Klimawandel und Umweltschutz mit E-Health im Fokus

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Klimawandel und Umweltschutz:

E-Health im Fokus.

Bislang nicht in den verschiedenen Gesundheitsdebatten der vergangenen Jahre in Erscheinung getreten, ist Klimaschutz heute nicht mehr nur auf Klimakonferenzen ein Thema, denn: Auch der Gesundheitssektor weist eine hohe CO2–Emission auf. E-Health könnte hier einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Treibhausgase, wie beispielsweise CO2, treiben die Klimaerwärmung an und tragen gleichzeitig zu einer abnehmenden Luftqualität bei. Dem Lancet Policy Brief von 2019 zufolge ist das deutsche Gesundheitssystem mit 70 Millionen Tonnen CO2–Äquivalenten für 5,2 Prozent der gesamten CO2–Emissionen Deutschlands verantwortlich. Auch global gesehen gehören Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen durch ihren hohen Stromverbrauch zu den größten Verursachern von Treibhausgasen.

Bislang war das mögliche Potential von E-Health in Bezug auf Umweltschutz nicht im Fokus – doch dies ändert sich mit den zu erwartenden Folgen des Klimawandels.

Virtuelle Sprechstunde: effizient und umweltschonend

Während der Corona-Pandemie, aber auch dank verschiedener Änderungen des E-Health-Gesetzes, hat die Telemedizin in Deutschland eine große Akzeptanz erfahren. Neben einer verbesserten Versorgung von Patienten in abgelegenen Regionen bietet die Telemedizin dem Gesundheitssektor gleichzeitig einen Ansatzpunkt, den Ausstoß des umweltschädlichen CO2 und von gesundheitsschädlichen Autoabgasen zu reduzieren: So unter anderem mit der virtuellen Sprechstunde für beispielsweise Anamnese- oder Vorgespräche.

Über einen sicheren, an die Telematikinfrastruktur angebundenen Messenger ist es dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin möglich, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu klären, aber auch im Rahmen der Nachsorge nach Operationen über die Videofunktion die Heilungsfortschritte zu begutachten. Auch könnte sich so die Anzahl an unnötigen Notfallaufnahmen und –fahrten mit dem Krankenwagen vermeiden lassen, wenn plötzlich auftretende Symptome im Rahmen einer virtuellen Sprechstunde abgeklärt werden.

Mit weiteren Smartphone-Installationen lassen sich ebenfalls Wege einsparen. So ermöglichen es verschiedene Gesundheits-Apps, mit denen sich beispielsweise der Bluthochdruck oder der Blutzucker managen lassen, die gemessenen Daten als PDF an die hausärztliche Praxis zu schicken. So lässt sich die Anzahl an regelmäßigen Kontrolluntersuchungen reduzieren.

Wissenschaftler fanden im Jahr 2021 heraus, dass sich nur durch die Nutzung von virtuellen Sprechstunden mehr als 6.000 Kilometer Fahrt mit dem Auto zur Praxis einsparen ließen. Dies entspricht einem Einsparpotential von 1,1 Tonnen die Menschen leisten könnten, wenn sie sich telemedizinisch behandeln lassen würden.

Rezept als Code, Elektronische Akten = weniger Abholzung

Über die virtuellen Sprechstunden lässt sich, genau wie nach einem Besuch in der Praxis, ein elektronisches Rezept – das E-Rezept – ausstellen. Dieses besteht aus einem Code, der direkt von der Praxissoftware auf einem sicheren Server innerhalb der Telematikinfrastruktur gespeichert wird. Mit der auf dem Smartphone installierten E-Rezept-App der gematik oder der eigenen Krankenkasse lässt sich dieses Rezept abrufen und an eine Apotheke weiterleiten. Auf diese Weise ist es in der Praxis nicht mehr nötig, das Rezept auf Papier auszudrucken. So ermöglicht die Einführung des E-Rezepts ebenso Papier einzusparen, wie die Digitalisierung von beispielsweise Anamnesegesprächen, Laborbefunden und Krankenhausbriefen.

Seit dem Jahr 2021 bieten Krankenkassen ihren Patienten und Patientinnen die elektronische Patientenakte (ePA) an. Diese hat verschiedene Vorteile: Die erkrankte Person kann die für die verschiedenen Ärzte und Ärztinnen relevanten Informationen aktiv zugänglich machen und dabei auch selber verwalten. Dies ermöglicht zum einen eine bessere Patientenversorgung, zum anderen liegen alle Informationen digital vor und nicht mehr in Papierform.

Die Digitalisierung kann dazu beitragen, dass Wälder erhalten bleiben und somit weiter als unsere größten CO2-Speicher fungieren können. Jedoch kommt dieser positive Effekt nur zu tragen, wenn Server und Geräte energieeffizient sind und konsequent Strom aus erneuerbarer Energie erhalten.

Fazit

Da E-Health noch nicht sehr lange im Gesundheitssektor genutzt wird, fehlt es noch an abschließenden Belegen dafür, inwiefern sich seine Nutzung positiv auf die Umwelt auswirkt. Klar scheint jedoch, dass E-Health global für eine leichter erreichbare und gleichzeitig sicherere medizinische Versorgung von Menschen sorgt – bei behandlungsbedürftigen Menschen ebenso wie bei medizinischem Personal. Voraussetzung ist, dass ein Zugang und das entsprechende Wissen um den Umgang mit der nötigen Technologie besteht.

Ist dieser Zugang gegeben, lässt sich mit der verstärkten Nutzung von virtuellen Sprechstunden oder Gesundheits-Apps der CO2–Ausstoß durch die Anfahrtswege einsparen. Jedoch ist es sinnvoll, auf erneuerbare Energie zu setzen und in langlebige und effiziente Hardware und Technologien zu investieren. So lässt sich gleichzeitig die Menge an Elektromüll vermeiden sowie der CO2–Ausstoß durch energieeffiziente Geräte niedrig halten.

Den größeren positiven Effekt auf die Umwelt bietet E-Health möglicherweise durch den Umstieg auf die digitale Dokumentation und das E-Rezept. Der damit reduzierte Verbrauch von Papier könnte dazu führen, dass weniger Fläche heimischer und tropischer Wälder für die Papierproduktion abgeholzt werden und so dazu beitragen, dass dieser CO2-Speicher erhalten bleibt.

Quellen

[1] Holmner, Asa et al. “Climate change and eHealth: a promising strategy for health sector mitigation and adaptation”. Global health action Vol. 5 (2012): 10.3402/gha.v5i0.18428.

[2] Christos Tsagkaris, et al. Using telemedicine for a lower carbon footprint in healthcare: A twofold tale of healing, The Journal of Climate Change and Health, Vol. 1(2021): 100006, ISSN 2667-2782, https://doi.org/10.1016/j.joclim.2021.100006.

[3] The Lancet Countdown on Health and Climate Change. Policy Brief für Deutschland. Stand November 2019. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Pressemitteilungen/20191114_Klimawandel/3_Lancet_Countdown_Policy_brief_for_Germany_German_v01b.pdf (letzter Abruf am 23.02.2022)

[4] Filfilan,A. et al. Positive environmental impact of remote teleconsultation in urology during the COVID-19 pandemic in a highly populated area, Progrès en Urologie,31(16); 2021,1133-1138.ISSN 1166-7087. https://doi.org/10.1016/j.purol.2021.08.036.  

Autorin

Anna Tönneßen

Associate Director, Sustainable Development