, nicht täglich an die Behandlung denken zu müssen. Allerdings muss der regelmäßige Termin in Ihrer HIV-Praxis zur Injektion und Kontrolle wahrgenommen werden, um Resistenzbildungen zu verhindern.5

Tipp: Mit der MyTherapy App können Sie auch monatliche oder 2-monatliche Terminerinnerungen einstellen. Einfach unter „Therapie“ das passende Medikament einscannen oder manuell eingeben und eine Erinnerung setzen.

Wichtig:
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Referenzen:

1. Deutsche AIDSHilfe. Meldungen: Erste komplette HIV-Therapie https://www.aidshilfe.de/meldung/vocabria-zugelassen#:~:text=Die%20Europ%C3%A4ische%20Kommission%20hat%20das,zwei%20Monate%20ins%20Ges%C3%A4%C3%9F%20verabreicht Veröffentlicht 21.12.2020. Abgerufen am 25.05.2022

2. Orkin C, Oka S, Philibert P, et al. Long-acting cabotegravir plus rilpivirine for treatment in adults with HIV-1 infection: 96-week results of the randomised, open-label, phase 3 FLAIR study. Lancet HIV. 2021. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33794181/

3. Chounta V, Snedecor SJ, Wu S, Van de Velde N. Indirect comparison of 48-week efficacy and safety of long-acting cabotegravir and rilpivirine maintenance every 8 weeks with daily oral standard of care antiretroviral therapy in participants with virologically suppressed HIV-1-infection. BMC Infect Dis. 2022. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35508986/

4. HIV & more. Medikamente: Vocabria. https://www.hivandmore.de/medikamente/vocabria.shtml

5. Magazin HIV. HIV-Therapie mit Cabotegravir. https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/cabotegravir-depotspritzen/ Veröffentlicht 03.05.2021. Abgerufen am 25.05.2022

6. https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/vocabria-epar-product-information_en.pdf Abgerufen am 25.05.2022

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