Online-Hilfe für die Psyche

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Online-Hilfe für die Psyche.

Psychische Erkrankungen sind auch im hohen Alter ein brisantes Thema. Nicht wenige Senioren haben – ebenso wie jüngere Menschen – psychische Probleme, die sich durch Pandemien wie die Corona-Krise mitunter noch verschlimmern. Die Angst vor einer Infektion und die Isolation hinterlassen Spuren. Negative Gefühle, Depressionen oder Angstzustände treten vermehrt auch bei Senioren auf. Hilfsangebote gibt es reichlich, aber welche sind die richtigen? Sind Online-Hilfen eine Alternative?

Psychische Probleme kann jeder Mensch ungeachtet des Alters bekommen. Mediziner beobachten jedoch, dass Menschen ab einem Alter von 65 Jahren deutlich weniger psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Viele Senioren scheuen sich davor, ihre Probleme anzusprechen oder nehmen sie nicht als schwerwiegend wahr. Dabei kommen Altersdepressionen und Angsterkrankungen sehr häufig vor. Ältere Menschen leiden oft an Einsamkeit, die Depressionen und Ängste hervorrufen kann. Kommen körperliche Erkrankungen hinzu, erhöhen sie meist die psychischen Belastungen.

Auch in hohem Alter lohnt sich eine Psychotherapie

Eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung kann älteren Menschen ebenso helfen wie jungen Erkrankten. Die Aussichten stehen gut. Hilfe können Senioren an unterschiedlichen Stellen erhalten. In erster Linie unterstützen der Hausarzt oder die Hausärztin, einen passenden Therapeuten oder Psychologen zu finden. Aber auch kassenärztliche Vereinigungen und Beratungsstellen wie die der Malteser oder die Seelsorge helfen mit Informationen und bei der Kontaktaufnahme. Grundsätzlich findet vor einer Therapie ein erstes persönliches Gespräch zwischen Therapeutin bzw. Therapeut und der betroffenen Person statt – in der sogenannten ambulanten psychotherapeutischen Sprechstunde. Sie wird meistens in der Praxis durchgeführt.

Psychotherapie im Wohnzimmer

Viele Menschen sind aufgrund von schweren körperlichen Erkrankungen nicht in der Lage, regelmäßig in eine Arztpraxis zu gehen bzw. zu fahren. Insbesondere dann, wenn sie nicht auf die Unterstützung durch Familienangehörige oder Freunde in der Nähe zurückgreifen können. Doch auch in diesen Fällen gibt es Hilfe und Möglichkeiten, die über Telefonate oder Textnachrichten mit dem Arzt bzw. der Ärztin hinausgehen.

Die Videosprechstunde

Viele Therapeuten und Therapeutinnen bieten mittlerweile eine Videosprechstunde an. Sie gehört zu den sogenannten telemedizinischen Leistungen. Ärzte und Ärztinnen können auf diese Weise ein psychotherapeutisches Gespräch mit der betroffenen Person führen, weitere Behandlungsvorhaben besprechen oder Heilungsfortschritte begutachten, ohne dass ein Besuch in der Praxis erfolgt. Es braucht hierfür lediglich einen zertifizierten Videodienstanbieter, den der Arzt oder die Ärztin auswählt. Beide Gesprächspartner benötigen darüber hinaus einen Bildschirm mit Kamera und Mikrofon sowie eine Internetverbindung. Als Endgeräte kommen ein Computer oder ein Smartphone in Frage. Die betroffene Person bekommt vom Arzt bzw. der Ärztin entweder persönlich beim Besuch in der Praxis oder per E-Mail einen Zugangscode, über den sie sich zum vereinbarten Termin beim Videoanbieter einwählen.

Online-Kurse

Es gibt noch eine Vielzahl anderer Online-Angebote für Senioren, die ärztlich empfohlen werden. Sie bieten bei verschiedenen psychischen Erkrankungen Hilfestellungen und sind therapiebegleitend angedacht. Sie sind als Online-Psychotherapie, Selbstmanagement-Programme, E-Mental-Health-Programme oder auch Cybertherapie benannt. Wichtig ist, dass der ausgewählte Kurs oder das Programm den Bedürfnissen des Patienten gerecht werden. Daher sollte die Entscheidung für eines der Angebote stets mit einem Therapeuten abgestimmt sein.

Selfapy ist beispielsweise ein Online-Programm, das von Psychologen entwickelt wurde und Soforthilfe bei unterschiedlichen psychischen Belastungen anbietet. Menschen mit Essstörungen, Ängsten und Panikzuständen, Depressionen, Problemen bedingt durch Stress oder auch mit chronischen (Rücken-)Schmerzen finden hier zusätzliche Unterstützung. Die Kurse lassen sich ärztlich auf Rezept verschreiben und sind somit kostenfrei für die PatientInnen.

Psychotherapie mit Hilfe einer App

Für die tägliche Unterstützung einer Psychotherapie gibt es auch spezielle App-Angebote, die Patienten und Patinnen begleitend nutzen können. Die Apps HelloBetter (ehemals Get.on), Deprexis und Invirto bieten bei Depressionen bzw. Angststörungen ein interaktives onlinebasiertes Selbsthilfeprogramm. Deprexis und Invirto sind zudem digitale Gesundheitsanwendungen (kurz: DiGA) und können von der Ärztin oder dem Arzt auf Rezept verschrieben werden. Krankenkassen übernehmen in den meisten Fällen auch anfallende Kosten. Die App RELAX Virtual Reality von Novego zum Beispiel bietet auf etwas besondere Art Entspannungs- und Meditationsübungen, bei denen Nutzerinnen und Nutzer mit Hilfe einer VR-Brille virtuelle Reisen unternehmen können. Sie lenken auf diese Weise von Alltagssorgen ab, können eine positive Stimmung erzeugen und beruhigend wirken.

Wie wirksam ist „digitale Psychotherapie“?

Studien belegen, dass Online-Therapie-Maßnahmen einen ähnlich hohen Erfolg haben wie die herkömmliche Psychotherapie. Ärzte empfehlen sogar, entsprechende Maßnahmen über den Zeitraum der eigentlichen Behandlung hinaus fortzusetzen. Auf diese Weise wird längerfristig auch vor eventuellen Rückfällen vorgebeugt. Die besten Ergebnisse zeigen Online-Therapien im Bereich Depression und Angstbewältigung, aber auch andere psychische Erkrankungen lassen sich über eine Online-Therapie behandeln.

Sehr erfolgreich zeigen sich Programme, bei denen es eine Kombination aus persönlichen Sprechstunden und Kontakt über das Internet gibt. Wichtig für eine alleinige Online-Therapie ist vor allem, dass PatientInnen einen persönlichen Ansprechpartner haben, den oder die sie bei Fragen jederzeit kontaktieren können. Das fördert insgesamt die Adhärenz, das bedeutet, dass PatientInnen auf diese Weise stärker motiviert  werden und ihr Durchhaltevermögen gesteigert wird.

Bei all den Erfolgen gibt es jedoch auch PatientInnen, für die eine Online-Therapie nicht geeignet ist. Insbesondere in akuten Krankheitssituationen oder bei Gefährdung der betroffenen Person, ist der direkte persönliche Kontakt zum Therapeuten bzw. der Therapeutin unerlässlich.

Quellen

[1] Ärzteblatt: Ältere Menschen: Psychische Erkrankungen häufiger als angenommen. https://www.aerzteblatt.de/archiv/182827/Aeltere-Menschen-Psychische-Erkrankungen-haeufiger-als-angenommen (letzter Abruf am 22.07.2021)

[2] Malteser: Die psychischen Folgen von Einsamkeit. https://www.malteser.de/dabei/information-tipps/wie-sich-einsamkeit-auf-koerper-und-seele-auswirkt.html#c681072 (letzter Abruf am 22.07.2021)

[3] Kassenärztliche Bundesvereinigung: Psychotherapie. https://www.kbv.de/html/psychotherapie.php (letzter Abruf am 22.07.2021)

[4] Pro Psychotherapie e.V.: Online-Therapie. https://www.therapie.de/psyche/info/index/therapie/online-therapie/definition-und-formen/ (letzter Abruf am 23.07.2021

[5] Andreas, S., Schulz, H., et al.: Prevalence of mental disorders in elderly people: The European MentDis_ICF65 study. 2017; British Journal of Psychiatry, 210(2):125-131

[6] Felnhofer A, Fischer-Grote L.: Einsatz neuer Medien in der pädiatrischen PsychosomatikUsing new media in pediatric psychosomatic medicine. 2021; Monatsschrift Kinderheilkunde. 169. 10.1007/s00112-021-01184-y.

[7] digital-ratgeber.de: Onlinetraining für die Psyche. https://www.digital-ratgeber.de/my-e-health/onlinetraining-fuer-die-psyche-562703.html (letzter Abruf am 06.08.2021)

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