Das E-Rezept im Ländervergleich

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Das E-Rezept im Ländervergleich.

Das E-Rezept ist seit Juli 2021 nun endlich auch in Deutschland eingeführt worden.

Andere Länder sind da bereits weiter und verschreiben schon seit einiger Zeit komplett papierlose Rezepte. Besonders in den skandinavischen und südeuropäischen Ländern ist das E-Rezept mit teils sehr unterschiedlichen Funktionalitäten weit verbreitet.

Eine generell große Herausforderung besteht auch in diesen Ländern darin, die verschiedenen Informationssysteme von Haus- und Fachärzten sowie Klinken zusammenzuführen. Perspektivisch ist es aber weiterhin das Ziel, das E-Rezept grenzüberschreitend ohne Barrieren nutzbar zu machen.

Wo ist das E-Rezept bereits national verfügbar?

Estland, Schweden, Dänemark, Belgien und Portugal zählen in Europa in Sachen E-Rezept zu den Vorreitern. Was diese Länder auszeichnet ist, dass die übergreifenden E-Rezept-Systeme und E-Medikationslisten bereits früh mit der elektronischen Patientenakte (ePA) verbunden worden sind. Darüber hinaus generieren und versenden die E-Rezept-Systeme in Schweden, Estland und Dänemark zusätzlich einen Report für den Arzt, nachdem der Patient das Rezept in einer Apotheke eingelöst und das Medikament ausgehändigt bekommen hat.

Regional oder begrenzt verfügbare E-Rezept-Systeme oder E-Medikationslisten finden sich des Weiteren in Italien, England, Spanien, Frankreich und den Niederlanden. Diese nur teilweise Abdeckung ist darauf zurückzuführen, dass Stand jetzt sowohl die technische Infrastruktur, als auch funktionierende Systeme kaum vorhanden sind. In den Ländern Polen, Österreich und Schweiz ist aktuell noch kein E-Rezept vorhanden. In Deutschland wird aufgrund der Komplexität und Sicherheit das E-Rezept erst einmal in einigen Regionen getestet, bevor es in ganz Deutschland zur Pflicht wird.

Das E-Rezept: unterschiedliche Umsetzung in Europa

Die europäischen Länder mit etablierten E-Rezept-Systemen haben diese dennoch jeweils sehr unterschiedlich umgesetzt. Manche Lösungen erlauben es dem Arzt beispielsweise, während der Erstellung der Verordnung einen Barcode zu generieren, mit dessen Hilfe der Apotheker das richtige Rezept identifizieren und vom zentralen Server abrufen kann. Dieses Modell ähnelt dem in Deutschland geplanten Modell. Andere Länder wiederum setzen auf ein alternatives Verfahren: Dort wird das E-Rezept auf den Servern der Karteninfrastruktur der jeweiligen elektronischen Gesundheitskarte gespeichert. In der Apotheke lässt sich das Rezept dann mittels eines Kartenlesegeräts abrufen.

Hierzu eine kleine Übersicht der Lösungen ausgewählter europäischer Länder:

In Estland, Dänemark, Schweden, Finnland und Portugal sind vollständig digital ausgestellte E-Rezepte erhältlich. In allen genannten Ländern werden die E-Rezepte in einer Datenbank gespeichert und sind anschließend für die Ärzte und Apotheker einsehbar, denen der Patient die Einsicht gewährt. In Estland zum Beispiel lädt die Praxissoftware des Arztes das E-Rezept automatisch in das Gesundheitssystem hoch. Um das E-Rezept anschließend aus dieser Datenbank abzurufen und das Medikament in der Apotheke zu kaufen, muss sich ein Patient dann vor Ort mit seiner elektronischen Gesundheitskarte identifizieren.

In Belgien benötigt der Apotheker einen Barcode der als Schlüssel fungiert, um das Rezept vom Server der Karteninfrastruktur abrufen zu können. Diesen kann der Arzt, nachdem er das E-Rezept mittels seiner Praxissoftware erstellt hat, ausdrucken oder in elektronischer Form, beispielsweise als E-Mail, an das Mobiltelefon des Patienten schicken. Auch wenn es in Belgien geplant ist, das System auf ein rein digitales E-Rezept umzustellen, sind die entsprechenden technischen Voraussetzungen noch nicht geschaffen.
In Dänemark nutzen sowohl Krankenhäuser als auch niedergelassene Ärzte E-Rezepte. Auch hier kann der Patient landesweit Ärzten und Apothekern Einsicht auf die hier gespeicherten Daten gewähren. Diese Daten enthalten beispielsweise Auskünfte über die aktuelle Medikation oder den Impfstatus. Muss das Medikament fortwährend eingenommen werden, kann der Patient direkt online eine weitere Verschreibung anfordern, sobald eine Packung aufgebraucht ist.

Neben Dänemark verfügen Estland, Portugal und Schweden zusätzlich über Systeme, die den verordnenden Arzt über den Abgabestatus des Medikamentes informieren. In Estland hinterlässt der Apotheker zusätzlich eine Notiz darüber, dass er das Medikament ausgehändigt hat. Zudem kann er gleichzeitig die parallel bereits verschriebenen Medikamente einsehen. Löst ein belgischer Patient das E-Rezept ein, erhält der Arzt vom E-Rezept-Server eine automatisch generierte Notiz, sobald das Medikament an den Patienten ausgehändigt ist.

Außerdem ist es zwischen den in die Digitalisierung bereits weit fortgeschrittenen Ländern Estland und Finnland möglich, verschriebene Verordnungen länderübergreifend einzulösen.

Welche EU-Länder planen noch die Einführung des E-Rezepts?

Neben den oben genannten EU-Ländern plant auch Österreich, das E-Rezept einzuführen. Polen und die Schweiz bedienen zurzeit noch keinen E-Rezept-Dienst. Jedoch könnte sich dies in der Schweiz ändern, nachdem das elektronische Patientendossier (EPD) eingeführt wurde.

Für die Entwicklung und die Einführung des E-Rezepts in Deutschland liegen Spezifikationen vor, um die Nutzung für alle – Patienten, Ärzte und Apotheker – so praktikabel und einfach wie möglich zu machen

Zum Abschluss noch ein kleiner Blick in unser Nachbarland Österreich: Dort soll das E-Rezept bis zum Jahre 2022 in allen Bundesländern eingeführt werden. Die Voraussetzung dafür ist die neue österreichische Krankenversicherungskarte „e-Card“. Hier soll, ähnlich wie in Belgien und Deutschland, ein Barcode über die ärztliche Praxissoftware generiert werden. Nach dem sich der Patient per e-Card in der Apotheke identifiziert hat, speichert der Apotheker im System, dass das Rezept eingelöst wurde und rechnet es elektronisch mit der Sozialversicherung ab. Gleichzeitig werden Informationen zum jeweiligen Medikament in die neue E-Medikation-Anwendung eingetragen, die für Ärzte und Patienten einsehbar und Bestandteil der elektronischen Patientenakte (ELGA) ist.

Quellen

[1] Bertelsmann Stiftung. Elektronische Rezepte. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV__SHS_ERezepte.pdf (letzter Abruf am 28.04.2021)
[2] Pharmazeutische Zeitung. E-Rezept erstmals länderübergreifend. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/e-rezept-erstmals-laenderuebergreifend/ (letzter Abruf am 28.04.2021)
[3] DAZ.online. Finnland ist Europameister beim E-Rezept. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/12/04/finnland-ist-europameister-beim-e-rezept (letzter Abruf am 28.04.2021)

Autor

Jens Wolfgarten

Chief Architect E-Rx