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Viren & Virusinfektionen - Informationen rund um das Thema Viren

Ratgeber zu Viren & Virusinfektionen

Zusammenfassung

Viren sind kleinste infektiöse Partikel. Anders als Bakterien, handelt es sich bei Viren nicht um Lebewesen im engeren Sinne. Da sie weder einen eigenen Stoffwechsel betreiben noch sich fortpflanzen können, leben sie auf Kosten anderer Organismen. Viren befallen bestimmte Wirtszellen, die nach einer Infektion oft zugrunde gehen. Zu den wichtigsten Virusinfektionen zählen neuerdings Covid-19, aber auch die Grippe, Erkältungen sowie AIDS und Lippenherpes. Nicht alle Virusinfektionen sind mit Medikamenten behandelbar, daher ist es wichtig, sich vor einer Virusinfektion zu schützen.

Was sind Viren und wo kommen sie vor?

Grafik - Viren unter Teleskop

Viren sind mit einer Größe von 20 bis 300 Nanometern sehr klein. Anders als Bakterien, zählen Viren nicht zu den Lebewesen, da sie keine Zellorganellen und somit keinen eigenen Stoffwechsel besitzen. Organellen sind in ihrer Funktion vergleichbar mit den menschlichen Organen. Um sich dennoch fortpflanzen und verbreiten zu können, sind Viren auf andere Zellen, sogenannte Wirtszellen, angewiesen.

In der Regel befällt ein bestimmtes Virus nur einen bestimmten Organismus. Das können neben Menschen und Tieren auch Pflanzen und Bakterien sein. Viren werden entsprechend ihrer bevorzugten Wirte bezeichnet:

  • Humanviren infizieren Menschen.
  • Animalviren infizieren Tiere (z.B. Schweineviren, Vogelviren).
  • Phytoviren befallen Pflanzen.
  • Phagen oder Bakteriophagen infizieren Bakterien.

Hat sich ein Virus an eine Wirtszelle angedockt, so schleust es sein Erbgut in die Wirtzelle ein. Das Erbgut beinhaltet die Informationen zur Vermehrung. Das Virus programmiert die Zelle um, sodass die Zelle einzelne Virusbestandteile herstellt. Diese lagern sich in der Wirtszelle von selbst zu einem vollständigen Virus zusammen. Je nach Virusart, stirbt die Wirtzelle nach der Vermehrung der Viren und entlässt diese dann in den Wirtskörper, wo die Viren andere Wirtszellen befallen.

Viren sind unterschiedlich aufgebaut. Manche Viren bestehen aus drei Teilen: Erbmaterial, Kapsid und Hülle. Andere Viren bestehen nur aus dem Erbmaterial und dem Kapsid. Das Erbmaterial besteht bei einem Virus aus DNA (Desoxyribonucleinsäure)oder aus RNA (Ribonucleinsäure). So wird entsprechend von DNA- oder RNA-Viren gesprochen. Das ring- oder fadenförmige Erbmaterial liegt geschützt im Kapsid vor. Das Kapsid wiederum besteht aus vielen gleichartigen Untereinheiten, den Kapsomeren. Durch ihre spezielle Anordnung verleihen sie der jeweiligen Virusart die typische Form. So gibt es würfel-, schrauben- und stäbchenförmige Viren und solche, die wie Kaulquappen aussehen.
Das Erbmaterial und das Kapsomer machen viele Virusarten bereits komplett. Bei anderen Viren ist das Kapsid zusätzlich von einer Hülle umgeben.

Außerhalb der Wirtszelle überleben Viren eine gewisse Zeit und sind dabei infektiös, sterben aber nach einer bestimmten Zeit ab.

Machen alle Viren krank?

Frau putzt ihre Nase

Viren sind in der Regel wirtsspezifisch. Das bedeutet, dass nicht alle Viren, die uns im Alltag umgeben, auch für uns gefährlich sind. Aber auch Viren, die für Menschen gefährlich sind, müssen nach einer Infektion nicht unbedingt krankmachen. Häufig werden die Eindringlinge so schnell vom menschlichen Immunsystem erkannt und unschädlich gemacht, dass die Krankheit nicht ausbrechen kann.

In manchen Fällen kommt es dazu, dass Tierviren auf den Menschen überspringen. Erkrankt der Mensch dann, spricht man von einer Zoonose. Beim neuartigen Coronavirus SARS-Cov-2 gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Virus, das zuvor nur tierische Wirtszellen befallen hat, seinen Weg vom Tier auf den Menschen gefunden hat.

Wie werden Viren übertragen?

Die Haupteintrittspforten für Viren in den menschlichen Körper sind die Augenbindehaut, die Mund-, Nasen- und Genitalschleimhaut, der Magen-Darm-Trakt, die Blutbahn, Hautverletzungen und Wunden, sowie die unteren Atemwege. Dorthin und von Mensch zu Mensch gelangen Viren auf unterschiedliche Art.

Grafik - Tröpfcheninfektion

Tröpfcheninfektion: Die Tröpfcheninfektion ist ein sehr häufiger Mensch-zu Mensch-Übertragungsweg für Viren. Grippe- und Erkältungsviren, die im Rachenraum oder Atemtrakt bereits infizierter Menschen leben, gelangen durch Sprechen, Husten und Niesen mit kleinen Speichel-Tröpfchen in die Umgebungsluft. Dort werden die Viren von anderen Menschen in direkter Umgebung eingeatmet oder über die Schleimhäute der oberen Atemwege aufgenommen. Es kommt vor, dass manche Erreger in sehr kleinen Tröpfchen über eine lange Zeit in der Luft schweben und sich über eine große Distanz ausbreiten. Dafür sind zum Beispiel die viralen Erreger der Masern und Windpocken bekannt.

Gegenstände anfassen

Schmierinfektion: Die Schmierinfektion ist ebenfalls ein relevanter Übertragungsweg für Virusinfektionen. Bei dieser Infektionsart gelangen Viren über eine Kette von Berührungen an den neuen Wirt. Von einer Infektion von Mensch zu Mensch spricht man in diesem Fall, wenn ein infizierter Mensch zum Beispiel in die Hand niest und diese dann einem anderen Menschen reicht. Berührt der zweite Mensch dann mit dieser Hand Mund, Nase oder Augen, kann er sich mit diesem Erreger anstecken. Auch durch die Berührung verunreinigter Gegenstände, wie Türklinken, ist eine Virusinfektion möglich. Bei Durchfallerkrankungen spielt dieser Übertragungsweg ebenfalls eine besondere Rolle. Dabei gelangt das jeweilige Virus in kleinsten infektiösen Stuhlresten über eine nicht vollständig gereinigte Hand durch den Mund in den Körper. Dieser Übertragungsweg heißt auch fäkal-oral.

Grafik - Lebensmittel

Lebensmittelinfektion: Hochansteckende Noroviren oder Rotaviren können Lebensmitteln anhaften und schwere Brechdurchfälle verursachen. Zum Beispiel können Rotaviren über eine mangelnde Handhygiene auf Nahrungsmittel gelangen.

Grafik - Verhütungsmittel

Daneben ist es möglich, dass Viren durch den Stich oder Biss von Insekten oder Zecken, durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder durch infiziertes Blut bei einer Bluttransfusion übertragen werden.

Welche Viruserkrankungen gibt es und wie stellt der Arzt sie fest?

Es gibt eine Vielzahl an Viren, die zum Teil schwerwiegende Erkrankungen auslösen. Es gibt jedoch auch Virusinfektionen, die von den betroffenen Menschen unbemerkt verlaufen oder nur als lästig empfunden werden. Am Beispiel der neuartigen Coronavirus-Erkrankung COVID-19, Lippenherpes und AIDS betrachten wir drei typische Virusinfektionen.

COVID-19 hat seit Ende des Jahres 2019 eine Pandemie ausgelöst. Diese Virusinfektion wird vom neuartigen SARS-Cov-2-Virus verursacht. Die Symptome sind meist unspezifisch. Häufig ähneln sie denen einer Grippe-Infektion mit Fieber, Husten, Kurzatmigkeit oder Kopfschmerzen. Bei manchen Menschen ist die Infektion mit COVID-19 jedoch komplett symptomlos verlaufen. Viele Menschen erkranken allerdings so schwer, dass eine intensivmedizinische Behandlung, gegebenenfalls mit künstlicher Beatmung, notwendig ist.

Eine sichere Diagnose der Virusinfektion COVID-19 ist nur mittels einer Laboruntersuchung möglich. Nach einer körperlichen Untersuchung schabt der Arzt mit einem speziellen Wattetupfer im Nasen-Rachenraum der betroffenen Person Schleimhaut ab und lässt sie in einem medizinischen Labor untersuchen. Dabei kommt der sogenannte RT-PCR-Test (Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktions-Test) zum Einsatz. Das genetische Informationsmaterial des Virus wird dabei umgeschrieben und vervielfältigt. Dieser Test benötigt durch die hohe Auslastung der Labore einige Tage.

Lippenherpes (Herpes labialis) wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht und tritt meistens auf, wenn das Immunsystem gerade beansprucht ist. Meist kündigen die juckendenden und schmerzenden Bläschen eine nahende Erkältung an oder treten bei Ekel auf. Die Diagnose ist für den Arzt anhand der typischen verkrusteten Beläge an den Schleimhäuten von Mund und Nase leicht zu stellen.

AIDS, ausgelöst vom Humanen Immundefizienz-Virus, auch HI-Virus genannt, bezeichnet das Endstadium dieser schwerwiegenden Virusinfektion. Diese Erkrankung gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Eine HIV-Infektion macht sich durch die lange Inkubationszeit – dem Zeitraum zwischen Infektion und dem ersten Auftreten von Symptomen – bemerkbar. Kopf- und Halsschmerzen, Fieber und ein Hautausschlag auf dem Körper treten häufig erst nach einigen Wochen auf, bevor eine symptomfreie Zeit folgt. Daher ist für eine sichere Diagnose ein HIV-Test notwendig, um den Erreger nachzuweisen.

Wie behandelt der Arzt eine Virusinfektion?

Grafik - Antivirale Medikamente

Bei einer Virusinfektion helfen keine Antibiotika, da diese nur bakterielle Infektionen bekämpfen. Bei Bakterien greifen Antibiotika in die verschiedenen Zellstoffwechselprozesse ein und können sie so abtöten. Da Viren keine Zellorganellen und damit auch keinen eigenen Stoffwechsel besitzen, bieten sie Antibiotika keine Angriffsfläche.

Die Behandlung vieler Virusinfektionen beruht daher meist nur auf symptomlindernden Maßnahmen. Hautausschläge, Fieber und Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen lassen sich mit verschiedenen Medikamenten behandeln. Doch ist dies nicht immer nötig, wie zum Beispiel bei einer Erkältung. Hier reicht es in der Regel aus, sich zu schonen, ausreichend zu trinken und zu ruhen.
Dies sind auch bereits die ersten Maßnahmen bei einer COVID-19-Erkrankung – neben einer strikten Isolation zu anderen Menschen. Ein Medikament gegen dieses neue Virus gibt es noch nicht.

Bei anderen Virusinfektionen wirken sogenannte antivirale Medikamente, zum Beispiel die Wirkstoffe Aciclovir oder Penciclovir. Sie verhindern, dass die Viren sich weiter vermehren. In Form von Salben, Cremes, Pflastern oder Gelen kommen sie zum Beispiel bei Lippenherpes zum Einsatz. Sie können die Dauer eines akuten Lippenherpes-Ausbruchs um etwa einen Tag verkürzen und teilweise auch verhindern, dass sich Bläschen und Krusten bilden.

Bei einer HIV-Infektion bekommt der betroffene Mensch eine auf ihn abgestimmte HIV-Therapie. Sie zielt in erster Linie darauf ab, Symptome zu lindern, ein stabiles Immunsystem wiederaufzubauen, die Verschlechterung der Krankheit zu verhindern sowie die Ansteckungsgefahr für andere zu verringern. Eine Heilung ist jedoch aktuell nicht möglich.

Was können Sie selbst gegen eine Virusinfektion tun?

Vielen Virusinfektionen können Sie vorbeugen. Bei Virusinfektionen wie COVID-19, kann vor allem Abstandhalten zu den Mitmenschen vor einer Ansteckung schützen. Zusätzlich ist eine regelmäßige und gründliche Handhygiene wichtig, vor allem vor jeder Berührung im Gesicht. Ein Mund-Nasen-Schutz vermindert im öffentlichen Raum, wie in der Straßenbahn oder im Supermarkt, dass das Virus weiterverbreitet wird. Einen vollständigen Schutz vor einer Virusinfektion bietet er allerdings nicht.

Allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Viren

  • Häufiges und gründliches Händewaschen mit Seife
  • Nur Speisen und Getränke zu sich nehmen, die hygienisch einwandfrei zubereitet und behandelt wurden
  • Den Umgang mit infizierten Menschen und Gegenständen meiden
  • Hust- und Niesetikette einhalten: Beim Husten oder Niesen sollten Mund und Nase vollständig mit der Armbeuge abgedeckt werden.
  • Nutzung von Kondomen, um einer sexuell übertragbaren Virusinfektion vorzubeugen
  • Vermeidung von Bissen und Stichen durch Zecken oder Mücken

Impfungen zählen zu den wichtigsten Maßnahmen, um Viruserkrankungen zu verhindern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt Standardimpfungen für alle Menschen (z.B. gegen Masern, Mumps und Röteln), Impfungen für Risikopersonen wie ältere oder immunschwache Menschen (z.B. gegen Grippe), sowie Reiseimpfungen für Reisen in bestimmte Länder.

So desinfizieren Sie Ihre Hände richtig.

Grafik - So desinfizieren Sie Ihre Hände richtig.

Expertenrat: Theresa Holler

Expertenrat

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